© Paul Scholar, ANSMET.

Science

So findet und sammelt man Meteoriten

Täglich stürzen 100 Tonnen an winzigen Partikeln aus dem All auf die Erde herab. Diese Mikrometeoriten liegen auf unseren Hausdächern, in unseren Gärten und bleiben dort wahrscheinlich für immer unbeachtet.

Manchmal aber, wenn man viel Glück hat und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, lässt sich ein gleißend helles Licht am Himmel beobachten - ein Meteor. Im vergangenen Jahr war das in Österreich sogar 2 Mal möglich, in der Steiermark und in Oberösterreich

Gefunden wurden die beiden Meteoriten, die dieses Licht verursachten, bisher noch nicht. Denn dass die Feuerkugeln gefilmt wurden bedeutet nicht, dass die exakten Einschlagsstellen identifiziert werden können. Um sie zu berechnen, kommt in Österreich momentan noch ein ganz erstaunliches Werkzeug zum Einsatz: Das menschliche Auge.

Asteroid, Meteor oder Meteorit?

Für jede Phase, die ein Objekt aus dem All durchläuft, gibt es eine eigene Bezeichnung:

Komet: Ein Himmelskörper, dessen gefrorene Wasserstoff- und Kohlenstoffspeicher aufgrund seiner Nähe zur Sonne verdampfen. Das formt eine leuchtende "Koma", bzw. einen Schweif, den er hinter sich herzieht 

Asteroid: Ein Objekt, dass sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befindet und kleiner als ein Zwergplanet ist

Meteor: Nach dem Eintritt eines Asteroiden in die Erdatmosphäre reagiert dessen Oberfläche mit der Luft und ionisiert. Das helle Licht, dass dann zu sehen ist, ist ein Meteor

Meteoroid: Ein Meteoroid ist ein sehr kleiner Asteroid

Meteorit: Ein Objekt aus dem All, das bereits auf der Erde eingeschlagen ist

Feuerball: Ein Feuerball, auch Feuerkugel oder Bolid genannt, ist ein besonders heller Meteor mit einem Durchmesser von mehr als einem Zentimeter

Sternschnuppe: Eine Sternschnuppe ist ein Meteor, der aus einem Objekt entsteht, das etwa einen Durchmesser von einem Millimeter hat

Augenzeugen gefragt

Das Naturhistorische Museum Wien hat eine Website eingerichtet, die mit der International Meteor Organization verknüpft ist. Darüber können Augenzeugen beschreiben, was sie gesehen haben. Je mehr Menschen sich dort melden, desto besser kann das Gebiet eingeschränkt werden. Im Falle des Meteoriten, der am 19. November 2020 eingeschlagen ist, waren das 118 Menschen.

Das mögliche Areal erstreckt sich dementsprechend weit von Lunz am See bis nach Kindberg. Dazwischen liegen Wälder und Berge, was die Suche erschwert. „Man kann also nicht einfach mit einem Metalldetektor losgehen, als würde man Pilze suchen. Wir arbeiten mit einem geschulten Team im Liniensuchverfahren“, erklärt der Geologe Ludovic Ferrière das Prozedere.

Der Forscher ist Kurator der Meteoriten- und Impaktitsammlung im Naturhistorischen Museum Wien (NHM). Die Suche, bei der mehrere Personen in einem gewissen Abstand zueinander den Boden absuchen, war in diesem Gebiet bisher noch nicht erfolgreich. 

Ludovic Ferrière bei der Suche nach Meteoriten in Österreich

Weder Metalldetektoren noch Magnete

Obwohl Metalldetektoren und Magnete immer wieder von Hobby-Sammlern für die Suche von Meteoriten genutzt werden, sind sie ungeeignet, sagt Ferrière. Einerseits können durch Magnete die im Meteoriten gespeicherten Informationen verloren gehen. Andererseits haben Meteoriten je nach ihrem Ursprung andere Eigenschaften: „Nicht alle Meteoriten enthalten Metall und sind magnetisch, zum Beispiel jene vom Mars oder Mond sind es nicht. Verlässt man sich nur auf diese Eigenschaft, würde vieles unentdeckt bleiben.“

Täglich erhält er E-Mails von Menschen die glauben, sie hätten einen Meteoriten gefunden. Das ist aber eigentlich nie der Fall, denn auch irdisches Gestein kann für das ungeübte Auge fremd wirken. Deswegen klärt er auf: „Es gibt einige einfache Unterscheidungen, die die Menschen machen können: Meteoriten haben eine schwarze Schmelzkruste, die beim Eintritt in die Atmosphäre entsteht.“

Liegt ein Meteorit schon lange auf der Erde, oxidiert er und wird bräunlich. Bruchstellen, die durch den Aufprall entstehen, geben Einblick in das meist gräulich schimmernde Innere von Asteroiden.

