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Xiaomi 12 Pro im Test: Am Sprung an die Spitze

Mit dem Xiaomi 12 Pro hat der chinesische Hersteller ein absolutes Top-Gerät hingelegt, das nicht nur bei der Ausstattung an der Spitze liegt.

Xiaomi war lange für seine Spitzengeräte bekannt, die zu niedrigen Preisen angeboten wurden. Der chinesische Hersteller hat noch immer eine ganze Reihe an günstigen und preiswerten Smartphones im Programm. Doch die Preise der Xiaomi-Flaggschiffe haben mittlerweile Sphären erreicht, die an die hochpreisige Konkurrenz erinnern und diese sogar übersteigen.

Ich habe mir angesehen, was das aktuelle Spitzengerät - das Xiaomi 12 Pro - zu bieten hat und ob es seinem hohen Preis gerecht wird.

Pro & Contra

Pro

  • Besonders hohe Fotoqualität
  • Hochwertige Weitwinkelkamera
  • Hohe Videoqualität
  • Extrem hohe Ladeleistung
  • Netzteil im Lieferumfang enthalten

Contra

  • Nur 2-facher optischer Zoom
  • Keine eSIM
  • Keine IP-Wasserschutz
  • Hoher Preis

Xiaomi 12 Pro in Bildern

Matte Farben gehen immer

Gleich auf den ersten Blick hat es mir die Farbe des Xiaomi 12 Pro angetan. Andere mögen dazu eine unterschiedliche Meinung haben, aber das matte Grau, das auch das Kamera-Modul und den Aluminium-Rahmen überzieht, ist genau mein Geschmack. Außerdem ist die Rückseite durch die matte Oberfläche wenig anfällig für fettige Fingerabdrücke.

Nachdem die Vorgängergeräte von eher schillernden Farben und einem verchromt-glänzenden Rahmen geprägt waren, sind die matten und unauffälligeren Farben der diesjährigen Xiaomi-Spitzengeräte eine wohltuende Abwechslung.

Technische Spezifikationen

Xiaomi 12 Pro

  • Maße und Gewicht: 163,6 x 74,6 x 8,2 Millimeter, 204 Gramm
  • Display: 6,73 Zoll, LTPO AMOLED, 120 Hz, 1.440 x 3.200 Pixel, Dolby Vision, HDR10+, 1.000 nits (HBM), 1.500 nits (peak), Corning Gorilla Glass Victus
  • Kamera:
    • 50 MP Hauptkamera: f/1.9, 24mm, 1/1.28", 1.22µm, PDAF, OIS
    • 50 MP Teleobjektiv: f/1.9, 48mm, PDAF, 2x optischer Zoom
    • 50 MP Weitwinkel: f/2.2
  • Video: 8K mit max. 24fps, 4K mit max. 60fps, 1080p mit max. 960fps
  • Selfie-Kamera: 32 MP, f/2.5, 26mm, 0.7µm; 4K mit max. 30fps, 1080p mit max. 60fps
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1 (4 nm)
  • Speicher: 8/256 GB / UFS 3.1
  • Akku: 4.600 mAh, 120 Watt Charging, 50 Watt Wireless-Charging, 10 Watt Reverse-Charging
  • Software: Android 12, MIUI 13
  • Sonstiges: 5G, NFC, Wlan 802.11 a/b/g/n/ac/6, Bluetooth 5.2, kein microSD-Card-Slot, kein Kopfhöreranschluss, kein IP-Wasserschutz, keine eSIM
  • Preis: ab 1.149 Euro (UVP)

Xiaomi 12 Pro

Display mit hoher Qualität

Der LTPO-AMOLED-Bildschirm des Xiaomi 12 Pro hat eine Diagonale von 6,73 Zoll, eine Auflösung von 3.200 x 1.440 Pixel, eine dynamische Refresh-Rate von 120 Hz und ein längliches 20:9-Format. Die Screen-Fläche ragt leicht über den seitlichen Rahmen des Geräts hinaus, wodurch ein so genanntes Waterfall-Display zumindest angedeutet wird.

Neu ist die adaptive Refresh-Rate des Displays, die von 1 bis 120 Hz reicht. Je nach Bildschirminhalt und Use-Case entscheidet das Gerät selbst, wie viel Hertz notwendig sind. Zugute kommt das vor allem der Akkulaufzeit. Wer lieber selbst entscheidet, hat die Wahl zwischen 60, 90 und 120 Hz.

An der Qualität des Displays gibt es absolut nichts auszusetzen. Die Darstellung ist einwandfrei und lässt keine Wünsche offen. Die 120 Hz, gepaart mit hoher Auflösung und hohen Helligkeitswerten, ergeben einen Bildschirm der in der absoluten Spitzenklasse mitspielt.

