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OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro im Test: Welches soll man kaufen?

Oben das OnePlus 9 in Winter Mist, unten das OnePlus 9 Pro in Morning Mist

OnePlus hat seine 9er-Serie mit 2 Geräten gestartet: dem OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro. Auf dem Datenblatt wirken beide nahezu ident. Auch optischen sehen sie fast gleich aus.

Dennoch gibt es 200 Euro Unterschied beim Preis. Ist das OnePlus 9 also tatsächlich ein Schnäppchen? Oder hat das 9 Pro mehr zu bieten, als der erste Blick vermuten lässt?

Aussehen

Beide Geräte sind in 3 Farben verfügbar. Für den Test wurde das OnePlus 9 in Winter Mist zugeschickt, das OnePlus 9 Pro in Morning Mist. Je nach Lichteinfall und Farbe schimmern die Glasrückseiten unterschiedlich. Beim OnePlus 9 ist es Rosa/Flieder/Lila, beim 9 Pro geht das Spektrum von Silbergrau über Türkis bis zu Blautönen.

Nachteil der Glasrückseiten: Glatt, rutschig und Fingerabdrücke sind deutlich sichtbar. Wer Angst hat, dass das neue Smartphone aus der Hand flutschen könnte, kann die mitgelieferten, aber wenig schicken Gummihüllen nutzen.

Der schwarze Rahmen rund um das Display wirkt bei den 2 Smartphones etwas dicker als etwa bei Samsungs S21. Das fällt aber nur im direkten Vergleich auf und stört nicht. Das 9 Pro hat hier einen Vorteil: Wie bei vielen anderen Spitzenmodellen auch, sind der linke und rechte Rand nach unten gebogen. Das sieht gut aus und lässt den schwarzen Rahmen an den Seiten dünner wirken als er tatsächlich ist.

Verarbeitung

Optisch ist das 9 Pro damit ansprechender als das 9er. Bei der Verarbeitung gibt es keine Unterschiede. Beide Geräte wirken sehr hochwertig. Der Übergang zwischen Glas und Aluminiumrahmen ist nahezu perfekt. Hier ist OnePlus mittlerweile auf dem sehr hohen Niveau, das man bei Android-Handys lange Zeit nur bei Samsungs Spitzenmodellen gesehen hat.

Auch die Tasten haben nur soviel Spiel wie nötig und sitzen optisch ansprechend im Aluminiumrahmen. Wie für OnePlus-Smartphones üblich, gibt es wieder den „Alert Slider“ auf der rechten Seite. Mit dem 3-Positionen-Schalter wird zwischen "Normal", "Vibrieren" und "Lautlos" umgeschaltet. Es ist nach wie vor ein Hardware-Schalter für eine Software-Funktion und polarisiert dadurch: Für manche ist er unnötig, andere schwören auf ihn.

Schön wäre noch, wenn das Vibrieren stärker wäre. Bei beiden Smartphones ist etwas zu schwach. In der Hosentasche habe ich das Vibrieren beim Erhalten von neuen Nachrichten oft nicht gespürt.

Bildschirm

Hier gehen das 9 und 9 Pro auseinander. Das OnePlus 9 hat ein 6,55-Zoll-Display mit der Auflösung 2.400 x 1.080 Pixel und 120 Hz. Das 9 Pro hat 6,7 Zoll, 3.216 x 1.440 Pixel und 120 Hz. Selbst im direkten Vergleich ist es nur sehr schwer möglich, einen Unterschied bei der Auflösung zu erkennen. Am ehesten gelingt das, wenn man bei kleinen Schriften mit dem Auge ganz nahe ans Display rangeht. Im Alltagsgebrauch macht sich die höhere Auflösung aber nicht bemerkbar.

Das hat sich vermutlich auch OnePlus gedacht. Wer will kann beim 9 Pro deshalb „Automatisch Stromsparen“ aktivieren. Dabei wird automatisch zur niedrigeren Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixel gewechselt, wenn die Anwendung ohnehin keine höhere Auflösung unterstützt.

