Digital Life
03/28/2019

20 Jahre Matrix: Diese Visionen wurden Realität

Künstliche Intelligenz, Killerroboter und menschlicher Selbstbetrug: Einige Visionen von Matrix sind realer denn je.

Am 31. März 1999 kam der Film Matrix erstmals auf die Kino-Leinwand. Der Film der Wachowski-Geschwister gilt als Meilenstein des Action- und Science-Fiction-Genres. Nun feiert die Vision einer postapokalyptischen Welt, in der von Maschinen unterjochte und als Energiequellen missbrauchte Menschen in einer riesigen Simulation leben, seinen 20. Geburtstag. Wie hat sich die Welt seitdem entwickelt? Sind einige der Prophezeiungen der Matrix-Geschichte bereits eingetreten? Wir haben uns das angesehen.

Künstliche Intelligenz

Das Gebiet der künstlichen Intelligenz hat sich seit 1999 massiv weiterentwickelt. Selbst lernende Maschinen, die komplexe Informationen verarbeiten können, sind von der Theorie in die tägliche Praxis gelangt. KI analysiert Sprache und Bilder, erstellt medizinische Diagnosen gewinnt selbst jene Brettspiele, bei denen Menschen bislang weit überlegen waren.

Dass Maschinen aufgrund ihrer überlegenen intellektuellen Fähigkeiten die Weltherrschaft an sich reißen, ist zwar noch nicht eingetreten, aber diverse Technik-Koryphäen warnen immerhin schon davor. Internet-Erfinder Tim Berners-Lee rät etwa zur Vorsicht bei der weiteren Entwicklung von KI. Der 2018 verstorbene Physiker Stephen Hawking meinte, KI könnte "das Ende der menschlichen Spezies" bedeuten. Microsoft-Gründer Bill Gates verglich das Gefahrenpotenzial von KI erst kürzlich mit jenem von Nuklearenergie. Google - eines der Unternehmen, die KI besonders intensiv erforscht, will einen Ethikrat installieren, um die Arbeit an KI zu überwachen.

Killerroboter

In Matrix werden für Maschinen besonders unliebsame Menschen durch so genannte "Agenten" verfolgt. Während die sich in der für Menschen simulierten Welt als Anzug-tragende Security-Karikaturen präsentieren, erscheinen sie bei Verfolgungsjagden in der "echten" Welt bei Matrix als "Sentinels", vielarmige und -äugige Killer-Roboter. Autonome Waffensysteme sind mittlerweile keine dystopische Vision mehr.

Auch wenn sie sich noch nicht mit "Sentinels" oder "Terminators" vergleichen lassen, gibt es doch einsatzfähige Kampfmaschinen. Der Schritt hin dazu, diese selbst über Freund und Feind, über Leben und Tod entscheiden zu lassen, ist aber nur noch ein kleiner. In Genf fand im Vorjahr eine Konferenz mit Vertretern aus 75 Ländern zu dem Thema statt. Ziel der Initiatoren war es, ein weltweites Verbot von Killerrobotern zu erreichen. Eine Einigung wurde allerdings nicht erzielt. Vor allem Länder mit einer großen Rüstungsindustrie wollen sich die Möglichkeit, Killerroboter zu entwickeln, offen halten. Worin das resultieren könnte, zeigt der Kurzfilm "Slaughterbots":

Nahrhafter Schleim

In Matrix ist Protagonist Neo a.k.a. Thomas Anderson einigermaßen angewidert, als er in der tristen "echten" Welt an Bord des schwebenden Schiffes "Nebuchadnezzar" Essen in Form eines "nahrhaften Schleims" aus synthetischen Proteinen, Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen serviert bekommt.

Wenige Jahre nach Erscheinen des Films kam ebensolche Nahrung unter dem Namen "Soylent" auf den Markt. futurezone-Kollege Michael Leitner hat vor drei Jahren bereits versucht, sich eine Weile lang davon zu ernähren. Zukunftsvision ist der "nahrhafte Schleim" also nicht mehr, eine große Anhängerschaft hat er in Zeiten florierender Burger- und Craft-Bier-Pubs allerdings aber noch nicht erlangt.

