© Thomas Prenner

Produkte

Microsoft Surface Duo 2 im Test: Die Idee ist gut, aber...

Die einzigartige Optik kompensiert die Schwächen leider nicht

Mit der Ankündigung eines Smartphones mit 2 Displays hat Microsoft 2019 für eine Überraschung gesorgt. Das originale Surface Duo blieb aber weitgehend hinter den Erwartungen zurück. Ein Grund dafür war etwa die späte Verfügbarkeit, wodurch die verwendete Hardware schon veraltet war. Auch Software-Probleme plagten das erste Surface Duo.

Mit dem Surface Duo 2 soll nun einiges besser werden. Zwar musste man sich zumindest in Österreich wieder etwas länger gedulden, bis man es in Händen halten konnte. Die Hardware geht aber zumindest noch als einigermaßen aktuell durch. Ich habe den Exoten getestet.

Microsoft Surface Duo 2

Das Äußere

Packt man das Surface Duo 2 aus, merkt man schnell, dass man ein sehr ungewöhnliches Gerät in Händen hält. Gefaltet ist das Handy mit gut 9 Zentimeter deutlich breiter als man es von gewöhnlichen Smartphones gewohnt ist. Aufgeklappt hat das Surface eine Breite von über 18 Zentimeter

Der Formfaktor ist völlig ungewohnt. Im ersten Moment hab ich mich gefragt, wie man das Surface am besten hält: Einhändig? Zweihändig? Halb zugeklappt?  

Die Verarbeitung kann sich jedenfalls sehen lassen. Das Handy wirkt hochwertig und vor allem durchdacht designt. Das Scharnier wirkt langlebig, der Klappmechanismus hat genau den richtigen Widerstand: Fest genug, dass das Handy auch halb zugeklappt die Position beibehält, aber nicht zu fest, dass man es mit Gewalt klappen muss.

Dass sich Microsoft etwas beim Gehäuse gedacht hat, merkt man an einigen Details. So kann man das Handy so weit aufklappen, dass sich die Displays außen befinden - also in einem Winkel von 360 Grad. Einziges Problem ist das Kameramodul, das verhindert, dass die beiden Seiten vollständig aufeinander liegen. Jenes ist aber mit einer leichten Schräge designt, so, dass die Rückseite zumindest vollständig auf dem Kamerabereich aufliegt. 

So kann man das Handy einhändig bedienen - zumindest theoretisch. Denn das etwas seltsame Seitenverhältnis des Displays führt dazu, dass man mit dem Daumen einen großen Teil der Anzeige gar nicht erreicht. Das Gewicht des Geräts beträgt 284 Gramm. Damit ist deutlich schwerer als gewöhnliche Smartphones und in etwa genauso schwer wie Samsungs Falt-Handy Fold3.  

Vorsichtig heißt es bei äußerlichen Einflüssen sein. Das Handy ist nicht wasser- oder staubdicht.

Einhändige Bedienung

Die Displays

Das Surface Duo besteht aus 2 Displays mit einer Diagonale von jeweils 5,8 Zoll bei einer Auflösung von 1.344 x 1.892 Pixeln. Einzeln betrachtet haben die AMOLED-Screens ein etwas eigenwilliges Seitenverhältnis von 4:3. Man kann das Handy auch aufgeklappt mit einer großen Anzeige verwenden. Kombiniert man die Displays, kommt man auf eine Diagonale von 8,3 Zoll

An der Qualität der Displays lässt sich nichts aussetzen. Im Vergleich zu den OLEDs anderer Hersteller - etwa von Samsung - sind die Farben beim Duo 2 eher natürlich und weniger knallig. Wer es gern gesättigter mag, kann in den Einstellungen die Farbdarstellung von “natürlich” auf “vivid” stellen. 

