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Start-ups

Studie sieht großes Potenzial bei österreichischen Start-ups

Die österreichische Start-up-Branche ist auf dem Vormarsch, hinkt aber hinter vielen westeuropäischen Ländern hinterher. Das geht aus einer vor Kurzem veröffentlichten Studie des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria und der Austrian Angels Investor Association (aaia) hervor.

Demnach kämen in Österreich auf eine Million Einwohner*innen rund 700 Start-ups. „Österreich ist, gemessen an der Größe des Landes, im Mittelfeld“, erklärt Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria im Zuge einer Pressekonferenz. „Das ist aber nicht zufriedenstellend, denn viele westeuropäische Länder sind vor uns.“ So zum Beispiel der europäische Spitzenreiter Niederlande. Hier gäbe es rund 2.400 Start-ups pro Millionen Einwohner*innen, in Großbritannien 1.811, gefolgt von den nordischen und baltischen Staaten.

Bei der Verfügbarkeit des Risikokapitals – also jene finanziellen Mittel, die an riskante Unternehmungen ausgeschüttet werden – schneidet Österreich besonders schlecht gegenüber anderen westlichen Staaten ab. Hierzulande seien nur 0,3 Prozent des BIP Risikokapital, in anderen Ländern komme man auf 4 Prozent.

Modellrechnung zeigt drastische Auswirkungen

Neben dem Status quo in Österreich sei es auch wichtig, die wirtschaftlichen Auswirkungen einer höheren Gründungsrate zu analysieren. Köppl-Turyna: „Wir wollten konkret wissen: Was würde denn passieren, wenn Österreich die Start-up-Aktivität anhebt?"

Gäbe es hierzulande proportional zur Bevölkerung so viele Start-ups wie im Vereinigten Königreich, so würde dies die Anzahl an Start-ups in Österreich verzehnfachen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde nach 20 Jahren um 7,8 Milliarden Euro höher sein und es gäbe 17.300 mehr Beschäftigte. Der Effekt ist noch drastischer, wenn die Niederlande als Maßstab herangezogen werden. In diesem Szenario würde die Anzahl der Start-ups in Österreich von 6.200 auf 21.400 anwachsen. Das BIP würde nach 2 Jahrzehnten um rund 10 Milliarden Euro gestiegen sein und Arbeitsplätze für rund 26.000 Personen schaffen.

Monika Köppl-Turyna (EcoAustria), Lisa-Marie Fassl (aaia), Amelie Groß (WKÖ) und Laura Egg (aaia) wollen die Start-up-Szene in Österreich vorantreiben.

Rahmenbedingungen verbessern

Die Logik der Studie ist also: Mehr Start-ups, mehr Beschäftigte und eine höhere Wirtschaftsleistung. Grund dafür sei laut Köppl-Turyna der Anstieg der Produktivität innerhalb der österreichischen Volkswirtschaft. Sie erhöhe die Nachfrage nach Arbeitskräften, was wiederum die Nettolöhne sowie den Konsum steigen ließe. „Startups tragen durch ihre Innovationskraft aktiv zu einem nachhaltigen Wachstum auf der Angebotsseite bei“, so die Ökonomin. „Dadurch verbessern sie die Grundstruktur der Gesamtwirtschaft.“

Die positiven Auswirkungen der Start-ups könnten laut Amelie Groß, Wirtschaftsdirektorin der österreichischen Wirtschaftskammer (WKÖ), nur dann realisiert werden, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen in Österreich vorhanden sind. Man müsse vor allem bürokratische Hürden abbauen. Außerdem hätten die Jungunternehmen mit restriktiven Regelungen bei Neugründungen zu kämpfen und auch bei dem zur Verfügung gestellten Risikokapital hinke Österreich im Ländervergleich hinterher. „Wir sind von den Rahmenbedingungen noch nicht da, wo wir sein wollen", so Groß.

Appell an die Politik

„Die Studie gießt das erste Mal in Zahlen, warum wir so dringend Start-ups in Österreich brauchen“, sagt Lisa-Marie Fassl, Vorstandsmitglied der aaia. Hätte die Regierung vor 10 Jahren Start-ups mehr unterstützt, so wären die hypothetischen Wachstumsszenarien, die die Erhebung aufzeigt, heute womöglich Realität. „Es gibt einfach keine Ausrede mehr, es steht schwarz auf weiß."

Viele Politiker*innen hätten das Potenzial junger Unternehmen zwar erkannt, es fehle allerdings an Umsetzungswillen. „Mit dem neuen Super-Ministerium soll hoffentlich eine Umsetzung kommen“, zeigt sich Fassl zuversichtlich. Laut Fassl führe man bereits Gespräche mit dem Wirtschaftsminister. „Mein Eindruck ist, dass das Thema Start-up Priorität hat. Minister Kocher ist einer, der offen ist, der die Studie versteht und ihr sehr viel abgewinnen kann“, so die Unternehmerin.

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Lisa Pinggera

LPinggera

Seit 2021 bei futurezone. Erzählt am liebsten Geschichten über Kryptowährungen, FinTechs und die Klimakrise. Schreibt aber über alles, was erzählenswert ist.

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