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Wie der Wintertourismus "grüner" werden kann

Hunderte Millionen Liter Wasser werden jedes Jahr für die künstliche Beschneiung der Schmittenhöhe im Winter vom Zeller See auf den Berg zu den Schneekanonen hinaufbefördert. Die Wasserpumpen benötigen dafür naturgemäß viel Energie. Die Beschneiungsanlagen ebenfalls: Allein für die Grundbeschneiung mit Kunstschnee werden bis zu 15 Megawattstunden Strom pro Pistenhektar verbraucht. Zudem belasten auch Liftanlagen und die Gastronomie in den Skigebieten das Stromnetz enorm.

Das soll sich ändern. Im Rahmen des von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützten Projekts „Clean Energy For Tourism“ (CE4T) wird unter der Federführung der Salzburg AG untersucht, wie sich Stromverbrauch und -kosten sowie  CO2-Emissionen in Zukunft reduzieren lassen und der Wintertourismus generell „grüner“ werden kann.  

Mehr Selbsterzeugung von Strom erzielt

Laut der Energiewirtschaftsexpertin Stefanie Kritzer von der Salzburg AG erzeugen die neun untersuchten Skigebiete dank Kleinwasserkraftwerken oder Photovoltaikanlagen bereits einen Teil der Energie selbst. Den Rest, der zu 100 Prozent erneuerbar ist, liefert die Salzburg AG. Um Energie künftig aber noch effizienter nutzen zu können, wurde vom Austrian Institute of Technology (AIT) und World Direct im Rahmen von CE4T ein neuartiges digitales Energiemanagementsystem entwickelt.  

Unter anderem besteht es aus einem Energieüberwachungsinstrument. Dabei werden die energieintensiven Anlagen eines Skigebietes, etwa Lifte oder die Gastronomie, in ein sogenanntes Energiemonitoring aufgenommen. „Es ist trivial, aber wesentlich, den Istzustand aufzuzeigen und bewusst zu machen“, sagt Kritzer gegenüber der futurezone. Die Netzbelastung kann in Echtzeit mitverfolgt werden – auf einem Blick wird ersichtlich, welche der Anlagen die größten Stromfresser sind. 

Skigebieten können einzelne Anlagen steuern

Mit den erhobenen Daten können in der Folge Einsparungsmaßnahmen ermittelt und die bestehenden Anlagen so gesteuert werden, dass Energieaufwand und -kosten gesenkt werden können. Hier kommt ein für CE4T entwickelter Algorithmus zur Anwendung. Der berechnet, ob es beispielsweise effizienter ist, die Anlagen früher oder später einzuschalten beziehungsweise zwischendurch auszuschalten. Entsprechend dem bestmöglichen Resultat wird der Anlagenbetrieb angepasst. Berücksichtigt werden laut Kritzer neben Strommix auch CO2-Emissionen sowie Strompreise.

Getestet wurde das Instrument vergangenen Sommer auf der Schmittenhöhe beim Befüllen des Speichersees. Dank Algorithmus laufen die Wasserpumpen dort vor allem dann, wenn günstiger Öko-Strom am Markt erhältlich ist. Nicht nur die Kosten im Skigebiet werden somit gesenkt, sondern auch das Netz entlastet. Und das könnte künftig noch relevanter sein als heute: Denn der frei werdende Strom könnte etwa für das Laden von Elektroautos genutzt werden.

Planungstool berechnet Erweiterung um Speichertechnologien

Neben dem Energiemonitoring und der Anlagensteuerung, die bereits operativ im Einsatz sind, besteht das System  aus einem dritten Bestandteil. Laut Kritzer bringe der den wohl größten Beitrag im Sinne der Dekarbonisierung. Denn: „Erst wenn Skigebiete erneuerbare Energie- und Speichertechnologien hinzunehmen, werden sie wirklich nachhaltig“, sagt sie. Hier kommt ein vom K1-Kompetenzzentrum BEST (Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH) entwickeltes Planungstool ins Spiel.

„Mithilfe eines mathematischen Modells wird ein bestehendes Skigebiet virtuell abgebildet und neue Technologien hinzugefügt“, sagt sie. So lässt sich auf einfache Weise bewerten, wie sich diese Erweiterungen auf die CO2- und Energiebilanz sowie auf die Kosten auswirken. Je nach Gegebenheiten einer Region ergeben sich unterschiedliche Optionen für einen „grüneren“ Wintertourismus – etwa durch den zusätzlichen Ausbau von Photovoltaikanlagen, Wasserkraftwerken oder durch die Nutzung von Wasserstoff.  

Selbst produzierten Strom mit Region teilen

„Sinnvoll wäre außerdem, wenn ein Skigebiet seine gebaute Wasserkraftanlage nicht nur selbst verwendet, sondern der gesamten Region zur Verfügung stellt“, so die Fachfrau. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket (EAG-Paket), das vor wenigen Wochen beschlossen wurde, dürfte dies bald auch realisierbar sein. So bieten die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) künftig die Möglichkeit, eigens erzeugten Strom mit der Region zu teilen. 

Neben neuen Gesetzen hätten laut Kritzer auch politische Rahmenbedingungen und das Förderwesen einen starken Einfluss auf den Weg zu einer energieeffizienteren und „grüneren“ Zukunft. Der Wunsch der Skigebiete, dort hinzukommen, sei ihr zufolge jedenfalls groß. 

Wie viel Energie, Kosten und durch das innovative System in den jeweiligen Gebieten konkret eingespart werden kann, wird sich am Ende des Projekts im Oktober 2022 zeigen. Danach  soll das System auch auf andere energieintensive Branchen oder Gemeinden übertragbar gemacht werden.

Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Energie gemeinsam erzeugen und teilen

Bislang war es Mehrparteienhäusern erlaubt, gemeinsam per Photovoltaikanlagen Ökostrom zu erzeugen und miteinander zu nutzen. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket (EAG-Paket), das vor wenigen Wochen beschlossen wurde, machen die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) und Bürgerenergiegemeinschaft künftig auch andere Formen zur Energiegewinnung für die Nachbarschaft verfügbar. Die Grundidee ist, den Mitgliedern ökologische, wirtschaftliche und sozialgemeinschaftliche Vorteile zu schaffen.

Finanzielle Vorteile

Diese haben die Möglichkeit, gemeinsam Strom in einer oder mehreren Anlagen zu erzeugen und ihn über das öffentliche Netz zu teilen. Finanzielle Vorteile sind erlaubt: Überschüssige Energie darf etwa auch dann am Markt verwertet werden, wenn Beihilfe in Anspruch genommen wird. Das EAG-Paket ermöglicht es den Energiegemeinschaften somit, für Überschussstrom Marktprämien zu erhalten. Voraussetzung ist, dass die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften sich räumlich nah sind.  

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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