Kurioses Extra

Ist das Gerät nach innen zugeklappt, hat man kein Außendisplay. Um dennoch Uhrzeit und Benachrichtigungen zu sehen, kann man sie ganz am Rand des Displays beim Scharnier einblenden lassen. Die Lösung ist originell, aber ausbaufähig. Liegt das Handy etwa vor einem auf dem Tisch, sieht man die Uhrzeit die meiste Zeit abgeschnitten. Man muss die Seite etwas anheben, um einen guten Blick darauf zu haben.

Innenleben, Akku und Kameras

Im Inneren ist ein Snapdragon 888 verbaut. Qualcomms 2021er-Flaggschiff bietet nach wie vor genug Leistung, um das Handy mit sämtlichen Anwendungen flüssig laufen zu lassen. Das Gerät ist mit einem Fingerabdrucksensor ausgestattet, der sich im Power Button befindet. Jener funktionierte im Test einigermaßen zuverlässig. 

Insgesamt verfügt das Duo 2 über eine Akkukapazität von 4.449 mAh. Das ist ordentlich, die beiden Displays sind aber auch große Stromfresser. Das führt dazu, dass einem in der Praxis relativ schnell der Saft ausgeht.

Wenn man das Gerät intensiv verwendet - was bei einem Device, das Smartphone und Tablet ersetzen will, logisch ist - kommt man nicht durch einen ganzen Tag, ohne an die Steckdose zu müssen. Geladen wird ausschließlich per USB-C, drahtlose Stromversorgung ist nicht möglich.

Das Duo 2 hat ein Kamera-Setup, wie man es auch von anderen aktuellen Android-Phones kennt: Haupt-, Tele- und Ultraweitwinkellinse befinden sich im relativ wuchtigen Kameramodul. Die beiden ersteren lösen mit jeweils 12, die Ultraweitwinkelkamera mit 16 Megapixel auf. 

Mit dem Duo 2 zu fotografieren ist etwas gewöhnungsbedürftig, da man nur aufgeklappt Bilder machen kann. Man fotografiert also wie mit einem Tablet, das Handling ist damit suboptimal.

Die Qualität der Fotos ist eher mittelmäßig, verglichen mit anderen High-End-Smartphones. Die Bilder sind meist zu dunkel, haben einen Blaustich und sind tendenziell zu scharfgezeichnet. HDR funktioniert bestenfalls mittelmäßig und in dunklen Umgebungen gibt das Surface schnell auf. Gegen Samsungs Fold3, Galaxy S22 oder gegen aktuelle iPhones hat das Surface Duo 2 keine Chance. 

links: © Thomas Prenner

rechts: © Thomas Prenner

Vergleich Surface Duo 2 vs Galaxy Z Fold3

Die Software, Bedienung in der Praxis

Die aktuellste Software des Surface Duo 2 basiert auf Android 11, ein Update auf 12 gibt es zum Zeitpunkt des Tests noch nicht. Microsoft hat seine eigene Oberfläche darübergelegt, dessen Design stark an Produkte wie Windows oder Office erinnert. 

Standardmäßig trennt die Software die Bildschirme in den meisten Situationen. Öffnet man also eine App auf dem rechten Screen, geht sie auch nur dort auf. Will man sie im Tablet-Modus über beide Screens ziehen, muss man das entweder nach dem Start manuell tun, oder in den Einstellungen festlegen, dass sie so gestartet werden sollen.

Das Ziehen von Apps über die beiden Bildschirme hat aber einen massiven Nachteil: Der Teil der Anzeige, der beim Spalt der beiden Displays ist, wird einfach weggelassen. Zieht sich also etwa ein Wort eines Textes über den Spalt, kann es gut sein, dass dort ein Buchstabe einfach fehlt. Ich kann mir nicht wirklich erklären, in welcher Situation das sinnvoll oder überhaupt tolerabel sein kann.

Will man tatsächlich 2 Apps gleichzeitig verwenden, ist das mit dem Surface Duo 2 mit den beiden Screens sehr gut möglich. Auf der einen Seite ein Mail formulieren, während man auf der anderen seinen Kalender hat, funktioniert wie man sich das vorstellt.

