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B2B
04/24/2019

Bezahldienst Bluecode warnt Banken vor Apple Pay

Der Bluecode-Chef warnt, dass man mit der Nutzung von Apple Pay und Google Pay wertvolle Daten verschenken würde.

Christian Pirkner, Chef des österreichischen Bezahldienstes Bluecode, warnt die Bankenwelt vor den langfristigen Folgen von Apple Pay. "Wenn die Customer Journey einmal an die Anbieter aus den USA verloren ist, ist die gesamte Wertschöpfungskette europäischer Firmen in Gefahr", sagte Pirkner gegenüber der APA.

Das Start-up mit Sitz in Wien und der Schweizer Gemeinde Lachen arbeitet an einer europäischen Alternative zur US-Konkurrenz und baut ein eigenes "Payment Scheme" auf. Bluecode sei derzeit in Österreich und Deutschland verfügbar, werde heuer aber noch in mehreren Ländern - wahrscheinlich Spanien, Irland, Ungarn und Italien - starten, kündigte Pirkner an.

Europäische Alternative

Den Vorteil gegenüber Kreditkartenzahlungen und Apple Pay sowie Google Pay (das derzeit nicht für Österreich geplant sei) sieht Bluecode-Chef Pirkner im Datenschutz. Bluecode sammelt nach eigenen Angaben keine Kundendaten und bietet Anonymität im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO). Es gebe keinen Kreditkartenanbieter aus Europa und auch die mobilen Zahlungslösungen würden aus den USA oder Asien stammen, so Pirkner. Bluecode will, dass Banken den Dienst in ihre Apps integrieren. Bluecode hat nach eigenen Angaben über 100 Partnerbanken und eine sechsstellige Anzahl von Kunden. Die Integration in die Banking-App der deutschen Sparkassengruppe soll im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen und Bluecode ein starkes Kundenwachstum bringen.

Für eine Zahlung mit Bluecode wird an der Kassa ein einmal gültiger Strichcode in einer App am Handydisplay gescannt. Der bezahlte Betrag wird dann vom verknüpften Girokonto abgebucht. Für den Benutzer ist die App gratis, das Unternehmen finanziert sich über Transaktionsgebühren. Die Bluecode-Gebühren sind laut Firmenangaben derzeit mit Bankomatgebühren vergleichbar, sollen später aber noch sinken. Einen weiteren Vorteil des eigenen Bezahldienstes sieht der Bluecode-Chef darin Mehrwertservices wie Stempelkarten anbieten zu können.

Fokus auf Einzelhandel

In Österreich kann Bluecode unter anderem bei Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg, Bipa) und Spar sowie Hartlauer und Hervis verwendet werden. Nach eigenen Angaben ist Bluecode in 85 Prozent aller heimischen Lebensmittelfilialen verfügbar. Seit September 2018 kooperiert Bluecode mit einem Tochterunternehmen des E-Commerce-Riesens Alibaba. Chinesische Touristen können damit in österreichischen Supermärkten ab sofort vermehrt mit dem Handy bezahlen - und zwar über den in China populären Zahlungsdienst Alipay, der mit über 800 Mio. Kunden zu den größten Bezahldiensten der Welt zählt. Die Kooperation mit Alipay entwickle sich sehr gut, es wachse "sehr schnell", so Bluecode-Chef Pirkner.

Im Herbst 2018 investierten drei nicht nähere genannte "Family Offices" rund 11,2 Mio. Euro in Bluecode. Derzeit steht laut Pirkner kein Investment an. Mittelfristig werde man sicher wieder eine Finanzierungsrunde machen.