© NASA/Chris Gunn

Science

Suche nach Aliens: Wie leistungsfähig ist das James-Webb-Teleskop?

Im Oktober soll mit dem James Webb das bisher größte Weltraumteleskop ins All gebracht werden. Der Hubble-Nachfolger erleichtert die Entdeckung und Erforschung von Planeten außerhalb des Sonnensystems enorm.

Der US-Physiker Michio Kaku meint nun in einem Interview des Guardian, dass die Chancen dadurch relativ hoch seien, außerirdische Zivilisation zu entdecken. Doch ist das wirklich so einfach? Wie leistungsfähig ist das James-Webb-Teleskop?

Still und ungestört

Zunächst muss man sich die Eckdaten ansehen: Das Teleskop besitzt einen Hauptspiegel aus 18 sechseckigen, goldbeschichteten Elementen, die eine Gesamtfläche von 25 Quadratmeter bilden. Zum Vergleich: Hubble kommt auf 4,5 Quadratmeter. James Webb wird nicht wie sein Vorgänger im Orbit stationiert, sondern rund um den Lagrange-Punkt 2 rotieren. 1,5 Millionen Kilometer von der sonnenabgewandten Erdseite entfernt findet das Teleskop bessere Beobachtungsbedingungen vor.

Sehr sehr kalt

Um komplett von Erde und Sonne abgeschirmt zu sein, besitzt James Webb einen ausfaltbaren Schutzschild, der in etwa so groß wie ein Tennisplatz ist. Er hält das Teleskop schön kühl, was notwendig ist, um kleinste Mengen an Wärmestrahlung von weit entfernten Objekten im Infrarotbereich zu erfassen. Damit das noch besser funktioniert, wird eines der 4 Bordinstrumente zusätzlich auf minus 266 Grad Celsius heruntergekühlt.

Zeitmaschine

Das Teleskop soll durch den großen Spiegeldurchmesser, die Ungestörtheit von irdischen Einflüssen und die niedrige Betriebstemperatur so empfindlich sein, dass man damit Licht einfangen kann, das von den allerersten Sternen vor 13,5 Milliarden Jahren ausgesendet wurde. Astronomen hoffen, dadurch wie in einer Art Zeitmaschine sehen zu können, wie die ersten Galaxien entstanden sind. Abgesehen von den größtmöglichen Tiefen des Weltraums wird das Teleskop auch Objekte im Sonnensystem erforschen. Forscher sehen etwa der Möglichkeit freudig entgegen, kleinere Asteroiden und Kometen zu beobachten.

Signalanalyse

Das James Webb soll aber auch für die Beobachtung von Exoplaneten eingesetzt werden. Während diese bisher meist nur als kleine Abweichungen im Lichtsignal von Sternen erkennbar sind, soll das Teleskop sie auch direkt beobachten können. "Bisher sehen wir vor allem Exoplaneten in der Größe des Jupiter gut", meint Gernot Grömer, Direktor des Österreichischen Weltraumforums. "Erdgroße Planeten zu finden, ist viel schwieriger. Durch das James-Webb-Teleskop wird sich das substanziell verändern."

Kleine Punkte

Das helle Licht von Muttersternen der Planeten kann das Teleskop dabei ausblenden, wie wenn man als Mensch auf der Erde eine Hand vor die Sonne hält. Dennoch werden die Planeten auf Bildern nur als pixelgroße Punkte erkennbar sein. Diese Punkte können aber viele Informationen transportieren. Durch die spektroskopische Zerlegung ihres Lichtsignals kann man etwa herausfinden, wie hoch der Sauerstoffanteil in ihrer Atmosphäre ist - ein möglicher, aber nicht eindeutiger Indikator für das Vorhandensein von Lebensformen.

Um gleich außerirdische Zivilisationen zu finden, bräuchte man also eine Menge Glück. Findet man sie, sollte man sie jedenfalls nicht gleich kontaktieren, warnt Michio Kaku. Wir alle wüssten, was den Azteken widerfahren ist, als sie den Spaniern begegneten.

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David Kotrba

Ich beschäftige mit großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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