Dieses Handy

Durch Matrix wurde das Nokia 8110 zum heißesten Eisen am Handymarkt. Das im Film mittels Federspannung aufspringende, bananenartig gekrümmte Handy erscheint heute hoffnungslos veraltet. In den 20 Jahren seit dem Filmstart hat sich Hersteller Nokia in große Höhen aufgeschwungen und danach einen tiefen Fall erlebt. Unterdessen haben Smartphones das Licht der Welt erblickt und die Welt erobert.

Der neue Besitzer HMD Global hat das 8110 erneut aufleben lassen. So richtig smart ist das Bananen-Handy immer noch nicht, aus Nostalgiegründen findet das Gerät wahrscheinlich dennoch genügend Käufer - auch Matrix wird dabei einen gewissen Ausschlag geben.

HMD Global Product Officer Sarvikas presents the new Nokia 8110 during the Mobile World Congress in Barcelona

Leben in einer Simulation

Mit einer Zeitverzögerung von 17 Jahren hat die Theorie, dass die gesamte Menschheit in einer Art riesiger Computersimulation lebt, einige prominente Anhänger gefunden. Unter anderem Elon Musk scheint überzeugt davon. In einem Interview gab er zu Protokoll: "Es gibt nur eine eins zu einer Milliarde Chance, dass wir in der echten Welt leben."

Musks Ansicht teilen offenbar auch andere in der Branche. Angeblich lassen zwei Tech-Milliardäre zumindest die Möglichkeit, in der Matrix zu leben, erforschen. Unser Wissenschafts-Kolumnist Florian Aigner sieht die Simulations-Hypothese weniger als wissenschaftliche Theorie, eher als esoterische Kuriosität:

Aversion gegenüber Realität

In Matrix gibt Mentor Morpheus dem bis dahin noch naiven Held Neo die Wahl zwischen einer blauen und einer roten Pille. Die blaue werde ihn jeden Zweifel an der Echtheit der simulierten Welt, in der er lebt, vergessen lassen. Die rote Pille hingegen werde seine Augen öffnen und die wahre Lage der Menschheit erkennen lassen. Die rote Pille ist inzwischen zur Metapher geworden, die gerne von Menschen verwendet wird, die andere über die "wahre Begebenheit" von Dingen aufklären wollen - wobei Fakten und Meinung immer mehr verschwimmen.

Wie Forbes berichtet, scheint der Großteil der Menschheit aktuell aber eher zur blauen Pille zu greifen. "Sogar die besten von uns sind nicht Neo, auch nicht Morpheus. Wir sind bestenfalls Cypher", schreibt Autorin Jessica Baron. Cypher ist jener Charakter in Matrix, der zwar anfang Teil der menschlichen Rebellion gegen die Maschinen ist, der sich dann aber für den Verrat, für die Rückkehr in die Matrix und damit für Selbstbetrug entscheidet, u.a. um statt des oben erwähnten "nahrhaften Schleims" endlich wieder ein saftiges Steak schmecken zu dürfen.

Die Menschheit gebe sich einem ebensolchen Selbstbetrug hin, wenn sie ihre Daten bereitwillig großen Technologiekonzernen zur Verfügung stelle, die vielfach gezeigt hätten, wie sorglos sie damit umgehen. Der Facebook-Cambridge-Analytica-Skandal 2018 und ähnliche Vorfälle haben den Großteil der Menschen nicht zu einer generellen Skepsis bewogen. Der fahrlässige Umgang mit dem Planeten werde bewusst eher ignoriert anstatt konfrontiert. Das gute an unserer Realität sei immerhin, dass man sich nicht nur einmal zwischen roter und blauer Pille entscheiden könne - man kann es jeden Tag wieder.

Streaming

Wem das alles jetzt Lust gemacht hat, sich Matrix noch einmal (oder gar zum ersten Mal?!) anzusehen, der wird bei diversen Streaming-Diensten fündig. Netflix hat den Film ebenso im Angebot wie Amazon Prime Video, wo ihn Prime-Mitglieder kostenlos ansehen können. Bei iTunes, Google Play und Rakuten TV kann der Film für jeweils 3,99 Euro ausgeliehen werden. Wer den Film kaufen will, muss im Online-Handel 9,99 Euro bezahlen.