Auch unbenutzte Geräte können aufplatzen, daher: Nicht in der Schublade liegen lassen

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Wie werden aufgeblähte Lithium-Ionen-Akkus entschärft?

Lithium-Ionen-Akkus stecken heute in so gut wie jedem mobilen elektronischen Gerät. Selten, aber doch, kann es dazu kommen, dass Defekte darin auftreten und sich im Inneren der Batterien Gas entwickelt. Das führt dazu, dass sich der Akku aufbläht.

Wenn man bemerkt, dass sich auf Smartphone, Laptop und Co. Beulen bilden oder Fugen aufspringen, sollte man rasch reagieren, da die Akkus im schlimmsten Fall Feuer fangen und so einen Brand auslösen können. Auch ein stark chemischer Geruch ist ein Warnsignal.

Heiß und qualmend

"Zunächst würde ich überprüfen, ob das Gerät noch funktioniert und ob es sich heiß anfühlt", meint Batterie-Experte Bernhard Gadermaier von der TU Graz. Wenn es sich heiß anfühlt oder chemischen Geruch absondert, sollte man das Gerät am besten ins Freie legen, etwa auf einen Balkon. Giftige Dämpfe können so gefahrlos entweichen. Im besten Fall legt man das Gerät in einen feuerfesten Kübel oder Topf mit Sand darin. Dadurch kann sich ein möglicher Brand nicht ausbreiten. Das Gerät in einen Kübel mit Wasser zu werfen, ist nicht optimal, aber möglich. "Es ist dann wahrscheinlich kaputt", meint Gadermaier. "Der Personenschutz ist aber das Wichtigste."

Beliebte Akkus

2830 Tonnen Gerätealtbatterien wurden im Vorjahr in Österreich gesammelt. Rund die Hälfte davon sind Lithium-Ionen-Batterien.

48 Prozent beträgt die Sammelquote in Österreich – mehr als das EU-Ziel von 45 Prozent. Rund 800 Tonnen Batterien pro Jahr werden falsch entsorgt. Bei der Restmüllsammlung brechen immer wieder Brände aus.

Ist der Akku aufgebläht, aber nicht heiß, und das Gerät funktioniert noch, spricht laut dem Reparaturdienst iFixit nichts dagegen, die Daten darauf zu retten oder gar den Akku zu entnehmen. In vielen neueren Mobilgeräten sind Akkus jedoch fix verklebt, sie zu entfernen ist schwierig. Mit Lösungsmitteln kann man Klebstoffe zwar lösen, diese seien aber wiederum leicht entflammbar. Damit in der Nähe eines potenziell beschädigten Akkus zu hantieren, ist also keine gute Idee.

Um keine Risse am Akku zu erzeugen, sollte man keine scharfen Werkzeuge verwenden. Hantiert man mit Gerät und Akku (idealerweise im Freien) wird außerdem das Tragen von Handschuhen und einer Schutzbrille empfohlen. "Keine Daten sind es wert, dass man sich in Gefahr begibt", warnt Gadermeier vor solchen Bastelprojekten. "In vielen Fällen gibt es ohnehin Backups der Daten in der Cloud."

Auf zur Sammelstelle

Ist ein aufgeblähter Akku nicht (mehr) brennheiß und qualmt nicht, bringt man ihn zu einem Altstoffsammelzentrum oder Mistplatz. Die nächsten Adressen dafür findet man auf der Webseite hermitleer.at, wo man auch speziell nach Sammelstellen für defekte Akkus suchen kann. Achtung: Er sollte keinesfalls in eine normale Batteriesammelbox geworfen werden, wie sie etwa in Supermärkten zu finden ist.

An den Sammelstellen gibt es fix vorgegebene Prozeduren für den Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien, heißt es auf Anfrage der futurezone beim Entsorgungsdienstleister Saubermacher und der für Abfallwirtschaft zuständigen Wiener Magistratsabteilung 48. Mitarbeiter kleben zunächst die Pole des Akkus mit Isolierband ab und stecken ihn in einen Plastiksack.

Dann wird er in ein spezielles Sicherheitstransportfass aus Metall gelegt und in einen weiteren Sack mit Vermiculit gebettet. Das ist ein brandhemmendes Tonmineral. Ein Fass kann bis zu 30 Kilogramm Akkus und Vermiculit aufnehmen. Ist es voll, wird der Sack zugeklebt, das Fass mit einem Deckel verschlossen. Dieser enthält ein Druckventil. Wird der Druck im Inneren des Fasses zu hoch, kann Gas daraus entweichen. Aus diesem Grund dürfen solche Fässer nicht gestapelt werden.

Nicht in den Restmüll

Das Fass wird mit einem Gefahrengutaufkleber versehen und zu Verwertungsanlagen gebracht. Dort durchlaufen sie in geschütztem Umfeld den normalen Recyclingprozess für Lithium-Ionen-Batterien. Dort sollten am Ende im Optimalfall alle Akkus landen. "Jeder Akku, der verbraucht ist, sollte abgegeben werden", teilt die MA 48 mit. "Im Restmüll hat er nichts zu suchen. Er sollte an fachgerechter Stelle abgegeben werden, damit man daraus noch etwas machen kann."

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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