Facebook - eine Chronologie

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Unternehmensgeschichte
01/27/2014

Facebook ist in die Jahre gekommen

Zehn Jahre ist es her, dass Facebook gegründet wurde. Genauso lange hält die unternehmerische Erfolgsgeschichte bisweilen an. Trends zeichnen ein düsteres Bild der Zukunft.

von Florian Christof

Was bei anderen Unternehmen in der IT-Branche die einfache Garage darstellt, ist bei Facebook das Zimmer im Studentenwohnheim der Elite-Universität Harvard. Denn genau dorthin führt der Gründungsmythos zurück, als Mark Zuckerberg, gemeinsam mit Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin nach nur einer Woche Programmierarbeit den Grundstein für das bisweilen erfolgreichste soziale Netzwerk legte. Der 4. Februar 2004 war Facebooks offizieller Starttermin.

Der Beginn

In einem der ersten Medienberichte, fünf Tage nach Gründung des in Blauen gehaltenen Netzwerkes hieß es, dass sich bereits mehr als 650 Studenten registriert hatten. Über diese hohe Zahl zeigte sich Zuckerberg damals sehr zufrieden. Drei Wochen später waren es bereits 6.000 User und im Dezember 2004 gab es schon über eine Million Facebook-Profile.

Zutritt nur per Invite

Das in Blau gehaltene soziale Netzwerk ging unter dem Namen thefacebook.com an den Start. Eineinhalb Jahre nach Gründung trennte man sich vom Artikel und thefacebook war fortan unter facebook.com zu finden.

Gegenüber dem Vorjahr gelang es die User-Zahlen zu versechsfachen, sodass man Ende 2005 sechs Millionen Nutzer zählte. Und das, obwohl Facebook zu dieser Zeit noch eine abgeschlossene Community darstellte, die nicht für alle zugänglich war.

Übernahmeangebote

Zu Beginn war das soziale Netzwerk nur für Harvard-Studenten zugänglich. Nach und nach folgten andere Universitäten, dann High-Schools und ausgewählte Unternehmen, wie Apple und Microsoft. Als Facebook im September 2006 für alle zugänglich wurde, konnte es schon an die zehn Millionen Nutzer verzeichnen.

Zu dieser Zeit hatte Zuckerberg bereits ein 750 Millionen US-Dollar hohes Übernahmeangebot von Viacom ausgeschlagen. Ebenso lehnte der damals 22-jährige ein 900-Millionen-Dollar-Angebot von Yahoo ab. Die Einnahmen, die Facebook 2006 lukrieren konnte, beliefen sich auf 48 Millionen US-Dollar.

Finanzierungsmodell

Als Facebook im Frühjahr 2007 seine API für externe Entwickler freigab, wurde ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte sowie der Grundstein für ein neues Software-Ökosystem gelegt. Von nun an war es möglich, eigene Anwendungen und Spiele für Facebook zu programmieren. Eine ganze Reihe von Abteilungen und Unternehmen gründeten sich eigens, nur um Games und nützliche Tools für Facebook zu entwickeln.

Noch bevor Facebook die “Pages” einführte, erklärte Mark Zuckerberg in einem Interview mit dem TIME-Magazin im Juli 2007, wie er mit den damals 30 Millionen aktiven Nutzern Geld verdienen möchte: “Ich erwarte, dass die Anzahl der Nutzer noch wächst und so mehr Möglichkeiten für Werbetreibende geschaffen werden, Menschen zu erreichen und mit ihnen auf eine sehr natürliche Art und Weise zu kommunizieren; sowie dass die Nutzer untereinander kommunizieren.”

In der Tat ist es Facebook gelungen, zumindest einen Teil der Werbebranche zu revolutionieren und Unternehmen ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, das die Kommunikation mit der Zielgruppe auf Augenhöhe ermöglicht. Social-Media-Redakteure hat es in den Kommunikationsabteilungen der Unternehmen vorher nicht gegeben und eigens gegründete Social-Media-Agenturen schossen aus dem Boden und beackerten das vielversprechende Feld der sozialen Netze. Und diese neuen Berufsgruppen mussten erst lernen, wie Facebook-User am besten angesprochen werden können und was zu tun ist, wenn ein Shitstorm über die Unternehmensseite hinwegfegt.

