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Schwimmende Photovoltaik-Anlage lädt Akkus, die von Booten abgeholt werden

Offshore-Energieanlagen sind üblicherweise mit einem Unterwasserkabel mit dem Festland verbunden. Schließlich muss die gesammelte Windenergie ins Stromnetz eingespeist werden, um dort verbraucht werden zu können.

Bei “The Tokyo Bay ESG Project” wird ein anderer Ansatz gewählt. Hier wird die Energie in Akkus gespeichert, die von Booten zum Ufer gebracht werden.

Im Rahmen des Projekts baut das niederländisch-norwegische Unternehmen SolarDuck laut eigenen Angaben „Japans erste Offshore schwimmende Photovoltaik-Anlage“. Das Ziel ist eine Anlage mit 88kW-Leistung im ersten Quartal 2024 in der Bucht von Tokio fertigzustellen. Die schwimmende Anlage soll vertäut werden, um nicht abzutreiben. Eine Stromkabel-Verbindung zum Land gibt es aber nicht.

Stattdessen werden Drohnen-Segelboote für den Energie-Transport eingesetzt. Diese werden von Everblue gebaut. Die Photovoltaik-Anlage speichert die gesammelte Energie in Akkus. Die Segeldrohnen holen die Akkus ab und bringen sie nach Tokio. Dort sollen sie etwa den Strom für öffentliche Veranstaltungen liefern.

Das Ganze ist ein Technologie-Demonstrator, soll also zeigen, ob es überhaupt funktionieren kann. Falls dem so ist, könnte das System weiter ausgebaut werden. Das Gesamtziel des Tokyo Bay ESG Project ist Technologien zu finden, die eine nachhaltige Stadt in den nächsten 50 bis 100 Jahren ermöglichen.

Schwimmende Photovoltaik muss Meerestüchtigkeit beweisen

Im Gegensatz zu Offshore-Windanlagen kommen Offshore-Solaranlagen bisher nur selten zum Einsatz. Der Grund dafür sind das Wetter und der Wellengang des Meeres. Ein Windrad, das starr am Meeresboden befestigt ist, bietet relativ wenig Angriffsfläche für Wind und Wellen. Die „Solarinseln“ haben aber eine große Grundfläche, weshalb es zu aufwändig und teuer wäre, diese quasi auf einer Betonsäule zu errichten, die am Meeresboden steht. Wird sie aber nur mit Tauen am Meeresboden verankert, könnte sie durch starken Wellengang losgerissen werden oder sich so stark eindrehen, dass das Unterwasserstromkabel beschädigt wird.

Eine mögliche Lösung ist, die schwimmenden Solarzellen an Offshore-Windräder anzudocken, um deren Infrastruktur mitzunutzen. Das senkt die Errichtungskosten. Allerdings ist noch nicht erwiesen, ob die Photovoltaik so Stürmen trotzen kann. In China wird das derzeit im Gelben Meer bei Shandong getestet.

Bis schwimmende Photovoltaik ihre Meerestüchtigkeit beweisen kann, wird sie zurzeit primär in Seen und anderen stehenden Gewässern eingesetzt. So bieten sich etwa Speicherseen von Wasserkraftwerken an, da dort ohnehin bereits die benötigte Infrastruktur in der Nähe ist.

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