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Was man beim Kauf eines Teleskops beachten sollte

Der Weltraum übt auf Kinder und Erwachsene gleichermaßen eine große Anziehungskraft aus. Himmelskörper zu beobachten, ist dabei für viele ein erster Schritt, selbst in die Astronomie-Welt einzutauchen – gerade während man die meiste Zeit zuhause verbringt. Der Kauf von Einsteiger-Teleskopen ist allerdings eine Herausforderung. Das Angebot ist groß, die Qualitätsunterschiede sind noch größer. Greift man zum falschen Gerät, ist Frustration vorprogrammiert.

Erwartung vs. Realität

Bevor angehende Astronomen das erste Teleskop kaufen, sollten sie sich damit vertraut machen, was damit tatsächlich sichtbar ist und was nicht. "Viele haben falsche Vorstellungen und sind beim Blick durch das Fernrohr enttäuscht. Sie stellen sich Bilder von bunten Nebeln vor, wie man sie vom Weltraumteleskop Hubble kennt. Das ist durch ein Teleskop nicht sichtbar", erklärt Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) im futurezone-Gespräch.

"Geduld und Forschertrieb sind die wichtigste Motivation für ein Teleskop. Wenn man das nicht hat, sollte man die Finger davon lassen". Deshalb empfiehlt Pikhard zunächst eine Sternwarte zu besuchen und dort durch ein Teleskop zu schauen, besonders mit Kindern. Ist die Begeisterung dann noch nicht abgeebbt, kann man sich nach einem geeigneten Gerät umsehen. 

Jupiter und Saturn waren bei ihrer Begegnung im Dezember 2020 gut mit dem Teleskop zu beobachten

Verarbeitung

Günstige Teleskope sparen oft an der Verarbeitung, was es schwierig macht, Objekte zu finden. "Es kommt auf die Bedienbarkeit und die Stabilität an. Wenn alles aus Plastik ist, wackelt es zu stark und man sieht nichts. Das impliziert aber, dass es ein paar Kilo auf die Waage bringen muss", erklärt Pikhard. Bereits kleine Erschütterungen können dafür sorgen, dass Himmelsobjekte aus dem Fokus verschwinden oder sie verwackeln. 

Das Sternegucken mit dem Teleskop erfordert Geduld und Freude am gesamten Prozess der Suche und Justierung. Mithilfe von Apps und Sternenkarten fällt die Orientierung am Nachthimmel leicht. Das neue Teleskop sollte jedenfalls ein Suchfernrohr haben, mit dem es grob ausrichtet wird. Als erstes Ziel bietet sich der Mond an, da er sehr leicht zu finden ist. Das Beobachten von Jupiter und Saturn erfordert schon etwas mehr Übung.

Durchmesser ist wichtigster Faktor

Intuitiv schauen viele Anfänger zunächst auf eine möglichst große Vergrößerung. Laut Pikhard bieten Einsteigerteleskope aber maximal eine 100-fache Vergrößerung – was darüber liegt, sei Etikettenschwindel. Bereits eine 20- bis 30-fache Vergrößerung ermögliche es, Details auf dem Mond zu erkennen, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Mit 100-facher Vergrößerung und guten Bedingungen, also einem klaren Nachthimmel, dem richtigen Zeitpunkt und wenig Lichtverschmutzung, sind die Ringe des Saturn erkennbar.

Desto größer der Durchmesser des Teleskops, desto mehr kann man erkennen

Viel wichtiger als die Vergrößerung ist aber der Durchmesser der Öffnung. Desto größer dieser ist, desto mehr Licht dringt ein und desto besser lassen sich Himmelskörper beobachten. Mit der Größe der Öffnung, steigt allerdings auch der Preis deutlich an.

In Astronomie-Shops werden in der Beschreibung der Teleskope immer 2 Zahlen genannt, etwa 70/700 oder 150/750. Diese Zahlen stehen für den Durchmesser der Öffnung und die Brennweite. Bis zu einem Durchmesser von 150 mm bewegt man sich im Bereich der Einsteiger-Teleskope. Die Brennweite sollte nicht zu lang sein: "Das schränkt den Einsatzbereich auf Mond und Planeten ein. Sternhaufen, Nebel und Galaxien wird man damit nicht sehen können", erklärt Pikhard.

Eine kurze Brennweite und eine Öffnung von maximal 150mm sind für Einsteiger ausreichend

Linse oder Spiegel

Das Angebot an Einsteigerteleskopen im Internet ist riesig. Bei Amazon oder in speziellen Astronomie-Shops finden sich lange Listen, mit denen Anfänger wenig anfangen können. Warum kostet ein Teleskop 150 Euro und ein anderes 600? Neben der bereits genannten Öffnung ist für den Preis auch die Bauart entscheidend.  