Bei der Farbdarstellung sind die beiden Displays fast ident. Weiß wird beim 9 Pro mit einem ganz leichten Gelbstich gezeigt, während es beim OnePlus 9 leicht gräulich ist. Aber auch das fällt erst im direkten Vergleich auf. Allgemein ist das Farbprofil beider Smartphones realistisch kräftig. Wenn man es strahlender mag, wie man es von Samsung kennt, kann in den Einstellung bei „Bildschirmkalibrierung“ auf „Erweitert“ gehen und dort „Breites AMOLED-Farbspektrum“ auswählen.

Dynamische Bildrate

Bei der Bildwiederholrate agieren beide Smartphones akkuschonend – egal ob man es will, oder nicht. Wählt man beim 9 Pro 120 Hz aus, wird immer automatisch zwischen 1 und 120 Hz gewechselt. Beim 9 wird ebenfalls dynamisch gewechselt, aber zwischen 60 und 120 Hz.

Im Test fiel auf, dass das 9 Pro aggressiver spart als das OnePlus 9. Es schaltet nur auf 120 Hz, wenn viel Bewegung am Display erkannt wird. Ein Beispiel: das FPS UFO in Chrome wird nur mit 60 Hz dargestellt. Das OnePlus 9 zeigt es korrekt mit 120 Hz an. Erst wenn man am 9 Pro auf der Website schnell nach oben und unten scrollt, wird kurz auf 120 Hz hochgeschaltet und dann wieder hinunter. Das ist lästig, weil so etwa auch Games, die mit 120 Hz deutlich flüssiger aussehen würden, vom 9 Pro nur mit 60 Hz angezeigt werden, wenn sich z.B. nur ein Teil des Bilds schnell bewegt. Hier wird OnePlus hoffentlich mit einem Software-Update nachbessern.

Leistung und Akku

Beide Modelle haben einen Snapdragon 888 Prozessor und unterstützen 5G. Der RAM ist 8 oder 12 GB groß, der interne Speicher 128 oder 256 GB. Einen MicroSD-Slot gibt es nicht. Der Prozessor gepaart mit der RAM-Größe und der eleganten und schlanken Android-Oberfläche sorgt für ein durchgängig flüssiges Erlebnis. Beide Smartphones laden Apps sehr schnell und lassen sich durch nichts ins Stottern bringen. Das ist echtes Spitzenmodell-Feeling.

Die 2 Smartphones haben mit 4.500 mAh dieselbe Akkugröße. Beide laden mit maximal 65 Watt. Das passende Ladegerät dazu ist zwar sehr groß, aber immerhin inkludiert. Andere Hersteller liefern ihre Spitzenmodelle nicht mit den schnellstmöglichen Ladegeräten aus. Das Ladegerät schafft die 0 auf 100 Prozent in knapp 30 Minuten.

Der OnePlus Wireless Charger

Kabelloses Laden beherrscht das OnePlus 9 mit 15 Watt, beim Pro sind bis zu 50 Watt möglich. Das passende Ladegerät dazu kostet 70 Euro bei Amazon und kommt ohne Netzteil. Zum Laden wird das Smartphone einfach draufgestellt. Die Handys können auch mit den Gummihüllen geladen werden, allerdings stehen sie dann nicht mehr so stabil auf dem Drahtlos-Ladegerät. Das Drahtlos-Ladegerät hat zudem einen aktiven Lüfter, der hörbar surrt. Am Nachtkasten könnte das für manche störend sein.

Die Akkulaufzeit schwankt deutlich, je nach Nutzung. Beim 9 Pro (ohne Energiespar-Einstellungen) ging sich bei moderater Nutzung meistens ein Tag aus. Macht man aber auf dem Weg von der Arbeit nachhause einen Abstecher zum Fotografieren, muss das 9 Pro schon vor dem Schlafengehen einen Zwischenstopp beim Ladegerät einlegen. Beim OnePlus 9 ist es genauso. Wer zwischendurch filmt oder Netflix schaut, wird ziemlich sicher schon vor der Bettruhe das Smartphone ans Ladegerät anschließen müssen.