Xiaomi 12 Pro

Neues bei den Kameras

Das Kamera-Setup hat Xiaomi beim 12 Pro im Vergleich zum Vorgängermodell komplett verändert - allerdings nicht nur zum Positiven. So wurde der 5-fache optische Zoom aus dem Vorjahr auf einen 2-fach optischen Zoom gestutzt. Auch das Sichtfeld der Weitwinkelkamera wurde von 123 Grad auf 115 Grad reduziert und sogar der Bildsensor ist von 1/1,12 Zoll auf 1/1,28 Zoll verkleinert worden.

Der Fotoqualität hat dies allerdings nicht geschadet: Alle 3 Kameraobjektive lösen nun mit 50 MP auf und auch die Selfie-Kamera hat mit 32 MP eine höhere Pixel-Anzahl zu bieten. Und im Vergleich mit Konkurrenzprodukten hat das Xiaomi 12 Pro immer noch einen der größten Bildsensoren.

Hohe Bildqualität bei allen Objektiven

Bei der Bildqualität weiß das Xiaomi 12 Pro zu beeindrucken: Die Fotos sind erstklassig und meist kristallklar, haben einen hohen Dynamikumfang und natürliche, satte Farben. Außerdem bleiben bei den Bildern die Details der Motive erhalten und verschwimmen nicht zu einem Brei.

Xiaomi 12 Pro - Weitwinkel, Zoom und Standardmodus

Besonders hochwertige Weitwinkelkamera

Bei den allermeisten Smartphones müssen in der Regel spürbare Abstriche beim Weitwinkel hingenommen werden. Beim Xiaomi 12 Pro ist das nicht beziehungsweise nur sehr begrenzt der Fall. Zwischen der Fotoqualität der Hauptkamera und jener der Weitwinkelkamera gibt es nämlich kaum Unterschiede.

Lediglich die Farben wirken ein klein wenig blasser als bei der Hauptkamera und die Unschärfe ist an den Bildrändern etwas stärker ausgeprägt. Ansonsten kann das Weitwinkelobjektiv mit einer richtig hohen Fotoqualität punkten. Auf einen optischen Bildstabilisator (OIS) muss man aber verzichten.

Nur 2-fach optischer Zoom

Schade ist, dass Xiaomi seinem Flaggschiff nur einen 2-fach optischen Zoom verpasst. In diesem Preisbereich ist es bei der Konkurrenz üblich, mindestens einen 3-fach, manchmal sogar 5-fach optischen Zoom anzubieten.

Dafür nimmt das Teleobjektiv des Xiaomi 12 Pro besonders hochwertige Fotos auf. Ähnlich wie bei der Weitwinkelkamera sind die Unterschiede zur Hauptkamera nur im Detail ersichtlich.

Xiaomi 12 Pro - Portät- und Night-Mode

Porträt-Modus

Beim Porträt-Modus spielt Xiaomi die Stärken seiner Kamerasoftware aus. So ist das Smartphone in der Lage den Hinter- vom Vordergrund zu erkennen und detailliert freizustellen. Die Bildqualität ist nahezu makellos, allerdings etwas niedriger als beim Standardmodus.

Selbst wenn man den Standardmodus verwendet, ergibt sich bei Porträt-Fotos ein natürlicher Bokeh-Effekt, der zum Teil besser aussieht, als die Bilder im Porträt-Modus. Vorteilhaft ist beim Porträt-Modus, dass die Stärke der Unschärfe im Nachhinein angepasst werden kann.

Night-Mode

Mit dem Night-Mode der Hauptkamera sind brillante Nachtbilder möglich. Auffallend ist, dass die Details relativ gut erhalten bleiben und beispielsweise Schriftzüge der Leuchtreklame gut lesbar erhalten bleiben. Das Fotografieren mit dem Nachtmodus des Xiaomi 12 Pro macht richtig Spaß.

Beim Night-Mode fällt der fehlende Bildstabilisator beim Weitwinkelobjektiv noch stärker ins Gewicht, als dies bei Tageslicht-Fotos der Fall ist. Aber auch ohne den OIS sind die Weitwinkelnachtbilder von hervorragender Qualität, die es in der Form bei kaum einem Konkurrenzprodukt gibt.

Wer mit dem Porträt-Modus bei Nacht erstklassige Bilder aufnehmen will, sollte die Kamera extrem ruhig halten oder sie besser irgendwo fixieren. Ansonsten werden die Fotos in der Regel leicht verwackelt, was vor allem beim Gesicht im Vordergrund negativ auffällt. Nichtsdestotrotz sind mit dem Xiaomi 12 Pro auch bei Dunkelheit noch halbwegs passable Fotos im Porträt-Modus möglich.

