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Cupra Born im Kurztest: Der bessere und günstigere VW ID.3

In der Kompaktklasse schickt die Submarke von Seat ihr erstes vollelektrische Auto ins Rennen.

Der Cupra Born ist das neueste Elektroauto der Volkswagen-Großfamilie. Entwickelt und entworfen wurde der Born in der Nähe von Barcelona, was bereits auf seine Wurzeln schließen lässt. Cupra ist nämlich eine Submarke des spanischen VW-Ablegers Seat. Und mit dem Born hat Cupra sein erstes rein elektrisches Fahrzeug auf den Markt gebracht.

Er tritt in der Kompaktklasse gegen die Konkurrenz an. Ähnlichkeiten mit dem ID.3 von VW sind nicht abzustreiten. Denn wie der Hoffnungsträger der Wolfsburger basiert auch der Born auf der MEB-Plattform. Der Born teilt sich nicht nur die Plattform mit dem ID.3, die beiden E-Autos laufen auch im VW-Werk in Zwickau vom selben Band.

Pro & Contra

Pro

  • Hohe Reichweite
  • Zeitgemäßes Infotainmentsystem
  • Tolles Fahrgefühl
  • Ausstattung mit Premiumfeelig
  • Smarte Vernetzung durch Online-Dienste und App
  • Brauchbare Fahrassistenzsysteme
  • Vergleichsweise günstig

Contra

  • Cockpit hinter den Displays wirkt bulkig
  • Menüführung des Infotainmentsystems könnte besser sein
  • Infotainmentsystem könnte etwas mehr Prozessorleistung vertragen

Sportlich und modern

Im Gegensatz zum ID.3 wirkt der Born aber wesentlich dynamischer und sportlicher. Der "böse Blick" des Born trägt das Seinige dazu bei. Jedenfalls sieht der Born schnittig und zeitgemäß aus. Nur der Kompakt-Kombi-Look der Hinterseite wirkt etwas plump und nicht ganz stimmig.

Die verwendeten Materialien im Innenraum wirken etwas hochwertiger als im ID.3. Während dort vieles an Kunststoff und nicht allzu hochwertige Textilien erinnert, hat man im Born das Gefühl, dass zahlreiche Elemente von einem Premiumfahrzeug übernommen wurden.

Moderner und bequemer Innenraum

"Man sitzt nicht auf dem Fahrersitz, sondern in dem Fahrersitz”, hat ein Cupra-Vertreter beiläufig erwähnt. Dem kann man nur zustimmen. Denn die Sitze im Cockpit sind nicht nur bequem, sie bieten auch ausreichend Halt wenn man relativ flott auf kurvigen Straßen unterwegs ist.

Aufgrund des nicht notwendigen Kardantunnels bleibt im Innenraum schon grundsätzlich mehr Platz für die Passagier*innen. Vorne wird der Platz für geräumig Ablagefächer genutzt, in denen sich USB-C-Anschlüsse und eine Smartphone-Ablage samt kabelloser Lademöglichkeit befinden.

Im Vergleich mit dem ID.3 ist allerdings das Cockpit des Cupra Born weniger luftig. Während beim ID.3 der Bereich hinter dem Lenkrad recht leichtgewichtig ist, wirkt dieser Bereich beim Born hingegen etwas klobig.

Smartes Cockpit

Geprägt ist das Cockpit durch 2 Display, die einerseits für das Infotainment und andererseits für die Instrumentenanzeige dienen. Das Infotainmentangebot wird auf einem 12-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 1.560 x 700 Pixel angezeigt.

Die Instrumententafel hinter dem Lenkrad ist wesentlich kleiner und zeigt die notwendigen Fahrinformationen an. Außerdem gibt es noch ein Head-up-Display, das auf die Windschutzscheibe projiziert wird, bei direkter Sonneneinstrahlung aber etwas schwer zu sehen ist.

Auch im Cockpit kann der Cupra Born seine Verwandtschaft zum ID.3 nicht abstreiten. Sowohl die beiden Displays als auch der Schalter für die Gangwahl und die Tasten am Lenkrad erinnern sofort an den Hoffnungsträger aus Wolfsburg.

Jene Tasten am Lenkrad sind eigentlich gar keine herkömmlichen Tasten, sondern berührungsempfindliche Oberflächen, die sich nicht wie gewohnt drücken lassen. Vielmehr ist eine Wischgeste über die Oberflächen notwendig, um die gewünschten Aktionen auszuführen. Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Auch wenn man ein haptisches Feedback in Form einer leichten Vibration erhält, wünscht man sich so manches Mal eine herkömmliche Taste zum Drücken. Solche berührungsempfindlichen Oberflächen sind auch unterhalb des Displays zu finden, wo die Klimaautomatik und die Lautstärke der Musikwiedergabe reguliert werden können.

Leicht verwirrende Menüführung

Das Infotainmentsystem bietet im Grunde alles, was man sich von einer solchen Software im Jahr 2021 erwartet. Die Menüführung ist einerseits recht einfach und selbsterklärend, wirkt an manchen Stellen aber dann doch leicht irritierend.