Expansion

Während Facebook Ende 2008 rund 145 Millionen Nutzer hatte, wurde der Facebook-Chat, der Instant-Messaging ermöglichte, eingeführt. Im selben Jahr wurde Facebook Ireland Limited, das Internationale Hauptquartier in Dublin eröffnet. Alle Facebook-User außerhalb der USA und Kanada haben laut Geschäftsbedingungen einen Vertrag mit dieser Tochtergesellschaft. Dadurch fällt Facebook außerhalb der USA und Kanada unter die irischen Gesetze und liegt somit im Rechtsbereich der EU.

Der Durchbruch

2009 kam der große Durchbruch. In diesem Jahr gelang es Facebook, seine Nutzerzahlen auf 360 Millionen mehr als zu verdoppeln. Der wohl größte Clue in diesem Jahr war die Einführung des Like-Buttons, der fortan zum allseits bekannten Markenzeichen des sozialen Netzwerkes wurde.

Da der Like-Button die Schwelle für Interaktionen extrem herabsetzte, war dessen Implementierung, ob des zu erwartenden Traffics verlockend, sodass zu dieser Zeit kaum eine Website ohne dem Daumen-hoch-Symbol zu finden war. 2009 war auch das Jahr in dem es Facebook erstmals gelang ein positives Geschäftsergebnis zu erzielen. Spätestens zu dieser Zeit wurde vermehrt auf Datenschutzbedenken hingewiesen.

Facebook im Kino

Softwaretechnisch war 2010 eher mau. Bis auf ein neues Erscheinungsbild und die Location-Funktion gab es nicht viel Neues. Dafür war 2010 medientechnisch umso aufregender für das kalifornische Unternehmen: Mark Zuckerberg wurde vom TIME-Magazin zur “Person of the Year” gewählt und der Film “The Social Network” verpasste Facebook und seinem Gründer eine Historie, die allerdings nur lose auf Realität und Tatsachen basiert.

Ende 2010 hatte Facebook 608 Millionen Nutzer und konnte Einnahmen in der Höhe von zwei Milliarden US-Dollar verzeichnen. Damit hatte Facebook erstmals die Milliarden-Grenze übersprungen.

Timeline für alle

Die letzte große Layout-Umstellung war 2011, als die “Timeline” eingeführt wurde. 2011 war auch das Jahr, in dem Barack Obama den Firmensitz in Palo Alto besuchte. Einige Monate wurde später wurde die Unternehmenszentrale in das kalifornische Menlo Park verlegt. Mit einer Nutzerzahl, die knapp unter einer Milliarde lag, startete Facebook ins Jahr 2012, das voll und ganz vom Börsengang und der Akquisition von Instagram geprägt war.

Börsengang

Im April 2012 verleibte sich das kalifornische Unternehmen den Foto-Sharing-Dienst Instagram für eine kolportierte Summe von einer Milliarde US-Dollar ein. Einen Monat später ging Facebook an die Börse. Es sollte einer der größten und glanzvollsten Börsengänge aller Zeiten werden.

Tatsächlich entpuppte er sich als einer der am meisten verpatzten. Begleitet von technischen Pannen fiel das Börsendebut mehr als holprig aus. Der Ausgabekurs lag bei 38 US-Dollar pro Aktie. Im August 2012 erreichte die Facebook-Aktie ihren vorläufigen Tiefststand, der knapp unter zwanzig Dollar lag. Mittlerweile konnte sich die Aktie wieder erholen und befindet sich seit geraumer Zeit auf Erfolgskurs. Aktuell liegt das Papier etwa bei rund 55 Dollar.

Der Zenit?

Im Jänner 2013 wurde der Open-Graph-Search eingeführt, der Usern präzisere Suchergebnisse liefern soll. Die groß angekündigte Suchmaschinenrevolution blieb aber bislang aus. Einnahmen, die jenseits der fünf Milliarden US-Dollar liegen, verschafften dem Unternehmen im Jahr 2013 einen Platz in der Fortune 500 Liste.

