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23.01.2019

Warum Android-Smartphones jetzt immer schneller Updates bekommen

Die Update-Situation für Android-Smartphones bessert sich langsam - von Apple-Zuständen bleibt man aber weit entfernt.

Android und Updates – es ist eine komplizierte Angelegenheit. Jahrelang musste man als Android-Nutzer zittern, ob man ein Update auf die nächste große Android-Version erhalten würde. In den vergangenen drei Jahren begann sich die Situation zu bessern. Immer mehr Hersteller gaben „Update-Garantien“ ab. Doch auch trotz Upgrade-Versprechen war es ein Geduldsspiel. Nach der Veröffentlichung einer neuen Android-Version vergingen oft Monate, bis diese auch auf dem Gerät ankam.

Bei manchen Geräten wird es besser

Doch eine Untersuchung von Android Authority gibt nun Grund zur Hoffnung. Der Blog erhob, wie lange es von der Ankündigung einer neuen Android-Version bis zur Auslieferung durch einen Hersteller dauerte. Das Ergebnis: Es wird besser.

Während die Auslieferung von Android 7.0 alias „Nougat“ bei Samsung noch 259 Tage dauerte, kam Android 9.0 alias „Pie“ schon in 140 Tagen daher. Die aktuell schnellsten Hersteller: Sony (67 Tage), OnePlus (71 Tage) und Xiaomi (121 Tage).

Im Durchschnitt musste man auf Nougat-Updates 192 Tage warten, bei Android 8.0 alias „Oreo“ zeichnete sich der Trend mit 170 Tagen bereits ab. Bei Pie waren es sogar nur mehr 118 Tage – allerdings muss man hier noch auf Updates von LG und HTC warten, die den Durchschnitt erhöhen dürften.

Die Zahlen von Android Authority sind jedoch nur mit Vorsicht zu genießen. Denn es wurden lediglich die Flaggschiff-Modelle der Hersteller untersucht. Gemessen an den Stückzahlen machen mittlerweile Einsteiger- und Mittelklasse-Modelle eine große Zahl der verkauften Smartphones aus. Geräte wie Huaweis P20 Lite, Samsungs Galaxy A7 oder Xiaomis Mi A2 Lite sind mit 200 bis 250 Euro deutlich leistbarer als die Spitzenklasse, die sich zunehmend Richtung 1000 Euro und mehr bewegt. Doch gerade in der Mittelklasse kommen deutlich seltener oder später Updates.

Ein weiterer Umstand, der die Statistik verfälscht: Von Mobilfunkern erworbene Geräte haben oftmals ein sogenanntes Software-Branding. Dabei haben die Mobilfunker die Android-Version leicht angepasst, beispielsweise um Logos und hauseigene Apps ergänzt.

Kommt nun ein offizielles Update daher, müssen die Mobilfunker dieses erst für ihre Geräte anpassen und testen. So kann sich die Auslieferung der Updates um mehrere Monate verzögern. Auch die Region, in der das Smartphone gekauft wurde, kann eine entscheidende Rolle spielen. So liefern insbesondere chinesische Hersteller, wie Xiaomi und Huawei, Updates deutlich früher auf ihren Heimatmärkten aus. Der Nachteil: Diese Versionen verzichten auf Google-Apps, da Google in China gesperrt wurde.

Für den generellen Aufwärtstrend dürften zwei Google-Initiativen verantwortlich sein: Android One und Project Treble. Project Treble wurde mit Android 8.0 eingeführt und nahm wesentliche Änderungen an der Struktur des Mobil-Betriebssystems vor. Dazu hat Google die sogenannte Hardwareabstraktionsschicht (HAL) vom Code des Betriebssystems getrennt.

HALs sind erforderlich, damit Android-Software auf Hardwarefunktionen, beispielsweise die Kamera oder das Mikrofon, einfach zugreifen können. Da die verwendete Hardware jedoch von Gerät zu Gerät variiert, mussten die Hersteller oftmals warten, bis Chip- und Komponenten-Hersteller ihren überarbeiteten Code zulieferten, um mit der Arbeit am Geräte-spezifischen Update zu beginnen. Das ist bei aktuellen Android-Versionen nicht mehr erforderlich, sofern keine wesentlichen Änderungen vorgenommen werden.

Durch die zunehmende Modularisierung von Android können seit einer Weile auch Sicherheitsupdates schneller und ohne großes Upgrade ausgeliefert werden. Google verpflichtet seine Partner in Lizenz-Abkommen auch dazu. Hersteller, deren Geräte von mehr als 100.000 Nutzern verwendet werden, müssen für Android-Smartphones und -Tablets zumindest zwei Jahre lang Sicherheits-Updates liefern. Obwohl diese monatlich von Google veröffentlicht werden, sind hier viele Hersteller nach wie vor langsam unterwegs und liefern diese nur mit einigen Monaten Verzögerung aus. Geräte, die sich für Googles „Enterprise Recommended“-Programm qualifizieren, müssen Sicherheits-Updates mit maximal drei Monaten Verzögerung ausliefern.

Zweifel an Android One

Android One gilt hingegen als der inoffizielle Nachfolger von Googles Nexus-Programm. Zahlreiche Hersteller, darunter Nokia, Xiaomi und Motorola, liefern Smartphones mit einer Branding-freien Android-Version aus. Auf komplexe Hersteller-Apps und unnötige Bloatware wird verzichtet, stattdessen kommt pures Android ohne Schnickschnack zum Einsatz, das zumindest zwei Jahre lang mit Upgrades versorgt wird.

Durch Android One haben sich sogar einige Hersteller selbst überholt. Während das offizielle LG-Flaggschiff G7 ThinQ noch auf Android 9.0 wartet, hat es das G7 One bereits erhalten. Ähnlich die Situation bei HTC: Das U12 Plus wartet noch auf ein Pie-Update, das U11 Life läuft bereits darauf.

Mit dem Android-One-Programm sollte sichergestellt werden, dass auch günstigere Smartphones regelmäßig Updates erhalten. Doch zuletzt brachte eine Änderung auf Googles Webseite dieses Vertrauen ins Wanken: Google sicherte auf der offiziellen Webseite seit Ende Dezember nur mehr essenzielle Sicherheitsupdates für zumindest drei Jahre zu. Vom Versprechen, mindestens zwei Jahre lang Betriebssystem-Upgrades zu liefern, war keine Spur mehr. Google beteuerte allerdings auf Anfrage eines indischen Blogs, dass man das Versprechen weiterhin einhalten werde.

Google einzige Apple-Alternative

Obwohl sich die Situation langsam bessert, ist man von einer mit Apple vergleichbaren Situation nach wie vor weit entfernt. Durchschnittlich erhalten Geräte zwischen drei bis vier Betriebssystem-Upgrades. Das mittlerweile mehr als fünf Jahre alte iPhone 5s erhielt mit iOS 12 im Vorjahr das bereits fünfte große Upgrade. Dadurch – und durch das im Vergleich zu Android überschaubare Geräte-Portfolio – fällt auch die Fragmentierung deutlich schwächer aus.

75 Prozent aller aktiven Geräte setzen derzeit auf iOS 12, weitere 17 Prozent entfallen auf iOS 11. Bei Android wurden die Zahlen seit der Auslieferung von Android Pie nicht mehr aktualisiert, doch Ende Oktober 2018 lag Android Oreo noch bei 21,5 Prozent. Derzeit scheint die einzige Alternative Googles Pixel-Smartphones zu sein, die zumindest drei Jahre lang Software- und Sicherheits-Updates erhalten. Dafür muss man aber auch mittlerweile ähnlich tief wie bei Apple in die Tasche greifen.