Hauptkamera

OnePlus hat bisher keinen allzu guten Ruf, was die Kamera angeht. Mit der 9er-Serie soll das anders werden. Laut OnePlus hat man mit Hasselblad zusammengearbeitet, um die Kamera zu entwickeln. Was Hasselblad tatsächlich alles dazu beigetragen hat, außer dem Logo an der Rückseite der Smartphones, ist nicht bekannt.

Beide Smartphones nutzen jedenfalls einen 48-Megapixel-Sensor. Der vom 9 Pro ist allerdings neuer und optisch stabilisiert. Das OnePlus 9 nutzt denselben, älteren Sensor wie das 8 Pro und hat nur einen softwareseitigen Verwacklungsschutz.

links: © Gregor Gruber

rechts: © Gregor Gruber

Slider nach links schieben für das Foto des OnePlus 9, nach rechts für das OnePlus 9 Pro Foto

Bei ausreichend Licht wirkt sich das nur wenig aus: Die Fotos des OnePlus 9 und 9 Pro sind sehr ähnlich. Im direkten Vergleich hat das OnePlus 9 einen leichten Grauschleier und die Fotos sind weniger scharf. Alles in allem bekommt man gute Bilder, aber vergleicht man sie mit denen des iPhone 12 Pro Max oder Samsung Galaxy S21 Ultra, sehen sie nicht ganz so beeindruckend aus.

Die Fotos beim 9 Pro wirken klarer als beim OnePlus 9. Dafür tendieren sie zu einem leichten Blaustich und sind zu stark geschärft. Bei Mischlicht oder starken Schatten wird manchmal zu aggressiv aufgehellt, wodurch ein unnötiges Bildrauschen hinzukommt.

Pro-Modus

Dies kann man vermeiden, indem man in der Kamera-App den Pro-Modus aktiviert, der (angeblich) zusammen mit Hasselblad entwickelt wurde. Dieser ist schön übersichtlich und hat Fokus Peaking: Beim manuellen Fokussieren wird orange umrandet, auf was man gerade scharfgestellt hat.

Schön wäre noch, wenn es mehr Auswahl bei den Bildformaten gäbe. Videos kann man z.B. nicht in 1:1 aufnehmen. Bei Fotos gibt es zwar die Option für Vollbild, aber nicht für 16:9.

Von der Option Fotos in den vollen 48 Megapixeln zu machen, sollte man Abstand nehmen. Selbst bei Tageslicht und Optimalbedingungen hat man damit keinen Mehrwert, weil Motive in der Ferne keine guten Details haben und oft unscharf wirken.

Weitwinkelkamera

Beide Modelle haben dieselbe, neue 50-Megapixel-Weitwinkelkamera. Die ist das Highlight der 9er-Serie. Sie wurde speziell entwickelt, um weniger Verzerrungen an den Rändern zu haben. Das liefert beeindruckende Resultate und erlaubt neue kreative Möglichkeiten.

Interessanterweise hat die Weitwinkelkamera auch nicht den Blaustich der Hauptkamera. Auch die Überschärfung ist geringer. Die Bilder mit der Weitwinkelkamera haben allgemein etwas mehr Wärme, was bei Landschaftsbildern durchaus positiv ist. An dieser Weitwinkelkamera können sich die anderen Hersteller jedenfalls ein Beispiel nehmen.

Ein netter Trick ist der Makromodus. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen Crop der Weitwinkelkamera. Weil bei der Weitwinkelkamera der Nahfokusbereich geringer ist, wird so ein Makroobjektiv simuliert. So gelingen ansprechende Fotos. Allerdings fehlt es den Fotos am letzten bisschen Schärfe.

Zoom und Videos

Das 9 Pro hat noch eine 8-Megapixel-Kamera mit 3,3-fach Zoom. Beeindruckend ist das nicht und auch bei Tageslicht sehen Fotos damit eher mittelmäßig aus. Das machen andere Hersteller weit besser. Beim OnePlus 9 gibt es keine eigene Zoom-Kamera. Der Digitalzoom ist bei beiden Handys wenig beeindruckend bis abschreckend.

