© NASA/ESA, J. Bell (Cornell U.) and M. Wolff (SSI)

Science

Genug Eis am Mars, um den ganzen Planet zu fluten

Die Hinweise verdichten sich immer weiter, dass auf dem Mars enorme Wassereisvorkommen schlummern. Forscher*innen kombinierten 15 Jahre alte Daten der ESA-Sonde Mars Express mit neuen Radaranalysen der Formation Medusae Fossae. Damals vermuteten die Forschenden bis zu 2,5 km dicke Eisschichten unter dem Staub. Jetzt zeigt die neue Analyse, dass sie deutlich größer sein könnten.

Die Formation Medusae Fossae (MFF) besteht aus mehreren vom Wind geformten Zügen und liegt am Übergang zwischen den Hoch- und Tiefebenen des Mars in der Nähe des Mars-Äquators. Möglicherweise ist die Formation die größte einzelne Staubquelle auf dem Roten Planeten und zugleich eine seiner ausgedehntesten Ablagerungen.

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Die Vorkommen (farbig) erstrecken sich über mehrere Hundert Kilometer. Darüber ist eine Staubschicht mit bis zu 600 Metern Dicke.

Bei einer ersten Untersuchung der Formation entdeckten Forschende 2007 massive Ablagerungen. Darüber liegt eine 300 bis 600 Meter tiefe Staubschicht. Während einige Daten an Eis denken ließen, konnten die Wissenschaftler*innen nicht ausschließen, dass es sich stattdessen um Ablagerungen von Staub, Vulkanasche oder Sedimenten handelt.

Radar-Daten weisen auf Eis hin

Bei einer erneuten Untersuchung des Gebiets mit Hilfe neuerer Radaraufnahmen von Mars Express stellten die Wissenschaftler*innen zum einen fest, dass die Ablagerungen teils sogar 3,7 Kilometer dick sind und nicht wie bisher gedacht 2,5 Kilometer. Zum anderen waren die Aufnahmen weniger dicht als man bei Staub erwarten würde.

„Angesichts der Tiefe würden wir, wenn die MFF einfach ein riesiger Haufen Staub wäre, erwarten, dass er sich unter seinem eigenen Gewicht verdichtet“, sagte Andrea Cicchetti vom Nationalen Institut für Astrophysik in Italien in einem Statement. Auch bei der Modellierung mit eisfreien Materialien ergaben sich nicht die Eigenschaften der Formation. 

Die weiße Linie zeigt an, wo sich die Vorkommen befinden. Das Diagramm verdeutlicht, wie groß sie sein müssen

Geschmolzen könnte die Eismasse demnach das gesamte Rote Meer füllen - oder den Mars mit einer 1,5 bis 2,7 Meter tiefen Wasserschicht eindecken. Während der Mars heutzutage als eher trockener Planet erscheint, gibt seine Oberfläche laut ESA zahlreiche Hinweise darauf, dass Wasser einst reichlich vorhanden war. Massive Eiseinlagerungen in der Nähe des Äquators, wie sie bei der Formation vermutet werden, müssten in einer früheren klimatischen Epoche entstanden sein. Im derzeitigen Klima des Planeten wäre dies nicht möglich, wie es heißt.

Wassereis ist notwendig für Marsmissionen

Das verborgene Eis könnte für künftige Marsmissionen von Bedeutung sein: Sie brauchen der ESA zufolge Wasser und müssen in der Nähe des Äquators landen, weit entfernt von den eisigen Polkappen oder den Gletschern auf dem Planeten. „Leider sind die MFF-Ablagerungen von Hunderten Metern Staub bedeckt, so dass sie mindestens für die nächsten Jahrzehnte nicht zugänglich sind“, sagt Colin Wilson von der ESA. Jedes bisschen Eis helfe aber dabei, ein besseres Bild davon zu bekommen, wo auf dem Mars einst Wasser geflossen und wo es heute zu finden sei.

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