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Netzpolitik
03/12/2020

Notrufnummern bleiben verwundbar

Nach dem Ausfall der Notrufnummern wurden Verbesserungen vorgenommen. Die greifen aber erst, wenn das System bereits ausgefallen ist.

von Franziska Bechtold

Im Oktober 2019 hatte A1 eine Störung seines Mobilfunknetzwerks gemeldet. Das prekäre an der Situation: Auch die österreichischen Notrufnummern 122, 133 und 144 waren nicht erreichbar. Erst vor wenigen Wochen hatte sich in der Schweiz ein ähnlicher Vorfall ereignet. Nach Wartungsarbeiten am Telefonnetz von Swisscom hatte es eine Störung der Notrufnummern gegeben, weshalb das Unternehmen heftig in der Kritik stand.

Eine futurezone-Anfrage bei A1 ergab, dass es seit dem Totalausfall vergangenes Jahr technische Änderungen gab. Netzelemente wie Prozessoren werden genauer überwacht und die kritische Infrastruktur des Netzwerks, das die Notrufnummern betrifft, wird einer technischen Prüfung unterzogen. Kritische Änderungen werden nur noch im 4-Augen-Prinzip durchgeführt - dass das nicht passierte, hatte zum Versagen des Netzes geführt. Eine Backup-Lösung, die bei einem Totalausfall automatisch greift, gibt es aber weiterhin nicht. Zwar hat das gesamte Netzwerk Redundanzen, es ist aber weiterhin von A1 abhängig.

Kommunikation verbessert

Gearbeitet wurde vor allem an der Kommunikation zwischen A1 und den Notrufträgern. Dafür wurde laut A1 die Belastungsregelung der betroffenen Netze optimiert, das Routing der Servicehotline verbessert und die Verfügbarkeit der Hotline für Notrufträger erhöht. Zudem werden Notrufträger umgehend informiert, wenn es zu einer Beeinträchtigung des Notrufs kommt.

Das war beim Ausfall im Oktober 2019 nicht der Fall. Damals schoben sich A1 und die Notrufträger die Verantwortungen gegenseitig zu. Die Stadt Wien hatte für solche Fälle Ersatznummern eingerichtet. In den Notrufzentralen lagen dafür Mobiltelefone bereit. In anderen Bundesländern hatte man so eine Lösung nicht parat.

Zusammen mit den Notrufträgern erarbeitet A1 daher einen Notfallplan und plant, eine Notfallübung für die Mitarbeiter der Notrufträger durchzuführen. A1 will zudem alternative Kommunikationsmittel etablieren, wie beispielsweise Satellitentelefone oder BOS-Funk. Das soll während eines Ausfalls sicherstellen, dass die Notrufträger kontaktiert werden können. Umgesetzt wurde das allerdings noch nicht.

Rettung nur im Notfall rufen

Für eine zusätzliche Belastung während der Coronavirus-Pandemie sind laut A1 ausreichend Kapazitäten vorhanden, um einer möglichen Überlastung des Netzes vorzubeugen. Allerdings sollte man hier nur in den allergrößten Notfällen einen Krankenwagen rufen. Die Gesundheitsnummer 1450 ist für die Erstaufnahme von Corona-Verdachtsfällen zuständig.

Melden sollen sich dort ausschließlich Menschen, die typische Symptome des Coronavirus haben. Dazu zählen Husten, Fieber und Kurzatmigkeit. Dort spricht man mit einem Erstberater und wird an einen Arzt vermittelt, sollte sich der Verdacht festigen. Allerdings muss man momentan mit hohen Wartezeiten rechnen, da die Hotline aufgrund der zahlreichen Anrufe überlastet ist.

Infoline zum Coronavirus

Wer sich grundsätzlich zum Coronavirus informieren möchte, aber selbst keine Symptome aufweist, sollte auf die Infoline der Agentur für Ernährungssicherheit AGES ausweichen. Diese ist unter der Nummer 0800 555 621 erreichbar.