Xiaomi 12 Pro - Porträt-Modus bei Dunkelheit: Passabel, aber nicht besonders schön

Hohe Videoqualität

Das Xiaomi 12 Pro hat eine richtig hohe Videoqualität zu bieten - das gilt auch für die Selfie-Kamera. Im Allgemeinen hält sich das Bildrauschen weitgehend in Grenzen und die Farben werden satt und kontrastreich dargestellt.

Unter der vergleichbaren Android-Konkurrenz hat das Xiaomi-Flaggschiff eine der besten, wenn nicht die beste Videoqualität. Gegenüber den Pro-Modellen der aktuellen iPhone-Generation muss es sich allerdings geschlagen geben.

Um Video ohne Ruckeln aufnehmen zu können, bietet das Xiaomi 12 Pro den Steady-Video- und den Steady-Video-Pro-Modus an. Beide sind in der Lage das Verwackeln der Clips deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig leidet die Natürlichkeit der Videos nicht allzu sehr unter den beiden Steady-Modi.

Selfie-Kamera

Die Selfie-Kamera hat mit 32 MP eine recht hohe Auflösung. Gegenüber der Fotoqualität der Hauptkamera sind hier einige Abstriche hinzunehmen. Im Standardmodus gibt es an den Selbstporträts eigentlich nicht viel auszusetzen.

Allerdings zeigen sich im dedizierten Porträt-Modus bei der Frontkamera bei der Farbwiedergabe einige Schwächen. Die Farben wirken teils etwas ausgewaschen und einige Details sind kaum mehr erkennbar.

In der Nacht lassen sich mit der Frontkamera des Xiaomi 12 Pro halbwegs brauchbare und herzeigbare Selbstporträts aufnehmen. Jedoch sind die Fotos meist etwas verschwommen und die Details recht breiig.

Xiaomi 12 Pro - Selfies

Mickrige Sound-Qualität

Das Xiaomi 12 Pro hat zwar Lautsprecher auf denen "Sound by harman / kardon" steht, was ein Hinweis auf eine hohe Sound-Qualität sein sollte. Allerdings kann das Smartphone nur sehr begrenzt mit der Qualität seiner integrierten Lautsprecher überzeugen.

Musik klingt meist nach einem Einheitsbrei, bei dem die einzelnen Frequenzen verwaschen sind. Das kommt bei basslastiger Musik mehr zu tragen, als bei Musik mit weniger Bass. Dementsprechend eignet sich das Xiaomi 12 Pro am besten zur Wiedergabe von Singer-Songwriter, Klassik und Podcast. EDM, Hip-Hop oder ähnliches klingt nicht besonders gut.

Leistung und Speicher

Zum Einsatz kommt der aktuelle Spitzen-Chip von Qualcomm, der Snapdragon 8 Gen 1 (4 nm). Damit ist das Xiaomi 12 Pro bestens ausgestattet und man braucht sich über die Leistungsfähigkeit keine Sorgen machen. Der interne Speicher arbeitet nach dem schnellen UFS 3.1 Standard.

Immer mehr scheint sich bei Spitzengeräten die Mindestspeichergröße bei 256 GB einzupendeln - so auch beim Xiaomi 12 Pro. Die günstigere 128-GB-Version wird offiziell nicht in Österreich angeboten.

Das ist schade, weil 128 GB eigentlich (noch) ausreichend ist. 128-GB-Modelle können in der Regel wesentlich günstiger angeboten werden, als dies bei den teureren 256-GB-Modellen der Fall ist.

Das Xiaomi 12 Pro in den verschiedenen Farben 

Software und Updates

Als Software kommt Android 12 mit dem Xiaomi-User-Interface MIUI 13 zum Einsatz. MIUI ist seit jeher bekannt für seine große Zahl an vorinstallierten Apps, die sich zum Teil nicht löschen lassen. Nichtsdestotrotz basiert die Benutzeroberfläche auf einem hohen Grad der Personalisierbarkeit und einigen raffinierten Einstellungsmöglichkeiten.

In Sachen Software-Pflege hat Xiaomi gegenüber der Konkurrenz einigen Aufholbedarf: Derzeit verspricht der Hersteller 3 Android-Versionen (also in der Regel 3 Jahre) und 4 Jahre Google Security Updates. Das ist zwar nicht schlecht, da ginge aber noch mehr - vor allem angesichts des hohen Preises.