So gibt es beispielsweise gleich mehrere Einstellungsmenüs: Bei einem können etwa die Einstellungen des Fahrzeugs konfiguriert werden, bei einem anderen lassen sich die Funktionen des Infotainmentsystems adjustieren. Für meinen Geschmack wäre eine zentrale Stelle für die Einstellungen wesentlich übersichtlicher und weniger verwirrend.

Außerdem wirkt der Touchscreen auf manchen Ebenen etwas überladen. Eine reduziertere Darstellung würde dem Bildschirm in der Mittelkonsole guttun. Gleichzeitig würde das Infotainmentsystem dadurch eventuell ein bisschen eleganter wirken.

Infotainment funktioniert bestens

Nichtsdestotrotz wird man sich auch beim Born-Infotainment nach kurzer Zeit schnell zurechtfinden und die Menüführung verinnerlicht haben. Abseits der Menüführung gibt es am Infotainmentsystem kaum etwas auszusetzen.

Der Touchscreen lässt sich in meist ohne wahrnehmbare Verzögerung bedienen. Auch die einzelnen Apps und Funktionen starten weitgehend ohne längere Wartezeiten. So manches Mal wirkt die Software ein klein wenig holprig. Dem Rechner für das Infotainment hätte wahrscheinlich etwas mehr Prozessorleistung nicht schlecht getan.  

Im Vergleich zum VW ID.3 rennt das Infotainmentsystem im Cupra Born schneller und flüssiger. Bei meiner Probefahrt mit dem ID.3 waren Verzögerungen bei der Bedienung und beim Aufrufen der Anwendungen keine Ausnahme. Das war beim Born nicht der Fall.

Android Auto und Apple CarPlay

Die Integration von Apple CarPlay und Android Auto ist perfekt gelöst und funktioniert sowohl kabellos, als auch per Kabelverbindung. Während die Oberfläche der Smartphone-Betriebssysteme den Großteil des Mittelkonsolen-Displays einnehmen, bleibt am Rand immer noch genug Platz, um die Einstellung der Klimaautomatik und der Sitzheizung anzuzeigen, was ziemlich praktisch ist.

Smartphone-App und Sprachsteuerung

Der Cupra Born ist dank einer eingebauten eSIM permanent online und ermöglicht dadurch einen ständigen Zugriff auf etliche Online-Dienste. Auch eine Sprachsteuerung, die auf "Hola, Hola" hört ist mit dabei. Damit lässt sich etwa ganz bequem die Temperatur regulieren, die Musikauswahl steuern oder ein Navigationsziel eingeben.

Bei dem Kurztest war es leider nicht möglich, die dazugehörige "My Cupra"-App auszuprobieren. Jedenfalls soll damit Fernzugriff auf wichtige Funktionen möglich sein, beispielsweise Ladevorgang kontrollieren und verwalten.

Außerdem soll sich mit der App die Klimaanlage steuern lassen. Routen können laut Cupra ebenso über die Smartphone-Anwendung geplant und an das Fahrzeug übermittelt werden.

Fahrassistenzsystem

Der Born ist mit Sensoren, Kameras und Radarsystemen ausgestattet, die permanent die Umgebung erfassen und vor Gefahren warnen. Das Spurhalteassistenzsystem ist mehr als Sicherheitsfunktion zu verstehen und weniger als Feature für das autonome Fahren.

Der adaptive Tempomat funktioniert genauso wie er soll. Die Abstände, die er zum Vorderfahrzeug halten soll, können direkt am Lenkrad reguliert werden. Zum Anfahren kann der adaptive Tempomat nicht genutzt werden, weil der Born nicht ohne Bremse zum Stillstand gebracht werden kann.

Technische Spezifikationen

Cupra Born 45

  • Leistung: 110 kW (150 PS)
  • Batteriekapazität netto: 45 kWh
  • Gewicht: 1.708 Kilogramm
  • Reichweite: 340 km
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 8,9 Sekunden
  • Ladeleistung maximal: 110 kW (DC)
  • Drehmoment maximal: 310 Nm
  • Verfügbarkeit: 2. Quartal 2022
  • Preis: sollte abzüglich der Förderprämien unter 30.000 Euro liegen

Cupra Born 58

  • Leistung: 150 kW (204 PS)
  • Batteriekapazität netto: 58 kWh
  • Gewicht: 1.736 Kilogramm
  • Reichweite: 424 km
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 7,3 Sekunden
  • Ladeleistung maximal: 120 kW (DC)
  • Drehmoment maximal: 310 Nm
  • Verfügbarkeit: Ende 2021
  • Preis: ab 39.990 Euro

Fahrspaß ist gegeben

Ist man im standardmäßigen Drive-Modus unterwegs, rekuperiert der Cupra Born gefühlt nur sehr wenig. Für eine wesentlich stärkere Rekuperation sorgt der B-Modus. Dieser bremst den Born recht stark, sobald man den Fuß vom "Gas"-Pedal nimmt.