Für Anfänger sind Linsenfernrohre (Refraktor) gut geeignet. Sie haben, wie der Name schon sagt, vorne eine Linse und hinten sieht man hinein. Daher ist es schon mit relativ wenig Aufwand einsatzbereit und einfach zu bedienen. "Das sind die klassischen Kinderteleskope", sagt Pikhard.

Linsenteleskop

Ein bisschen mehr Arbeit erfordert ein Spiegelfernrohr (Reflektor), allerdings ist es billiger als ein Linsenfernrohr. So erhält man eine größere Öffnung für weniger Geld. Spielteleskope erfordern ein stärkeres Nachjustieren und sind daher eher für Jugendliche und Erwachsene geeignet.

Dobson: Günstig aber unhandlich

Beliebt bei Hobby-Astronomen ist das Dobson-Teleskop, benannt nach seinem Erfinder John Dobson. Es hat sehr wenig Mechanik, eine große Öffnung gibt es daher schon für wenig Geld. Allerdings ist es nicht sonderlich handlich, da es meist auf einem Kasten montiert wird, den man schlecht für einen Ausflug in den Kofferraum packen kann.

Diese Teleskope wiegen oft 15 bis 20 Kilogramm. Inzwischen gibt es zwar auch leichtere, innovativere Konstruktionen, aber unhandlich bleiben sie trotzdem, da sie fest auf einer Drehscheibe montiert sind und damit auch auf unebenem Terrain in der Natur nicht fest stehen. Wohnt man an einem Ort, an dem das Teleskop mit freiem Blick auf den Nachthimmel aufgestellt werden kann, ist es allerdings praktisch. Mit seiner sehr einfachen Drehscheibe lassen sich Objekte gut finden, allerdings ist Geduld notwendig, um sie manuell zu finden und zu verfolgen.

Finger weg vom Selbstsucher

Natürlich ist auch bei Teleskopen die Entwicklung nicht stehengeblieben. Deshalb gibt es auch Geräte mit einem Motor. Denn desto stärker man ein Objekt am Nachthimmel vergrößert, desto schneller verschwindet es wieder aus dem eingestellten Sichtfeld. Um dem entgegenzuwirken, gibt es Geräte, die Objekte selbst finden und automatisch nachverfolgen. Das nutzen vor allem Astrofotografen, um Langzeitbelichtungen des Himmels zu machen. 

Dennoch müssen auch hier Einstellungen vorgenommen werden, damit sich das Gerät am Nachthimmel selbst orientieren kann. Funktioniert es dann nicht auf Knopfdruck, ist es häufig schwieriger, der Technik entgegenzuwirken, als Objekte einfach manuell einzustellen. Zudem lassen sich viele Teleskope auch später noch nachrüsten.

Diese Aufnahme des Orion-Nebels wurde vom Weltraumteleskop Hubble gemacht. Mit einem Hobby-Teleskop kann man das nicht sehen.

Teure Bildersuche

Ganz neu sind digitale Teleskope für mehrere Tausend Euro, die Bilder auf einem Display anzeigen, statt den Blick durchs Fernrohr zu bieten. Dabei richtet man sie auf das gewünschte Objekt aus, das mit einer integrierten Kamera abgefilmt wird. Eine künstliche Intelligenz (KI) rechnet ein schönes Bild heraus, das dann jenen Aufnahmen nahekommt, die man eben von Hubble kennt. Die Bilder werden oft nur über eine zugehörige Smartphone-App angezeigt.

Verloren geht dabei allerdings der Forschergeist. "Das ist die Antwort der Industrie darauf, dass viele Leute maßlos enttäuscht sind, wenn sie sich ein Teleskop kaufen. Eigentlich ist es nichts anderes als sich im Internet Bilder anzusehen", sagt Pikhard. Nur eben für 4.000 Euro statt kostenlos.

Der Preis

Auch bei Einsteigerteleskopen sollte man nicht beim Preis sparen, da viele günstige Produkte mehr Frustration auslösen als Freude. Dann ist die Begeisterung der Hobby- und Nachwuchsastronomen schnell weg und das Interesse wird im Keim erstickt. Ein gutes Einsteiger-Teleskop kostet zwischen 150 und 300 Euro.

Manchmal reicht auch ein Fernglas für die ersten Beobachtungen am Himmel

Fernglas oder Fernrohr?  

Das ist viel Geld, insbesondere wenn noch unsicher ist, wie groß und langanhaltend das Interesse wirklich ist. Ein Fernglas ist dabei nicht nur ein guter Zwischenschritt, sondern gehört laut Pikhard zur Grundausstattung von Hobby-Astronomen. "Jedes Fernrohr hat seinen Himmel, denn es gibt für jedes ein Set an Objekten, die es besonders gut abbildet". 

Viele Himmelsobjekte wie die Andromeda-Galaxie lassen sich bei dunklem Himmel am schönsten mit einem Fernglas (mehr dazu hier) beobachten. Hier sind für den Einstieg schon 50 Euro gut angelegt.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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