Verwechslungsfahr

Häufig finden Menschen Schlacke. Da sie äußerst ungewöhnlich aussieht, liegt die Vermutung nahe, einen Meteoriten entdeckt zu haben. Sie ist zudem magnetisch, weshalb es schnell zu Verwechslungen kommt. Schlacke ist ein Nebenprodukt der Metallverarbeitung, kommt aber auch bei Vulkangestein vor. Das deutlichste Merkmal, das sie von Meteoriten unterscheidet, sind die Vesikel (Löcher). Hier bildeten eingeschlossene Gase im noch flüssigen Magma Blasen. Das ist bei Meteoriten nie der Fall.

DER METEORIT VON CHELYABINSK

links: © Franziska Bechtold

rechts: © NHM, L. Ferrière

Meteorit vs. Meteorwrong

Meteoriten (rechts) haben eine schwarze Schmelzkruste. Bruchstellen sind häufig gräulich oder bräunlich, zudem sind sie oft ungewöhnlich schwer. Schlacke (links) hat Vesikel (Löcher), die bei Meteoriten nie auftreten.

Findet man doch zufällig beim Spaziergang etwas, das auf die Meteoriten-Beschreibung zutrifft, sind ein paar Punkte zu beachten, erklärt Ferrière. Die Finder sollten das Objekt nicht anfassen, sondern zunächst die Fundstelle fotografieren und die exakten GPS-Daten notieren. Mit einem Smartphone geht das inzwischen problemlos über Karten wie Google Maps. Einsammeln kann man ihn dann mit Gummihandschuhen, Alufolie oder einem unbenutzten Plastiksackerl. Das schützt den Meteoriten vor weiterer Kontaminierung.

Flugbahn nur schwer nachvollziehbar

Die meisten Meteoriten, die heutzutage gefunden werden, liegen schon lange auf der Erde. Sammler suchen sie vor allem in sehr trockenen Gebieten wie Wüsten und in der Antarktis. Dort ist die Luftfeuchtigkeit so niedrig, dass die Meteoriten noch nicht verwittert und gut erkennbar sind. Die Universität Utah hat für die Suche im Eis eigenes das "Antarctic Search for Meteorites Program" (ANSMET) ins Leben gerufen. 2019 konnte so bei einer Expedition ein Mond-Meteorit gefunden werden.

In der international gültigen Datenbank der Meteoritical Society sind 65.253 Objekte gelistet (Stand 17. März 2021). Nur von 40 dieser Meteoriten ist auch eine Flugbahn bekannt, da ihr Fall beobachtet werden konnte.

Eigentlich sollten häufiger Meteore beobachtet werden, aber „die Menschen sehen nicht mehr so oft in den Himmel wie früher“, erklärt Ferrière. Deshalb kommen weltweit Kamerasysteme zum Einsatz, die diese Beobachtung übernehmen. Sind sie strategisch platziert, erfassen mehrere Kameras einen Meteor. So kann berechnet werden, wo er herkommt und wo er vermutlich gelandet ist. 

Ab einer gewissen Höhe hört der Meteor auf zu leuchten und der Meteorit befindet sich im "dunklen Fall". Deshalb fließen im Nachhinein neben den Kameraaufnahmen und den Augenzeugenberichten auch Faktoren wie Wind in die Berechnung ein. Je mehr Daten erfasst wurden, desto höher ist die Chance, den Meteoriten mithilfe eines geschulten Teams und der Bevölkerung zu finden. 

6 Kameras sollen Meteore jagen

Damit mehr Objekte ihren Weg in ein Museum finden, baut Ferrière derzeit ein Kameranetzwerk in Österreich auf. Die erste "Fish Eye"-Kamera steht auf dem Dach des NHM. Sie gehört zum französischen Projekt FRIPON (Fireball Recovery and InterPlanetary Observation Network). Das Live-Bild kann online abgerufen werden und aktualisiert sich alle 15 Minuten. 

Mit einer Kamera kann in Österreich allerdings noch nicht viel ausgerichtet werden. Wenn es in Wien bewölkt ist, findet die Kamera keine Meteore. Für eine geometrische Triangulation, mit der die Flugbahn eines Objekts nachvollzogen wird, sind mehrere Aufnahmen notwendig. Deshalb werden in Kürze 5 weitere FRIPON-Kameras strategisch im Land verteilt, beispielsweise in Salzburg und in Graz. Sie werden vom NHM und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für die Beobachtung gekauft.

Um ganz Österreich abzudecken, müssten mindestens 12 solcher Kameras zum Einsatz kommen. Sie müssen jeweils vor Ort betreut werden, etwa von interessierten Hobby-Astronomen. Wer Interesse hat, kann sich für ungefähr 2.000 Euro ein solches System auf dem Dach installieren. Aber auch Kameras anderer Netzwerke werden für Beobachtungen genutzt. So betreibt das VEGA Observatorium in Salzburg etwa eine Kamera von AllSky7.

Die neuen Kameras sollen voraussichtlich im Sommer erstmals in Betrieb gehen. Dadurch hofft Ferrière, zukünftig mehr Meteoriten in Österreich aufzuspüren.

Was mit Meteoriten passiert, nachdem sie gefunden wurden, lest ihr im zweiten Teil.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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