Videos können mit FullHD, in 4K und 8K (maximal 5 Minuten pro Clip) aufgenommen werden. Auch hier bekommt man bestenfalls durchschnittliche Ergebnisse, egal in welcher Auflösung man aufnimmt. Zur Verteidigung der 9er-Serie: Auch bei Spitzenmodellen anderer Hersteller schauen die 4K- und 8K-Videos oft nicht besonders toll aus.

Nachtmodus

Bei wenig Licht und Nachtaufnahmen merkt man einen Unterschied zwischen dem 9 Pro und OnePlus 9. Das 9 Pro holt hier etwas mehr Details mit der Hauptkamera heraus und die Fotos sind etwas heller. Auch, weil wegen der optischen Bildstabilisierung länger belichtet werden kann. Je weniger Licht, desto größer wird der Unterschied.

links: © Gregor Gruber

rechts: © Gregor Gruber

Nachtmodus: Slider nach links schieben für das Foto des OnePlus 9, nach rechts für das OnePlus 9 Pro Foto

Bei Bedarf kann zusätzlich der Nachtmodus aktiviert werden. Der funktioniert in manchen Situationen fast schon zu gut. Dunkle Fotos werden brutal aufgehellt. In vielen Fällen sieht das Resultat wie ein übersteuertes HDR-Bild aus. Das kann beeindruckend sein, die Farben sind dann aber verfälscht. Für mich sahen die Fotos stimmiger aus, wenn im normalen Modus fotografiert wurde, anstatt im Nachtmodus, da hier die Smartphones ohnehin auch aufhellen.

Der Nachtmodus kann auch mit der Weitwinkelkamera genutzt werden. Die Bilder sind weniger hell und meistens unscharf. Bei ganz wenig Licht sollte also primär mit der Hauptkamera fotografiert werden.

Fazit

Warum wird überhaupt die Frage gestellt: „Welches OnePlus soll ich nehmen?“ Anstatt: „Soll ich ein OnePlus nehmen?“ Weil der Preis der OnePlus-Smartphones zwar immer noch günstiger ist als bei den meisten Spitzenmodellen der Konkurrenz, aber er ist mittlerweile so hoch, dass sie nicht mehr als „günstige“ Alternative empfohlen werden können. Wer jetzt mit dem Gedanken spielt ein OnePlus-Smartphone zu kaufen, hat entweder schon eins, oder ist so angepisst auf Samsung und Huawei, dass er oder sie unbedingt woanders hin wechseln wollen.

Bei der Frage 9 Pro oder 9 läuft fast alles auf die Kamera hinaus und ein bisschen was auf das Aussehen. Das nach links und rechts abgerundete Glas lässt das 9 Pro besser aussehen als das OnePlus 9, wenn auch nur ein wenig. Bei der Kamera macht die Hauptkamera den Unterschied – die Zoom-Kamera des 9 Pro ist aufgrund der mäßigen Qualität nämlich kein Verkaufsargument.

Um es runterzubrechen: 200 Euro mehr für eine bessere Hauptkamera, die aber nach wie vor nicht mit den Kameras der noch teureren Konkurrenten mithalten kann. Wer vor hat viel zu fotografieren, sollte dennoch zum 9 Pro (899 Euro bei Amazon) greifen. Wer sich für das OnePlus 9 (699 Euro bei Amazon) entscheidet, bekommt vielleicht nicht die beste Hauptkamera, aber immer noch ein extrem schnelles Smartphone mit sehr guter Verarbeitung und einer spannenden Weitwinkelkamera.

 

Disclaimer: Die Testgeräte wurden für einen begrenzten Zeitraum von A1 zur Verfügung gestellt. Das OnePlus 9 Pro ist bei A1 ab 0 Euro verfügbar. Das OnePlus 9 wird zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls verfügbar sein.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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