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© APA/AFP/SERGEI SUPINSKY / SERGEI SUPINSKY

Science

Strahlung in Tschernobyl steigt wieder, Zwischenfall befürchtet

In den vergangenen 4 Jahren sind radioaktive Emissionen in einer unzugänglichen Kammer des Kernkraftwerkes Tschernobyl stark angestiegen. In einem Bericht des für die Reaktorsicherheit zuständigen Forschungsinstituts ISPP ist von einer steigenden Zahl von Neutronen die Rede. Konkret sollen sie seit 2016 um 40 Prozent zugenommen haben.

Mithilfe von Neutronen, die Teil des Atomkerns sind, lässt sich Kernspaltung initiieren. Forscher*innen versuchen nun herauszufinden, wie groß das Problem ist.

Situation wie "Glut in einer Grillgrube"

Die Situation erinnere ihn an "Glut in einer Grillgrube", sagte Neil Hyatt, ein Experte für die Entsorgung nuklearer Abfälle, von der University of Sheffield dem Magazin Science: "Funkenfähig, aber vorerst stabil."

Der ukrainische Forscher Maxim Saveliev will aber selbst einen "neuen Unfall" nicht ausschließen, wie er gegenüber Science sagte. Da die Anzahl der Neutronen nur langsam steige, würden aber noch einige Jahre bleiben, um eine Lösung zu finden.

UKRAINE-CHERNOBYL-ANNIVERSARY

Eine 2017 errichtete, gigantische Schutzhülle umschließt heute die Atomruine von Tschernobyl

Was passieren könnte

Sollte es dennoch zu einem "unkontrollierten Ausstoß von nuklearer Energie" kommen wäre diese zwar nicht so schlimm wie die Explosion im Jahre 1986, der damals über den Trümmern errichtete Sakrophag könnte aber ernsthaft Schaden nehmen, sagte Saveliev.

Um mehr Klarheit zu schaffen wird überlegt, Roboter in das kontaminierte Areal zu schicken, um Sensoren zu installieren und Proben zu entnehmen.

Reaktion könnte auch nachlassen

Nach Ansicht der Forscher*innen ist es auch möglich, dass die Reaktion nachlässt. Das war in den vergangenen Jahren bei ähnlichen Ereignissen bereits der Fall.

Sollten Eingriffe notwendig werden, könnte ein Loch in die Abschirmung gebohrt und die Kammer mit einer Substanz besprüht werden, die die Neutronen "aufsaugt". Durch das Absorbieren der überschüssigen Neutronen könnte die Wahrscheinlichkeit einer außer Kontrolle geratenen Reaktion zumindest stark verringert werden.

35. Jahrestag

Die 1986 erfolgte Explosion des Blocks 4 im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl jährte sich am 26. April zum 35. Mal. Sie gilt als die größte Atomkatastrophe der zivilen Nutzung der Kernkraft. In der Folge wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Zehntausende wurden zwangsumgesiedelt.

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