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01/29/2020

Neil Young: "Das Macbook Pro ist ein Scheißdreck"

Deftige Worte findet die Musikerlegende über die von Apple gepriesene Audioqualität und beruft sich dabei auf Steve Jobs.

von Martin Stepanek

Um klare Worte war Neil Young nie verlegen. In einem Interview mit Vergecast holt er nun zum Rundumschlag gegen Apple und die Technologiebranche aus. Angesprochen auf die von Apple gepriesenen Audioqualitäten des neuen Macbook Pros und dass immer mehr Künstler damit ihre Musik produzieren, meint er: "Es ist ein Scheißdreck. Es ist Fisher-Price-Qualität. Aus diesem Ding kriegst du nichts heraus. Das ist auch, was Steve Jobs mir gesagt hat: 'Wir machen Produkte für Konsumenten, nicht Qualität'."

Young outet Steve Jobs als Vinyl-Fan

Jobs sei privat ein Verfechter analoger Musik gewesen. Wenn er nach einem langen Arbeitstag nach Hause ging, habe er Vinyl gehört, behauptet Young. Die neuen Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter für Künstler biete - eben mit Aufnahmen und Samples in der eigenen Garage oder vom Rücksitz eines Autos Musik zu erzeugen - seien zwar fantastisch. Die Audioqualität sei aber trotzdem totaler Mist und habe wenig damit zu tun, wie echte Musik, Instrumente oder Gesang klinge.

A man shows a vinyl record at "El Pollo Musical" (The Musical Chicken) record store in San Salvador

Dass Apple bis heute die Notwendigkeit von unkomprimierten Musikdateien nicht verstanden habe, sei unverzeihlich: "Dass diese Silicon-Valley-Köpfe glauben, dass niemand den Unterschied hören können, ist ein Schwachsinn. Diese Leute sollten ihre Büros niemals verlassen und Audio einfach nicht anrühren." Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre habe die Audioqualität zerstört, in Wahrheit sei es nicht nur keine Weiterentwicklung, sondern ein riesiger Rückschritt gewesen.

Gescheiterter Musik-Player Pono

Young nahm in dem Interview auch zu seinem eigenen Scheitern mit dem digitalen Musikplayer Pono Stellung. Dieser kam Anfang 2015 auf den Markt und hätte unkomprierter Musik zum Durchbruch verhelfen sollen. Bereits 2017 wurde das Projekt offiziell eingestampft, auch aus der damals angekündigten Plattform wurde nichts. "Wir kamen genau im falschen Moment auf den Markt. Wir waren nicht visionär genug. Wir haben uns auf Musik-Downloads konzentriert, während parallel alles in Richtung Streaming ging."

Man habe sich damals nicht vorstellen können, dass hochqualitatives Musik-Streaming überhaupt möglich sei. "Wären wir zukunftsorientierter gewesen, hätten wir uns die Leute dafür suchen müssen. In der Sache selbst war der Pono Player sicherlich zukunftsweisend. Noch heute wird er bei Tests als unerreichter Maßstab für digitale Audiowiedergabe herangezogen", sagt Young.

Die Debatte, ob analoge Musik oder etwa auch Vinyl digitaler Audiowiedergabe überlegen ist, ist so alt wie digitale Aufnahme- und Wiedergabetechnologien selbst. Als einer, der die angebliche Überlegenheit des analogen Klangs auf psychologische Effekte zurückführt, gilt Karlheinz Brandenburg, Miterfinder der MP3. Er stützt seine Argumentation unter anderem mit durchgeführten Blindtests, in denen Versuchspersonen das gleiche Audiosignal vorgespielt wurde, sie aber dachten, es stamme von unterschiedlichen Ausgabegeräten.

„Mittlerweile wissen wir, dass Menschen kein absolutes Qualitätsempfinden haben, sondern im Gehirn ständig ein Abgleich mit Erwartungen stattfindet. Wenn ich etwa als Hifi-Enthusiast für 2.000 Euro ein Kabel für meine Stereoanlage kaufe und erwarte, dass es besser klingt, dann wird es für mich auch besser klingen. Das ist psychologisch erklärbar“, sagte Brandenburg in einem Interview mit der futurezone im Jahr 2018.

"Ganzes Leben Spotify"

Aber auch diese Argumentation lässt Neil Young nicht gelten bzw. hat auch eine Erklärung dafür, warum Menschen heutzutage den Unterschied zwischen digital komprimierter und analoger oder auch unkomprimierter Musik nicht hören würden. "Es ist natürlich völlig unrealistisch das jemandem zu erklären, der sein ganzes Leben lang nur Spotify oder Apple gehört hat. Sie werden den Unterschied nicht hören. Sie werden ihn aber auch nicht hören, weil heutzutage ja auch niemand mehr Musik so wie früher aufnimmt."