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Konferenz Schatten über der schönen neuen Cyberwelt.

Bei der DLD treffen sich regelmäßig IT-Experten der ganzen Welt
Bei der DLD treffen sich regelmäßig IT-Experten der ganzen Welt - Foto: Patrick Dax, futurezone
Bei der "Digital Life Design" in München erörterten IT-Größen die Internet-Trends der Zukunft. Auch über die Folgen des NSA-Skandals wurde diskutiert.

Das Internet der Dinge, die digitale Währung Bitcoin, vernetzte Autos, soziale Medien als Orientierungshilfe in der Nachrichtenflut und Wearables, Computer, die am Körper getragen werden. Die schöne neue Cyberwelt offenbarte sich bei der Konferenz "Digital Life Design" (DLD), die von Sonntag bis Dienstag in München stattfand, in aller Pracht.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales war ebenso anzutreffen wie die Internet-Stars David Karp (Tumblr), Jeremy Stoppelman (Yelp) und die Neo-Milliardäre Tony Fadell (Nest) und Noam Bardin (Waze), dessen Unternehmen von Google übernommen wurden. Jan Koum, Gründer des Messaging-Dienstes WhatsApp, versprach bei einem seiner raren öffentlichen Auftritte, dass sein App auch künftig werbefrei bleiben werde. Yonatan Wexler vom israelischen Start-up OrCam  präsentierte eine Minikamera mit Sensor die Blinde "sehend macht" und ihren Träger Gegenstände beschreibt oder aus der Zeitung vorliest.

NSA dämpft Stimmung

Der Enthusiasmus, der den neuen technischen Möglichkeiten entgegenschlug, wurde jedoch gedämpft. Die Internet-Überwachung der US- und anderer Geheimdienste lag wie ein Schatten über der Innovationskonferenz. Internet-Legende John Perry Barlow warnte gar vor einem totalitären System. Was helfen Mini-Computer und Sensoren, die Hirnströme messen, um den Schlaf zu verbessern oder Software-Algorithmen, die unsere Verhalten voraussagen, wenn die Geheimdienste mitlesen und viele Nutzer das Gefühl haben, dass sie beim Tausch ihrer persönlichen Daten gegen die Dienstleistungen der IT-Unternehmen über den Tisch gezogen werden?

DLD
John Perry Barlow, Gründer der Electronic Frontier Foundation (EFF) - Foto: Hubert Burda Media

Neue Anwendungen seien nur möglich, wenn Nutzer ihre persönlichen Daten zur Verfügung stellen, sagte Ben Madlock vom britischen Start-up Swiftkey, das eine virtuelle Tastatur für Smartphones und Tablets entwickelt hat, die vorhersagt, welche Wörter ihre Nutzer als nächstes schreiben. Die Frage, wie das Vertrauen der Nutzer wieder zurückgewonnen werden kann, war deshalb bei der DLD zentral.

Vertrauen

Antworten darauf, gab es viele. Der Cybersicherheitsexperte Rod Beckstrom sagte, Sicherheitstechnik und Verschlüsselung müssten tiefer in das Netz integriert werden. Frank Rieger von der deutschen Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) sprach sich dafür aus, dass Regierungen und Unternehmen dazu verpflichtet werden sollen, den Bürgern Rechenschaft über die von ihnen gesammelten Daten abzulegen und auch den Nutzen, den die Datensammlung bringt, offenzulegen. Den zahlreichen Start-up-Gründern und Internet-Unternehmern im Publikum rief er zu: "Verschlüsselt alles was sich verschlüsseln lässt".

Evgeny Morozow warnte davor, sich auf Technik zu verlassen. Anstatt strukturelle Probleme zu lösen, würden Probleme heute an Apps delegiert, sagte der an der Stanford University lehrende Publizist. Persönliche Daten seien heute die neue Bezahlung für Dienstleistungen von Internet-Unternehmen. "Wir müssen Möglichkeiten finden, kollektiv damit umzugehen."

Peter Vesterbacker vom finnischen "Angry Birds"-Hersteller Rovio bezeichnete die Aufdeckung der US-Internetüberwachung als eine große Chance für europäische Unternehmen. Die NSA-Enthüllungen waren die beste Marketingkampagne aller Zeiten für europäische Technik."

"Michelangelo-Moment für den Datenschutz"

Man könne entweder Sklave oder Herr seiner Daten sein, sagte Michael Fertik, Gründer von Reputation.com, das eine Online-Reputationsmanagement anbietet. In Anspielung auf den ersten prominenten Virus sagte er, die Enthüllungen über die Internet-Überwachung könnten ein Michelangelo Moment" für den Datenschutz sein. Als Anfang der 90er Jahre der Virus "Michelangelo" im Netz für Aufregung sorgte, sei eine Reihe von Unternehmen entstanden, die Abhilfe schufen. Heute seien Antiviren-Herstellen ein 50-Milliarden-Dollar-Industrie. Auch gesetzliche Regelungen wurden in Reaktion auf den den Virus eingeführt.

Er hoffe, dass die Enthüllungen über die Internet-Überwachung ähnliche Folgen zeitigen werden. Dass es Nachfrage nach Diensten gebe, die die Privatsphäre respektieren, würde der Erfolg von Snapchat beweisen, wo 400 Millionen Postings pro Tag abgesetzt werden. "Es gibt einen großen Appetit auf private Kommunikation."

(futurezone) Erstellt am 22.01.2014, 06:00

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