Fingerprint-Sensor

Der Fingerabdrucksensor befindet sich im Display. Er funktioniert zuverlässig und entsperrt das Gerät praktisch ohne Verzögerung. Allerdings ist es notwendig, relativ fest auf die Fläche des Sensors zu drücken. Wer nur leicht mit dem Finger auf dem Display ankommt, wird das Xiaomi 12 Pro eher nicht auf Anhieb entsperren.

Das könnte daran liegen, dass Xiaomi auf einen optischen Sensor setzt. Konkurrenzmodelle vertrauen bei den Flaggschiff-Geräten eher auf Ultraschallsensoren, die als zuverlässiger gelten.

Xiaomi 12 Pro

Akku extrem schnell geladen

Ein Dauerläufer ist das Xiaomi 12 Pro mit seinem 4.600 mAh Akku bestimmt nicht. Die Akkulaufzeit ist durchschnittlich, das Gerät hält gut einen Tag durch.

Hat man das passende Netzteil mit dabei, dürfte die kurze Akkulaufzeit kein allzu großes Problem darstellen. Denn mit einer Ladeleistung von bis zu 120 Watt ist das Xiaomi 12 Pro extrem schnell wieder aufgeladen. Das 120-Watt-Netzteil ist im Lieferumfang enthalten.

Bei 3 Prozent an die Steckdose steht der Akku bereits nach 5 Minuten bei 33 Prozent. Nach insgesamt 10 Minuten bei 47 Prozent und nach insgesamt 20 Minuten ist das Xiaomi 12 Pro zu 78 Prozent aufgeladen.

Verkehrte Preiswelt

2019 war das Xiaomi-Flaggschiff - das Mi 9 - zum Marktstart um nicht mehr als 444 Euro (64 GB) zu haben. Die damaligen Samsung-Spitzengeräte waren zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau doppelt so teuer: S10 - 899 Euro (128 GB); S10+ - 999 Euro (128 GB).

3 Jahre später sieht die Preiswelt bei Xiaomi gänzlich anders aus: Das Xiaomi Mi 12 Pro kostet in Österreich 1.149 Euro (256 GB), das etwas schwächere Standardmodell Xiaomi Mi 12 hat einen UVP von 899 Euro (256 GB). Das Samsung S22 hingegen gibt es derzeit ab 849 Euro (128 GB) und das S22+ kostet mindestens 1.040 Euro (128 GB).

Fazit

Das Xiaomi 12 Pro ist ein kompromisslos gutes Spitzengerät, das die Konkurrenz in zahlreichen Belangen in den Schatten stellt. Damit setzt Xiaomi endgültig zum Sprung an die Spitze des Smartphone-Marktes an. Und das obwohl das eigentliche Spitzenspitzengerät – das Xiaomi 12 Ultra – noch gar nicht vorgestellt wurde.

Allerdings springt Xiaomi nicht nur mit seinem hochwertigen Gerät an die Spitze. Auch beim Preis befindet sich der chinesische Hersteller an der Spitze. Die Zeiten, in denen Xiaomi günstige Flaggschiff-Geräte auf den Markt gebracht hat, sind endgültig und längst vorbei.

Es ist zwar schade, dass nun auch die Xiaomi-Spitzengeräte die 1.000-Euro-Marke durchbrochen haben, den Vergleich mit der Konkurrenz braucht der Hersteller aber trotzdem nicht scheuen.

Die Kamera ist besonders hochwertig und kann mit einer hohen Bildqualität über alle 3 Objektive hinweg überzeugen. Auch die Videos sind von vergleichsweise hoher Qualität. Der einzige Kritikpunkt an der Kamera ist, dass die Konkurrenz einen höheren Zoomfaktor anbietet - dieser Schwachpunkt ist mehr als verkraftbar.

Das Display ist erstklassig, da gibt es rein gar nichts auszusetzen. Die Akkulaufzeit ist ein klein wenig enttäuschend, dafür ist die Ladeleistung konkurrenzlos hoch. Positiv fällt noch der umfangreiche Lieferumfang auf.

Aufholbedarf hat Xiaomi bei den Software-Updates. Da hat so manch anderer Hersteller eine längere Software-Pflege zu bieten. Was man beim Xiaomi 12 Pro noch vermisst, ist eine eSIM-Schnittstelle und eine IP-Zertifizierung gegen Wassereintritt.

Es ist mehr als verständlich, wenn einem 1.149 Euro für ein Smartphone zu viel sind. Für den kleineren Geldbeutel bietet sich aus der 12er-Reihe am ehesten das Xiaomi 12X an. Die Abstriche gegenüber dem Pro-Modell halten sich in Grenzen, das Smartphone kostet 649 Euro.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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