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Science
07/29/2020

Auch NASA-Rover nutzt günstige Mars-Reisesaison 2020

Nach Al-Amal und Tianwen-1 startet mit dem Rover "Perseverance" bald der dritte Roboter innerhalb weniger Tage zum Mars.

von David Kotrba

"Hoffnung", "Fragen an den Himmel" und "Beharrlichkeit" - Mit "Al-Amal", "Tianwen-1" und "Perseverance" präsentiert sich die Menschheit von ihrer positiven Seite, um seinen potenziell lebensfreundlichsten Nachbarn zu besuchen. Die gleichnamigen Roboter sollen den Mars erkunden und dazu beitragen, dass irgendwann in den nächsten Jahrzehnten Menschen persönlich dort vorbeischauen können. Zwei der Missionen sind bereits gestartet. Wenn alles gut geht, folgt nun die dritte.

Tonnenschwerer Rover

Am Donnerstag, den 30. Juli soll der US-Rover Perseverance laut Plan seine Reise antreten. Im Februar 2021 soll er am Mars landen. "Der Rover ist eine Klasse für sich", meint der Raumfahrtexperte Eugen Reichl. Die 2,7 Milliarden Dollar teure Maschine ist mit rund einer Tonne etwas schwerer als der äußerlich sehr ähnliche Rover Curiosity, der seit 2012 am Mars ist.

Er wird in einem ehemaligen Flussdelta im Jezero-Krater auf dem Mars nach Lebensspuren suchen. Dabei wird er Bodenproben nehmen, die mit einer europäisch-amerikanischen Folgemission 2031 zurück zur Erde transportiert werden sollen. Laut Reichl sei dies aus momentaner Sicht aufgrund der technischen Schwierigkeit "der heilige Gral" der Raumfahrt.

Perseverance wird außerdem eine Drohne absetzen. "Ingenuity" ("Genialität") soll das erste Fluggerät auf einem anderen Planeten sein.

Drei statt vier

Dass innerhalb weniger Tage gleich drei Raumsonden losgeschickt werden, ist der günstigen Konstellation von Erde und Mars zu verdanken. Wer das aktuelle Zeitfenster, das noch bis Mitte August offen ist, nutzt, kann mit  relativ wenig Energieaufwand zum Roten Planeten reisen.

"Dass gleich drei Missionen das aktuelle Zeitfenster nutzen, ist tatsächlich viel", meint Reichl. "Eigentlich sollten es sogar vier sein, aber beim Rover 'Rosalind Franklin' der ESA hat es Verzögerungen gegeben." Weil sich das ideale Zeitfenster nur alle 26 Monate auftut, heißt es also: Warten bis 2022.

Hoffnungsträger

Mit Al-Amal der Vereinigten Arabischen Emirate ist am 19. Juli die erste der aktuellen Mars-Missionen gestartet. Die Sonde hat als erste arabische Mars-Raumsonde großen Symbolcharakter. Das 9,8-Millionen-Einwohner-Land feiert 2021 sein 50-jähriges Bestehen und will mit seinem "Hoffnung" genannten Mars-Orbiter zeigen, dass es für mehr als nur Erdöl steht.

Die Raumsonde wurde in nur sechs Jahren entwickelt und hat die inländische Weltraumforschung beflügelt. Sie soll den Planeten im Februar 2021 erreichen, in eine Umlaufbahn um den Planeten einschwenken und dessen Atmosphäre erforschen. "Darauf hat sich bis jetzt noch niemand anderer spezialisiert. Die haben eine Lücke gefunden, die sie intelligent ausfüllen", meint Reichl.

Ambitioniertes China

Vier Tage später, am 23. Juli, erfolgte der Start der chinesischen Mission Tianwen-1. Sie soll ebenfalls im Februar 2021 beim Mars ankommen. Zwei bis drei Monate später wird vom Orbiter ein Landemodul abgekoppelt, das am Mars landen und sogar einen Rover aussetzen soll. "Das Vorhaben ist sehr riskant", meint Werner Magnes vom Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

"Die Chinesen haben zwar Erfahrungen mit Mondmissionen gesammelt, waren aber noch nie beim Mars und wie man in der Vergangenheit gesehen hat, kann das schnell schiefgehen." Die durchschnittliche Erfolgsrate einer Marsmission ist tatsächlich gering. Weniger als die Hälfte der bisherigen Missionen sind geglückt.

Zugriff auf Forschungsdaten

Das IWF hat einen Magnetometer mitentwickelt, der eines der Instrumente am chinesischen Marsorbiter darstellt. Mit ihm kann man Hinweise auf die Entwicklung des Mars sammeln und Gesteinsschichten unter seiner Oberfläche erforschen.

Durch die Kollaboration erhält das IWF Zugriff auf die Forschungsdaten der Mission. Das ist keine Selbstverständlichkeit. "Die Datenfreigabe läuft normalerweise sehr langsam und beschränkt ab", meint Magnes. "Das liegt an der chinesischen Weltraumpolitik. Man will zuerst sicherstellen, dass man alles unter Kontrolle hat und die Datenqualität stimmt."