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Nintendo Switch OLED im Test: Zu schön, um gehasst zu werden

Die Switch OLED in der weißen Version macht sich auch als Tischschmuck gut

Als Nintendo die Switch OLED angekündigt hat, gab es lange Gesichter. Nicht, weil die Kinnladen vor Begeisterung bis zum Boden hingen, sondern weil die Enttäuschung groß war. Wie üblich im Internet, waren Hasskommentare und erboste Boykottaufrufe die Folge.

Denn statt der erhofften und durch Gerüchte auch erwarteten „Switch Pro“ mit 4K-Gaming, gibt es nur dasselbe Ding, halt mit OLED statt LC-Display. Das tut der Switch OLED aber unrecht.

Ein bisschen größer, ein bisschen edler

Schon bevor man die Switch OLED einschaltet, fällt auf, dass irgendetwas anders ist. Sie sieht eleganter und moderner als die reguläre Switch aus. Das liegt an den subtilen Änderungen der Haupteinheit:

  • Der Rand rund um das Display ist schmäler
  • Der Rahmen ist glänzend statt matt
  • Das ausgeschaltete Display ist schwärzer und hebt sich weniger vom Rahmen und Rand ab. Bei der normalen Switch ist es eher Grau, wodurch die Haupteinheit 3 verschiedene Farben (Display, Rand, Rahmen) hat

Der Rahmen wurde nicht nur geschmälert, um die Ästhetik zu verbessern. So passt in die Switch OLED jetzt ein 7-Zoll-Display. Bei der normalen Switch sind es 6,2 Zoll. Die Switch OLED ist dadurch nur knapp 4mm länger als die normale Switch, obwohl das OLED-Display 15,5cm lang ist – das normale Switch-Display ist 13,8cm lang.

Ein besserer Standfuß und mehr Raum für Töne

Sieht man genau hin, bemerkt man, dass die Schlitze für die Lautsprecher nicht nur größer, sondern auch etwas nach unten gewandert sind. Bei der normalen Switch waren sie jeweils knapp 7mm lang, bei der Switch OLED sind es 1,7cm pro Schlitz.

Der Ton ist etwas lauter und klingt eine Spur fülliger. Durch die Ausrichtung nach schräg unten werden ebene Flächen genutzt, um den Ton zusätzlich zu verstärken, wenn die Switch Pro am Standfuß steht.

Stichwort Standfuß: Der ist nicht nur größer und massiver, sondern jetzt auch viel sinnvoller einsetzbar. Er ist stufenlos verstellbar, bis zu 150 Grad. Das ist praktisch, wenn man etwa die Switch auf dem Tischchen im Flugzeug abstellen will. Zwei Mini-Gummifüße an der Unterseite des Gehäuses sorgen dafür, dass die aufgestellte Konsole nicht verrutscht.

links: © Gregor Gruber

rechts: © Gregor Gruber

Links: Standfuß fast ganz eingeklappt, rechts ganz ausgeklappt

An der Rückseite befindet sich noch eine weitere Neuerung. Die Oberfläche ist rauer als bei der normalen Switch. Einen großen Vorteil für die Griffigkeit bringt das aber nicht, da die Hauptberührung ohnehin auf den Joy-Cons liegt.

Joy-Cons bleiben gleich, der Drift ebenfalls

Die Joy-Cons sind bei der Switch OLED gleichbelieben. Dadurch ist die Konsole mit allen vorhandenen Joy-Cons kompatibel. Verbesserungen an der Langlebigkeit der Joy-Cons wurden nicht vorgenommen, seit dem internen Update, das Switch-Konsolen und Controller ab September 2019 bekommen haben. Laut Nintendo ist es also nur eine Frage der Zeit, bis auch die Switch OLED den gefürchteten Joy-Con Drift bekommen wird.

Dafür haben die Tasten an der Oberseite der Haupteinheit ein Update bekommen. Die Powertaste ist oval statt rund. Die Lautstärkentasten sind ebenfalls etwas länger, dafür aber auch schmäler geworden. Das Redesign passt jedenfalls gut zum „erwachseneren“ Look der Switch OLED.

Links die Bedientasten der Switch auf der Haupteinheit, rechts die Tasten der Switch OLED

Es hätte schon immer OLED sein sollen

Die Hauptattraktion ist der namensgebende OLED-Bildschirm. Ich hätte nicht geglaubt, um wieviel anders Switch-Spiele damit aussehen. Die satteren Farben und stärkeren Kontraste frischen alle Games auf. Es ist, als hätte sich ein Grauschleier gelüftet.

Gerade die Mario-Games profitieren sehr davon. Aber auch Shooter wie „Wolfenstein“ oder das Rollenspiel „Skyrim“ bekommen dadurch einen angenehmen Kick. Obwohl die Switch OLED weder neuen Prozessor noch mehr RAM hat und das Display nach wie vor nur 720p aufweist, wirkt die Grafik besser – der OLED-Bildschirm kaschiert die Hardware-Schwächen. Schade, dass Nintendo nicht schon von Anfang an auf OLED gesetzt hat: Denn so wie bei der Switch OLED hätten die Games schon immer aussehen sollen.