Allein in Österreich waren im April 2013 fast drei Millionen Nutzer bei Facebook aktiv. Im September vermeldete man 727 Millionen täglich aktiver Nutzer, wovon sich 80 Prozent außerhalb der USA und Kanada befinden. Insgesamt hatte Facebook Ende 2013 rund 1,19 Milliarden monatlich aktive Nutzer.

Ein Ausblick

Zehn Jahre lang war Facebook eine Erfolgsgeschichte. Für Andreas Klinger, Mitgründer der Social-Software Agentur Die Socialisten hätte Facebook in den vergangenen Jahren vielleicht dennoch einiges besser machen können. So hätte etwa einige Zeit lang die Möglichkeit bestanden, dass Facebook eine Art Online-ID wird.

Im Grunde war dies ja auch die Intention Zuckerbergs bei der Entwicklung des Sozialen Netzwerks. Doch durch fragwürdige Privacy-Einstellungen, missverständliche Änderungen der Nutzungsbestimmungen und lachsen Umgang mit Datenschutz war diese Möglichkeit schnell wieder aus der Welt geschafft.

Außerdem, so Klinger, hätte Facebook eventuell eine Mobile-Payment-Plattform werden können. Durch die extrem hohe Nutzerzahl – “normaler” Menschen wie auch Unternehmen – wäre es unter Umständen möglich gewesen, ein Bezahlnetzwerk aufzubauen. Mit dem Like-Button hätte man eine niederschwellige Interaktionsform gefunden, die eventuell auch für mobiles, Online-Bezahlen getaugt hätte.

Nun, nach dem Börsengang ist Facebook sehr darauf fixiert, die Werbeeinnahmen zu optimieren. Der Druck des Aktienkurses und die Quartalsberichte, mit denen es gilt die Aktionäre zufrieden zu stellen, tragen wohl einiges dazu bei, dass von Facebook so bald keine revolutionären Innovationen mehr zu erwarten sind; obwohl es diese dringend nötig hätte.

Denn laut einer aktuellen Statistik von iStrategy Labs musste Facebook in den USA zwischen Jänner 2011 und Jänner 2014 einen massiven Rückgang bei Nutzern zwischen 13 und 17 Jahren hinnehmen, sowohl prozentuell als auch in absoluten Zahlen. 2011 hatte Facebook etwas über 13 Millionen Anwender in dieser Altersgruppe, aktuell sind es nur noch 9,8 Millionen. Das entspricht einem Minus von 25,3 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil an Nutzer über 55 Jahren aber um 80 Prozent beziehungsweise 12,4 Millionen Mitglieder an.

Und just zum zehnten Geburtstag wurde eine Studie der Universität Princeton veröffentlicht, die Facebook keine rosige Zukunft vorhersagt. Die dieser Tage vielzitierte Prognose besagt, dass bis 2017 rund 80 Prozent der Nutzer Facebook den Rücken kehren werden. Zum 15-jährigen Jubiläum werden wir mehr wissen.

Mark Zuckerberg

Der Junge aus Dobbs Ferry (New York) hatte eine Mission; er wollte die Welt zu einem öffentlicheren Ort machen. Studiert hat Zuckerberg Psychologie und Informatik in Harvard – sein Studium hat er allerdings nie abgeschlossen.

Trotz seines Vermögens lebt der 29-jährige Sohn eines Zahnarztes und einer Psychotherapeutin zurückgezogen mit Ehefrau Priscilla – die Ärztin lernte er vor elf Jahren auf der Uni kennen – in einer Villa im kalifornischen Palo Alto. Viel ist zur Person Zuckerberg nicht bekannt. Man weiß, dass er an einer Rot-Grün-Sehschwäche leidet und deshalb Blau zur Facebook-Farbe machte. Oder, dass er 2010 versprach, den Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden und vergangenen Dezember eine Milliarde Euro in Bildungs-Projekte investierte.

Private Fotos des Kapuzenpulli- und Sneaker-Liebhabers sind rar, was wohl mitunter daran liegt, dass er die Nachbargrundstücke seines Hauses aufkaufte, um sich und seine Frau vor Paparazzis zu schützen. Zuckerberg und die Privatsphäre – ein eigenes Kapitel.

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