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Tesvor S6 im Test: Saugstark mit Lidar, redet in der Nacht

Der Höcker für das Lidar ragt beim Tesvor S6 aus der klassischen Scheibenform heraus. Deshalb kommt er möglicherweise nicht unter jedes Bett oder Sofa

Mit dem S6 hat die chinesische Marke Tesvor einen Staubsaugerroboter im Programm, der vor allem durch eine starke Saugleistung, Lidar-Navigation sowie Saug- und Wischfunktion punkten soll. Wir haben das Gerät getestet.

Technik und Lieferumfang

Der Tesvor S6 ist ein klassischer runder Roboter mit 34 Zentimeter Durchmesser. Durch einen kleinen Höcker, in dem sich das Lidar befindet, ist er 9,8 Zentimeter hoch. Der Motor erzeugt einen maximalen Unterdruck von 2700 Pascal, was für Staubsaugerroboter respektabel, im Vergleich zu manuell bedienbaren Staubsaugern aber immer noch wenig ist. Der Staub wird in einem 0,6 Liter großen Behälter gesammelt. Der integrierte Akku hat 2.500 mAh Kapazität und ist damit vergleichweise klein dimensioniert. Im normalen Modus wird die Laufzeit mit 120 Minuten angegeben, 60 Minuten sind es mit maximaler Saugleistung.

Der Roboter selbst kommt mit Ein/Aus-Schalter sowie 2 Knöpfen an der Oberseite aus. Dazu gibt es eine Fernbedienung und eine App namens WeBack. Mit dem Roboter mitgeliefert werden ein Paar zusätzlicher Seitenbürsten, 2 Extra-Filter, ein Bürstenreinigungswerkzeug, ein Wassertank für die Wischfunktion, 2 Wischtücher, Ladekabel und Ladestation.

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Die Oberfläche des Tesvor S6 spiegelt ziemlich, die Fernbedienung hat kein ein äußerst schlichtes Design

Quatschtante

Wer den Roboter aktiviert, wird von einer freundlichen deutschen Stimme begrüßt. Sie meint: "Smart Living. Lass uns damit anfangen." Den Spruch hört man im Verlauf des Einsatzes immer wieder, teilweise auch mitten in der Nacht. Man möchte dem Roboter höflich entgegnen: "Lass uns bitte nicht um 2 Uhr mit Smart Living anfangen", aber er würde einen nicht verstehen. Sprachsteuerung beherrscht er nicht.

Auch sonst ist der Tesvor S6 eine richtige Quatschtante und kommentiert Befehle und Ladevorgänge. Während des Saugens versteht man ihn aber kaum und die Sprachausgabe geht im Motorheulen unter. Mit der App kann man die Sprachausgabe abschalten, am Roboter oder auf der Fernbedienung findet man diese Möglichkeit nicht vor.

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Einen mehrtägigen Testbetrieb sieht man dem Tesvor S6 bereits an, durch kleine Kratzer und Staub in Einbuchtungen

Wohnungsplan

Wenn der Tesvor S6 mit dem Saugen einmal loslegt, erstellt er mit seinem Lidar einen Plan der zugänglichen Oberflächen in der Wohnung. Durch diesen Überblick sollte er die Gesamtfläche wesentlich rascher saugen als Staubsaugerroboter, die nach dem Zufallsprinzip vorgehen. Wie es der Zufall will, trat der Tesvor im Testhaushalt gegen ein solches Gerät an.

Am Ende hatte der ältere, chaotisch vorgehende Roboter in den meisten Fällen mehr Staub im Behälter. Ob er zufällig an Stellen gelangt ist, an denen mehr davon vorhanden war, ist unklar. Von der nominellen Saugleistung her sollte der Tesvor S6 ja eigentlich überlegen sein. Bei alleinigen Reinigungsvorgängen blieb der Boden jedenfalls stets gut gereinigt zurück.

Rempeln trotz Lidar

Auffällig ist, dass der Tesvor S6 trotz seines Lidars kein sanft umherschleichendes und Gegenständen ausweichendes Objekt ist, sondern recht rustikal zu Werke geht und sich auch sehr auf seinen Stoßsensor verlässt. Seine Mingvasen, Fabergé-Eier und Swarovski-Kristallskulpturen lässt man also lieber nicht am Boden herumstehen, wenn der Tesvor daherkommt.

Mit der WeBack-App kann man dem Staubsaugerroboter Tesvor S6 weitere Fähigkeiten verleihen.

App-Verbindung problematisch

Durch die App hat man theoretisch die Möglichkeit, Feineinstellungen bei den Saugaufträgen zu definieren. Per Hand lassen sich etwa Verbotszonen errichten, in die der Roboter nicht hineinfahren darf. So schützt man etwa Wasserschüsseln für Haustiere. Auch einen wöchentlichen Saugplan kann man in der App erstellen. Auf dem sichtbaren Wohnungsplan kann man auch Stellen spezifizieren, zu denen sich der Roboter zwecks Spotreinigung begeben soll.

Im Test hat die Herstellung der Verbindung zwischen App und Roboter nicht funktioniert. Als wahrscheinlichste Ursache sah ich eine fehlende Unterstützung für die WLAN-Frequenz 2,4 GHz. Wie Tesvor versichert, sollte das WLAN-Modul des Roboters diese Frequenz aber sehr wohl unterstützen. Woran die Verbindungsherstellung scheiterte (in zwei WLAN-Netzen erfolglos probiert), bleibt unklar.

Der Tesvor S6 ist mit Google Home und Amazon Alexa kompatibel. Mangels entsprechendem Gerät im Testhaushalt konnte diese Funktion aber nicht ausprobiert werden.

Fazit und Preis

Der Tesvor S6 reinigt Böden gut. Die Navigation mittels Lidar klappt, allerdings bewahrt sie Gegenstände am Boden nicht davor, angerempelt zu werden. Die Sprachausgabe ist ein wenig nervig und bringt wenig, vor allem wenn sie vom Saugmotor übertönt wird. Die Abdeckung der Saugfläche erfolgt systematisch und effizient, allerdings hat der Bordakku keine besonders lange Ausdauer. Das ist aber im Endeffekt egal, weil der Roboter sich zur Ladestation begeben und anschließend Saugvorgänge fortsetzen kann.

Mit seiner starken Saugleistung sollte der Tesvor S6 gut mit Tierhaaren zurechtkommen. Die Bedienung des Roboters ist einfach. Neben einer Fernbedienung kann auch eine App verwendet werden - wenn die Verbindungsherstellung gelingt.

Alles in allem ist der Tesvor S6 okay, sein Preis ebenso. Mit einem UVP von 349 Euro zählt er zur Mittelklasse bei Staubsaugerrobotern.

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David Kotrba

Ich beschäftige mit großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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