Bei einigen Games kann die neue Farbpracht aber ungewohnt oder sogar ungewollt wirken. Bei „Breath of the Wild“ wurden die gedämpften Farben gezielt eingesetzt, jetzt wirken sie übersättigt – bis man sich daran gewöhnt hat. „Ultra Street Fighter II“ wirkt auf der normalen Switch als hätte es einen absichtlichen Retrolook. Auf der Switch OLED bekommt es hingegen einen modernen Look, der fast schon Richtung Cartoons geht.

Wenn man die OLED-Farben gar nicht mag, kann man bei Systemeinstellungen - Konsole - Farbintensität des Konsolenbildschirms von Lebhaft auf Standard wechseln. Das nimmt etwas die Sättigung raus, die Darstellung ist aber insgesamt immer noch kräftiger als bei der normalen Switch.

Mehr Speicher, aber nicht mehr Leistung

Wie bereits gesagt, wurden weder Prozessor noch RAM aufgestockt. Dafür ist der interne Speicher jetzt 64 GB groß statt 32 GB, wovon ca. 48 GB nutzbar sind. Wer viele Games herunterlädt, anstatt sie als Modul zu kaufen, wird dennoch eine MicroSD-Karte benötigen, um den Speicher zu erweitern.

Die Akkulaufzeit ist wieder sehr stark abhängig vom Spiel und der gewählten Display-Helligkeit. Die gute Nachricht ist: Trotz des größeren OLED-Displays ist sie nicht geringer als bei der normalen Switch. Metroid Dread konnte ich bei voller Display-Helligkeit sechseinhalb Stunden am Stück spielen, bevor der Akku leer war. Der Akkuverbrauch im Standby-Modus ist ebenfalls ähnlich wie bei der normalen Switch. In 8 Stunden sinkt die Akkuladung um etwa 5 Prozent.

Das Dock für den Fernsehmodus hat jetzt rundere Ecken und einen Ethernet-Anschluss. Achtung: Man sollte nicht die Switch OLED im Dock der normalen Switch verwenden und auch nicht umgekehrt. Die Docks sind für die Positionen der Konsolen-Lüfter angepasst. Bei der Switch OLED sind sie nach unten gerichtet, während sie bei der normalen Switch auf der Rückseite sind. Die normale Switch konnte deshalb überhitzen, wenn sie etwa auf einem Polster oder einer Decke abgelegt wurde (weil der Standfuß schlecht war, musste man improvisieren).

Für das Spielen am Fernseher macht die Switch OLED keinen Unterschied. Hier hat man immer noch 1080p und eine Grafik, die der PS4 und Xbox One unterlegen ist.

Fazit

Ich kann die Leute verstehen, die böse auf Nintendo sein wollen, weil die Switch OLED keine Switch Pro ist. Man muss sie aber als die natürliche (langsame) Weiterentwicklung der Produktfamilie sehen. Die originale Switch ist 2017 erschienen, die 2019er-Revision hatte Mini-Upgrades = natürliche Weiterentwicklung. Dasselbe gilt jetzt für die 2021er Switch OLED, die in den nächsten Jahren die normale Switch ablösen wird.

Und wer sich immer noch darüber beschweren will: Man kann die Wut auch gleich an die Handyhersteller richten. Da kommen jedes Jahr neue Geräte raus, die 1.000 Euro und mehr kosten und manchmal kaum nennenswerte Neuigkeiten bieten. Da wirken 360 Euro für eine neue Switch OLED nach 4 Jahren nicht mehr so schlimm.

Muss man deshalb aber upgraden? Nein, natürlich nicht. Wenn man die Switch OLED aber mal ausprobiert hat, will man upgraden. Wer hauptsächlich mit der Switch am TV spielt, braucht das OLED-Modell keinesfalls. Wer viel Switch im Handheld-Modus spielt, wird auch sehr viel Freude an der Switch OLED haben.

Ein Dilemma haben die Switch-Lite-User*innen. Für den reinen Handheld-Betrieb ist die Switch Lite viel angenehmer als die normale Switch, aber 7 Zoll OLED schlägt 5,5 Zoll LCD um Längen. Meine Switch Lite hat deshalb jetzt ausgedient. Wer ohnehin nichts an seiner oder ihrer Switch Lite auszusetzen hat, kann abwarten, ob vielleicht eine Switch Lite OLED kommt. Gerüchte dazu gibt es zwar noch keine, ein solches Modell für 2022 oder 2023 ist aber zumindest nicht auszuschließen.

Preise der Switch-Modelle

Die Nintendo Switch OLED kostet 359 Euro. Derzeit ist sie bei Amazon und vielen Händlern vergriffen.
Die normale Switch gibt es jetzt ab 280 Euro, zB. bei Amazon.
Die Switch Lite ist ab 190 Euro erhältlich, zB. bei Amazon.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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