Eine Corona-Infektion kann zum kurzzeitigen Verlust des Geruchssinns führen

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Science
05/13/2020

Das sind die wenig bekannten Corona-Symptome

Patienten können unter schmerzhaftem Ausschlag, Verlust des Geruchssinns oder Bindehautentzündung leiden.

von Franziska Bechtold

Husten, Kurzatmigkeit und Fieber sind die breit bekannten Symptome einer Coronavirus-Erkrankung. Sie geben den ersten Hinweis darauf, dass man sich infiziert haben könnte. Auch der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns zählt zu den häufiger genannten Anzeichen, dass eine Corona-Erkrankung vorliegen kann. 

Allerdings äußert sich die Krankheit noch durch viele, weitaus unbekanntere Symptome. So kann sich eine Infektion auch durch Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall äußern, erklärt Heinz Burgmann, Professor für Innere Medizin mit Schwerpunkt Infektionskrankheiten an der MedUni Wien, im Gespräch mit der futurezone.

Gehirnentzündung und Anfälle

Treten die Viren über die Nase ein, könnten sie an die Geruchsnerven andocken und darüber hinauf ins Gehirn gelangen. Dort kann eine neurologische Reaktion ausgelöst werden. „In den meisten Fällen leiden Erkrankte unter Kopfschmerzen. Aber COVID-19 kann, wie andere Virusinfekte, auch zu einer Gehirnentzündung führen. Dabei können auch epileptische Anfälle auftreten, weiters wird auch von einem gehäuften Auftreten von Schlaganfällen berichtet. Vor allem bei älteren Menschen können auch Verwirrtheitszustände als Folge der systemischen Infektionsreaktion auftreten. Ihr Immunsystem entwickelt nicht immer Fieber, sondern zeigt solche neurologischen Symptome“, erklärt Burgmann.

„Das Virus will sich vermehren und dafür muss es an Zellen andocken. Wir vermuten, dass es häufig zuerst die Atemwege und die Lunge befällt, da die Viren über Tröpfchen in den Körper gelangen. Atmet man sie ein, sind die Rezeptoren dort die Eintrittspforte für das Virus“, so Burgmann. Tritt das Virus nicht durch die Atemwege, sondern über die Augen ein, kann auch eine Bindehautentzündung entstehen. So konnte das Virus in Tränenflüssigkeit und Hornhautzellen nachgewiesen werden. 

COVID-Zehe und absterbendes Gewebe

Allerdings entstehen Symptome nicht immer durch das Virus selbst, sondern werden von der Reaktion des Immunsystems auf die Erkrankung hervorgerufen. Sobald das Virus an eine Körperzelle andockt, wird das Immunsystem aktiv. Es beginnt, den Fremdkörper zu bekämpfen. Damit wird eine Kettenreaktion im Körper ausgelöst, die immer neue Beschwerden hervorrufen können.

So kann es laut Burgmann vermehrt zu Hauterscheinungen wie Ausschlägen, Pusteln und Blasen kommen. Ein Beispiel dafür ist die von Dermatologen „COVID-Zehe“ getaufte, schmerzhafte Hautveränderung. Anders als der Name vermuten lässt, kann sie auch an den Händen auftreten. Die Auffälligkeiten können sich durch kleine blaue Flecken oder Frostbeulen äußern. In einem Paper vermuten Wissenschaftler, dass die Symptome im späten Verlauf der Erkrankung auftauchen können, auch wenn dieser bisher mild oder asymptomatisch war. Somit könne die Hautveränderung als Indiz für eine Erkrankung gewertet werden. Eine weitere Studie aus Großbritannien beschreibt zudem, dass in seltenen Fällen Nekrose, also das Absterben von Gewebe, auftreten kann.

„Ein Virusinfekt kann eine systemische Reaktion auslösen, die den gesamten Körper betrifft. Wenn die Krankheit weiter fortschreitet, können viele Organe betroffen sein, wie die Niere, das Herz und die Augen“, erklärt Burgmann. Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf das Virus. Bleiben die Botenstoffe, die vom Immunsystem zur Bekämpfung des Virus entwickelt werden, nicht bei der befallenen Zelle, sondern treten in den Blutkreislauf ein, verteilen sie sich im gesamten Körper. Das ruft neben den allgemein bekannten Symptomen eben viele weitere Schmerzen, beispielsweise in den Gelenken, hervor.

Schädigung des Herzens

Ein weiteres Symptom, das oftmals durch den Befall der Zellen hervorgerufen wird, sind Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Da die Rezeptoren, an die das Virus andockt, in den Gefäßen zu finden sind, können diese durch das Virus befallen und beschädigt werden. Diese Vaskulitis kann sich dann weiter ausbreiten: „Es kann es zu einer Entzündung und Schädigung des Herzens kommen. Das trägt dann dazu bei, dass der Krankheitsverlauf schwerer ist“, sagt Burgmann. So könne es beispielsweise zu einer verstärkten Blutgerinnung kommen, die einerseits zu Thrombose aber auch zu erhöhter Blutungsbereitschaft führen kann.

Die Forschung zu COVID-19 läuft derzeit weltweit und neue oder bisher unentdeckte Symptome können laufend von der WHO und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in ihre Auflistungen aufgenommen werden. Stellt man solche Symptome fest, empfiehlt die AGES zu Hause zu bleiben und die Gesundheitsnummer 1450 anzurufen.

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