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Start-ups

Wie ein burgenländisches Start-up den Olivenanbau nach Österreich bringen will

Der Klimawandel werde auch für österreichische Bäuer*innen zunehmend zum Problem, sagt Daniel Rössler. Steigende Temperaturen führen zu zunehmender Trockenheit, besonders im Osten Österreich habe dies Ertragseinbußen zur Folge. Die von ihm gemeinsam mit 3 Mitstreitern gegründete Initiative Agro Rebels hat beschlossen, den Herausforderungen durch den Temperaturanstieg produktiv zu begegnen.

"Mit der Verschiebung der Klimazonen, verschieben sich auch die Anbaumöglichkeiten", sagt Rössler: "Wir haben uns gefragt, welche Obst- und Gemüsesorten durch den Temperaturanstieg hierzulande in Frage kommen und sind auf die Olive gestoßen."

Vor 2 Jahren begannen die Agro Rebels, die im vergangenen Jahr auch das Accelerator-Programm des burgenländischen Start-up- und Beratungszentrums Südhub absolviert haben, im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Anbau der ersten Olivenbäume im burgenländischen Mörbisch. Auch mit Bäuer*innen in Kärnten, Niederösterreich und Wien fanden sich bald Partnerschaften.

Mittlerweile stehen bereits 400 Olivenbäume. Angebaut wurden 25 Sorten aus 5 Ländern. Man habe geschaut, welche Sorten am besten funktionieren und könne jetzt Partnerbäuer*innen die stärksten Bäume anbieten.

1.000 Olivenbäume werden im Frühjahr gepflanzt

Im März und April sollen gemeinsam mit Partnerbetrieben im Burgenland und im steirischen Vulkanland 10 weitere Olivenhaine mit insgesamt 1.000 Bäumen entstehen. "Wir sind die erste Olivenproduktionsgemeinschaft in Österreich", sagt der Gründer. Jedes Jahr sollen nun 10 weitere Partnerbetriebe dazukommen. Am Olivenanbau interessierte landwirtschaftliche Betriebe werden von den dem Start-up mit Machbarkeitsstudien und Hilfestellungen beim Anbau unterstützt.

"Wir wissen, dass der Olivenanbau in Österreich möglich ist", sagt Rössler. Olivenbäume würden auch dort wachsen, wo sonst nichts mehr wächst. Auch brachliegende Flächen, wo der Boden nicht mehr so nährstoffreich sei, würden sich gut eignen und könnten Bäuer*innen zu einer zusätzliche Einkommensquelle verhelfen. Kalte Winter seien zwar noch immer ein Damoklesschwert, man arbeite aber daran die besten Lagen und das beste Mikroklima ausfindig zu machen.

Wo ist Olivenanbau in Österreich möglich?

Sehr gut geeignet sei etwa das pannonische Klima. Dort hat die Initiative auch die meisten Partnerbäuer*innen. Aber auch die illyrische Klimaprovinz im Südosten Österreichs sei vielversprechend. Weiter westlich, im Kärntner Glantal, habe man hingegen keine guten Erfahrungen gemacht: "Dort musste der Anbau abgebrochen werden. Der Winter war zu hart", erzählt Rössler. Olivenbäume würden zwar bis zu einem gewissen Grad Minustemperaturen aushalten, wenn es aber ein paar Tage lang Minus 14 Grad und mehr habe, werde es allerdings problematisch.

Das erste pure österreichische Olivenöl aus der Anbauinitiative wird voraussichtlich 2024 erhältlich sein. Öl sei eine langfristige Angelegenheit, erläutert Rössler. Bis Olivenbäume genug Ertrag abwerfen, dauere es in der Regel 7 Jahre. "Dafür sind die Bäume dann Hunderte von Jahren produktiv."

Accelerator-Programm in Güssing

Im burgenländischen Start-up-Zentrum Südhub in Güssing absolvierte das AgroRebels-Team im vergangenen Jahr ein Accelerator-Programm. Dabei wurde auch an den  Geschäftsmodellen gefeilt und Kooperationen angebahnt.

Etwa mit dem burgenländischem Lagerhaus, wo die AgroRebels bereits Mini-Olivenhaine für Hobbygärtner verkaufen. Neben 10 bis 20 Bäumen enthalten die Sets Befestigungen und eine deutschsprachige Anbauanleitung.

Schon bald will man auch erste Ess-Oliven anbieten. Die Zeit bis genügend Oliven für die großflächige Produktion von purem Olivenöl aus heimischen Anbau zur Verfügung stehen, will man auch mit Zumischungen von heimischem Olivenöl zu Öl aus Spanien überbrücken. Man sei laufend auf der Suche nach Geschäftsideen, sagt Rössler. AgroRebels verstehe sich aber in erster Linie als Sozialunternehmen, das Bäuer*innen helfen wolle, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.

Großes Marktpotenzial

Olivenöl sei vom Marktpotenzial sehr interessant, meint Rössler. Es sei ein Produkt, dass es seit Jahrhunderten gebe, aber in Österreich bisher nicht produziert worden sei. Mit österreichischem Olivenöl könne man etwa den Trend zur Regionalität nutzen. Hierzulande bedürfe es allerdings noch viel Aufbauarbeit. Anders als in Italien oder Spanien gebe es noch keine Industrie: "Wir müssen an jeder Schraube drehen."

Angekurbelt werden müsste auch der Konsum. Denn im Vergleich zum Verbrauch in Ländern wie Griechenland, wo pro Person jährlich knapp 15 Liter verbraucht werden, seien es in Österreich gerade einmal 1,2 Liter.

Wie schmecken Oliven aus Österreich?

Und wie schmecken Oliven aus Österreich? "Kräftiger und schärfer." Wegen der geringeren Anzahl an Sonnenstunden seien sie ein bisschen kleiner als Oliven aus dem Mittelmeerraum, der Geschmack sei aber intensiver, schwärmt Rössler: "Man schmeckt den Wind und die Kälte raus."

Das burgenländische Start-up-Zentrum Südhub sucht gemeinsam mit der futurezone auch heuer wieder Start-ups für sein Accelerator-Programm. Innovative Unternehmen können sich noch bis  11. März bewerben.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Südhub entstanden.

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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