Das schont einerseits die Bremsen und verlängert ein wenig die Reichweite. Allerdings bringt der B-Modus das Fahrzeug nicht vollständig zum Stillstand. Ein Bremsen-loses Fahren ist also leider nicht möglich.

Unterwegs war ich bei der Probefahrt mit der stärksten Version des Born, die eine Peak-Leistung von 170 kW (231 PS) aufweist. Mit der kompromisslosen Beschleunigung, dem tiefen Schwerpunkt des Fahrzeugs und einer Lenkung, die im Sportmodus recht direkt übersetzt, macht das Fahren richtig Spaß.

Auf den engen und kurvigen Straßen im hügeligen Umland von Barcelona konnte der Born bei der Probefahrt vollends überzeugen. Aber auch beim Cruisen auf der Autobahn lassen das Spurhalteassistenzsystem und der adaptive Tempomat ein wenig Premiumfeeling aufkommen.

Dass sich der Born so ausgezeichnet fährt, liegt auch an der adaptiven Fahrwerksregelung (DCC) mit einer 15-stufigen Dämpfungsanpassung. Auf etwas holprigen, leicht beschädigten Straßen schluckt die DCC die Schlaglöcher und gewährleistet ein wirklich angenehmes Fahren.

4 verschiedene Modelle

Den Cupra Born kommt in insgesamt 4 verschiedenen Versionen. Verfügbar sind dabei 3 verschieden starke Elektromotoren (110 kW, 150 kW, 170 kW) und 3 unterschiedliche große Batterien (45 kWh, 58 kWh, 77 kWh). Alle Modelle kommen mit einem Hinterradantrieb, Allrad steht nicht zur Auswahl. Unterschiede ergeben sich dadurch bei der Reichweite, der Ladeleistung, der Beschleunigung und natürlich auch beim Preis.

Technische Spezifikationen

    Cupra Born 58 e-Boost

    • Leistung: 170 kW (231 PS)
    • Batteriekapazität netto: 58 kWh
    • Gewicht: 1.736 Kilogramm
    • Reichweite: 420 km
    • Beschleunigung 0-100 km/h: 6,6 Sekunden
    • Ladeleistung maximal: 120 kW (DC)
    • Drehmoment maximal: 310 Nm
    • Verfügbarkeit: Anfang 2022
    • Preis: noch unklar

    Cupra Born 77 e-Boost

    • Leistung: 170 kW (231 PS)
    • Batteriekapazität netto: 77 kWh
    • Gewicht: 1.950 Kilogramm
    • Reichweite: 540 km
    • Beschleunigung 0-100 km/h: 7 Sekunden
    • Ladeleistung maximal: 170 kW (DC)
    • Drehmoment maximal: 310 Nm
    • Verfügbarkeit: Anfang 2022
    • Preis: noch unklar

    Bei den beiden so genannten E-Boost-Versionen steht die volle Leistung von 170 kW immer nur kurzzeitig zur Verfügung - etwa bei Überholmanöver durch Drücken des Cupra-Knopfes am Lenkrad.

    Verzichtet man auf die zusätzliche Leistung, sind die E-Boost-Versionen mit 150 kW unterwegs. Um die volle Reichweite ausreizen zu können, muss man auf den E-Boost verzichten.

    Ladenmöglichkeiten

    Der Born kann per AC mit bis zu 11 kW geladen werden. An einer Schnellladestation ist ein Laden per DC je nach Modell mit bis zu 170 kW möglich. Im Preis des Born ist eine Wallbox für das Laden zu Hause inbegriffen.

    Laut Cupra lässt sich damit der wassergekühlte Lithium-Ionen-Akku von 5 auf 80 Prozent in 35 Minuten aufladen. In 7 Minuten soll genug Energie zur Verfügung gestellt werden, die für weitere 100 Kilometer reicht.

    Fazit

    Man könnte behaupten, der Cupra Born sei in seiner Klasse, eine Klasse für sich. Den Vergleich mit seinem Schwestermodell, dem VW ID.3, braucht der Born nicht scheuen. Ganz im Gegenteil: Preislich liegt er sogar leicht unterhalb des ID.3 und kann in Sachen Verarbeitung, Design und Innenausstattung mehr überzeugen als der VW.

    Technisch steht der Born mit der MEB-Plattform auf absolut soliden Beinen. Auch das Infotainmentangebot samt Smartphone-App und Sprachassistenzsystem lässt kaum Wünsche offen.

    Abseits des Volkswagen-Konzerns sucht man vergeblich nach einem kompakten E-Auto, das bei Reichweite, Ladeleistung und Ausstattung mit dem Cupra Born mithalten kann.

    Bei all dem SUV-Getöse am Elektroautomarkt ist der vergleichsweise kompakte und erschwingliche Cupra Born eine willkommene Abwechslung und eine notwendige Bereicherung. Wer sich nach einem Elektroauto in dieser Klasse umsieht, wird um den Cupra Born nicht vorbeikommen.

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    Florian Christof

    FlorianChristof

    Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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