Gleiches gilt natürlich, wenn man während dem Webbrowsen noch Notizen machen möchte. In der Praxis tut sich hier aber ein kurioses Problem auf: Will man etwas in der App am rechten Screen tippen, taucht die Tastatur nur rechts lauf - dasselbe Spiel, wenn man links etwas tippen möchte. Das führt dazu, dass man beidhändiges Tippen in der Regel vergessen kann. Man muss das Handy mit einer Hand halten, während man mit der anderen die Tastatur bedient. Beidhändiges “Thumben” ist nicht möglich.

Aufgeklappt lässt isch das Handy auch auf den Tisch stellen. So kann man etwa Netflix schauen.

Bugs, Bugs, Bugs

Leider ist die Surface-Firmware auch gut ein halbes Jahr nach der Präsentation des Handys immer noch relativ stark verbuggt. Mehrmals tauchte der Homescreen nach einem Reboot nicht auf, kurz darauf stürzte der Launcher ab. Erst dessen automatischer Neustart brachte die Homescreens zutage. 

Darüber hinaus zählen Hänger und verzögerte Eingaben zum Alltag. Das beginnt beim Aufwecken aus dem Standby, für das man manchmal mehr als einmal auf den Power-Button drücken muss, und endet bei deutlich verzögerten Tastatureingaben. Kämpfen muss man außerdem regelmäßig mit der richtigen Bildschirmausrichtung. So wechselt das Gerät nicht besonders zuverlässig vom Hoch- ins Querformat und umgekehrt.

Fazit

So bemerkenswert das Design und gelungen die Verarbeitung auch ist, ich kann dennoch keine generelle Empfehlung für das Surface Duo 2 abgeben. Die Software bleibt einfach zu sehr hinter der Hardware zurück.

Das Einzige, was sich sinnvoll mit den 2 Screens machen lässt, ist 2 Apps gleichzeitig verwenden - und ein Großteil der Anwender*innen wird das auch nicht ständig, sondern eher gelegentlich machen. Fotos oder Filme über beide Screens gestreckt anzusehen, ist beeindruckend, dafür würde ich aber doch eher zu Samsung Falt-Handy Galaxy Z Fold3 greifen, das man mittlerweile schon unter 1300 Euro bekommt. Dort fehlt auch nicht einfach ein Teil der Anzeige. 

Pro und Contra

Pro

  • Einzigartiges Design
  • Verarbeitung
  • Schöne Displays

Contra

  • Verbuggte Software
  • Mittelmäßige Akku-Laufzeit
  • Unterdurchschnittliche Kameraleistung
  • Spalt, wenn man Apps über gesamtes Display zieht

Dazu kommen die nervigen Bugs, die eigentlich inakzeptabel sind. Gerade eine Firma wie Microsoft, die vor allem anderen eine Softwarefirma ist, darf sich das nicht erlauben. 

Und dennoch: In einer Welt, wo man das Smartphone eines Unternehmens oft nicht von dem eines anderen unterscheiden kann, bin ich ein großer Fan neuartiger Bauweisen und Designs. Aus diesem Grund hatte ich während des Tests trotz aller Bugs eine großartige Zeit mit dem Duo 2 und konnte es kaum aus der Hand geben. Wer sich hier ein bisschen wiedererkennt und ebenfalls einen Hang zum Außergewöhnlichen hat, der kann sich den Kauf eines Surface Duo 2 überlegen. Vielleicht wird das mit der Software ja doch noch durch Updates gelöst.

Das Testgerät wurde der futurezone freundlicherweise von A1 leihweise zur Verfügung gestellt. Dort ist das Microsoft Surface Duo 2 5G samt A1 Mobil Unlimited+-Tarif ab 479 Euro erhältlich.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

mehr lesen Thomas Prenner

Kommentare