Zwei Analog-Astronauten stapfen durch Mars-ähnliche Landschaft

Die Atmosphäre des Mars ist für Menschen zu dünn und voller Kohlendioxid

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Science

Mars oder Mond: Was kann man leichter terraformen?

Der Mond und der Mars sind 2 Orte, die aus irdischer Sicht extrem lebensfeindlich sind: Staubige Wüsten ohne Luft zum Atmen. Seit langer Zeit gibt es aber die Idee, sie in großem Stil zu verändern und ihnen eine erdähnliche Oberfläche zu verpassen, auf der sich Menschen ohne Raumanzüge frei bewegen können.

Klarerweise fehlen für das sogenannte „Terraforming“ momentan noch die Mittel. Doch Überlegungen dazu gibt es. Aber wäre der Mond oder der Mars das bessere Zielobjekt einer solchen Verwandlung?

Mehr Masse

„Auf jeden Fall der Mars“, meint die Weltraumexpertin Maria Pflug-Hofmayr. „Weil er mehr Masse hat, mehr Wasser und eine Atmosphäre.“ Die Masse ist wichtig, um genügend Schwerkraft vorzufinden, die Gase am Planeten hält.

Der Mars hat zwar eine Atmosphäre, allerdings besteht sie großteils aus Kohlendioxid und ist weniger als ein Prozent so dicht wie jene der Erde. Vor ein bis 1,5 Milliarden Jahren hat der Mars sein schützendes Magnetfeld verloren, wahrscheinlich weil das Planeteninnere zu stark abgekühlt ist. Sonnenstrahlung hat einen Teil der Atmosphäre dadurch quasi weggeblasen.

Fakten

Terraforming
Der Begriff taucht erstmals 1942 in der Science-Fiction-Kurzgeschichte „Collision Orbit“ von Jack Williamson auf

Abstufungen
Neben vollständigem gibt es auch partielles Terraforming, bei dem man Luftdruck, Bedingungen für Pflanzen und flüssiges Wasser herstellt, aber Menschen immer noch eine Sauerstoffmaske tragen müssen

Kritik
Menschen schaffen es noch nicht mal, den selbst verursachten Klimawandel  auf der Erde zu stabilisieren

Asteroiden ablenken

Im Sinne des Terraforming müsste man die Marsoberfläche erwärmen, dadurch Wasser auftauen und gleichzeitig Lebensformen ansiedeln, die mit der sauerstoffarmen Umgebung zurechtkommen. Das Erwärmen könnten etwa gigantische Spiegel im Orbit übernehmen (hunderte Kilometer Durchmesser), oder Treibhausgase, die man durch abgelenkte Asteroiden oder das Aufsammeln auf Jupiter- oder Saturnmonden auf den Mars befördert. Man könnte auch die Oberfläche des Mars verdunkeln, etwa durch schwarzen Staub seiner Monde Phobos und Deimos.

Das Ansiedeln von Lebensformen, die im besten Fall Sauerstoff erzeugen, sollte laut Pflug-Hofmayr eher kein Problem sein: „Auf der Erde gedeiht Leben auch unter widrigsten Bedingungen. Wenn wir entsprechende Lebensformen von der Erde zum Mars bringen, wird er sicher besiedelt“ – und das, obwohl sich der Marsboden fundamental von jenem der Erde unterscheidet.

Das Problem des fehlenden Magnetfeldes bleibt aber und lässt sich aus momentaner Sicht auch nicht beheben. Atmosphäre müsste ständig nachproduziert werden, weil sich ein Teil davon stets verflüchtigen würde.

Am Mond bräuchte man Kraftfelder

Auf dem Mond wäre dies überhaupt keine Option. Gibt es keine fantastischen Innovationen wie Kraftfelder, würde sich jede Atmosphäre vom Mond sofort verabschieden.

Wasser gibt es am Mond vermutlich nur an permanent verdunkelten Kraterzonen an den Polen. Dafür besteht der Boden aus den gleichen Elementen wie auf der Erde.

SPACE-MOON

Leben unter Kuppeln, wie hier am Mond, ist die aussichtsreichste Form der Besiedelung

Leben unter Kuppeln

„Für Kolonien unter luftgefüllten Kuppeln wäre der Mond besser geeignet“, meint die Expertin. Die Nähe zur Erde und mehr Solarstromausbeute wären weitere Vorteile des Mondes.

Da wie dort wäre die Teilchenstrahlung von der Sonne für Menschen durch fehlende Magnetfelder das größte Problem. „Das ist in der interplanetaren Raumfahrt generell so“, sagt Pflug-Hofmayr. „Aber glücklicherweise ist das Sonnenwetter vorhersagbar.“

In Siedlungen im Untergrund wären Menschen auf Mars oder Mond noch am besten geschützt. Mit dem Herumlaufen unter freiem Himmel neben Mondseen und Marspalmen wird es also aus momentaner Sicht eher nichts.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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