© NASA/ESA/Brian Welch JHU et al

Science

Hubble hat einen Stern in atemberaubender Entfernung entdeckt

Das Weltraumteleskop Hubble hat ein Bild gemacht, das einen Stern in atemberaubender Entfernung anzeigt. 900 Millionen Jahre nach dem Urknall leuchtete der Einzelstern mit dem Spitznamen Earendel hell in einer weit entfernten Galaxie. Earendel heißt auf altenglisch „Morgenstern“ oder auch „aufgehendes Licht“.

Auf dem Hubble-Foto ist nicht viel zu sehen. Man sieht lediglich einen schwachen Fleck auf einer Lichtsichel. Dennoch ist die Aufnahme etwas ganz Besonderes und von immenser Bedeutung. Denn es ist ein Wunder, dass der Stern überhaupt sichtbar ist. Das ist lediglich dem Gravitationslinseneffekt zu verdanken, denn eigentlich lassen sich so alte Sterne überhaupt nicht mehr einzeln beobachten, weil sie zu leuchtungsschwach sind.

So hat man den Stern eingefangen

Mit dem sogenannten Gravitationslinseneffekt wurde das Licht auf Grund eines zwischen Beobachter und Himmelskörper liegenden massereichen Objekts verstärkt. Also im konkreten Fall hat sich ein großer Galaxienhaufen in Sichtlinie befunden, wodurch die Anziehungskraft dieser Materiemasse das Licht von weiter entfernten Objekten dahinter krümmt und damit vergrößert. So wurde Earendel sichtbar, weil er sich im „Sweetspot“ des Gravitationslinseneffekts befand.

„Wir hatten Glück. Das ist wirklich extrem. Es ist wirklich aufregend, etwas mit einer so hohen Vergrößerung zu finden", sagte Brian Welch, Doktorand an der Johns Hopkins University in Maryland (USA) gegenüber der BBC. Der Sweetspot sei in dem Fall zufällig getroffen worden.

Da wo der Pfeil hinzeigt liegt Earendel - man sieht nur einen kleinen Fleck

Bisheriger Rekordhalter war Icarus

Der am weitesten entfernte Stern, der bisher vor eine Linse kam, war Icarus. Er wurde in einer Entfernung von 9 Milliarden Lichtfahren beobachtet. Earendel ist deutlich weiter entfernt. Der Stern ist mit einer Entfernung von rund 12,9 Milliarden Lichtjahren neuer Rekordhalter. Laut Welch könnte Earendel ein Stern in einem Einzel- oder einem Doppelsystem gewesen sein. Unklar ist, wie groß Earendel gewesen sein mag. Der Stern ist mindestens 50 mal so schwer wie unsere eigene Sonne, aber abhängig von der genauen Vergrößerung könnte der Stern noch viel größer sein.

Laut den Forscher*innen könnte es sich theoretisch auch um einen Pionierstern handeln, sicher sind sie sich aber nicht. Das wäre dann ein Objekt, das aus unberührtem Gas besteht, das beim Urknall entstanden ist. Die allerersten Sterne im Universum sind nämlich nur aus Wasserstoff und Helium bestanden. Erst die späteren Sterne sind mit schwereren Elementen verschmolzen.

Wenn es also wirklich ein Pionierstern gewesen ist, müsste er aus einer völlig isolierten und unverschmutzten Gaswolke gewachsen sein, um so lange zu überleben, dass man ihn jetzt noch sehen kann. „Wir erwarten, dass Earendel eher ein Stern ist, der mit wenigen, schwereren Elementen angereichert wurde“, so Welch.

Genauere Forschung möglich

Mit dem James Webb Teleskop, dem Hubble-Nachfolger, könne man derartige Entwicklungen möglicherweise viel genauer nachvollziehen, heißt es. James Webb wird in der Lage sein, Details herauszukitzeln, die über Hubble hinausgehen. Das neue Teleskop wird in zwei oder drei Monaten den vollen wissenschaftlichen Betrieb aufnehmen.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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