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Digital Life

Kaufhaus Österreich: So viel haben mitwirkende Firmen verdient

Erst hieß es, die Shopping-Plattform "Kaufhaus Österreich" (KHÖ) stünde vor dem Aus, dann teilte das Bundesministerium für Digitales und Wirtschaftsstandort (BMDW) mit, dass sie umgebaut werde. Die Kosten in Höhe von fast 1,3 Millionen Euro stoßen der Opposition sauer auf. Die Plattform sei eine Steuergeldverschwendung.

„1,26 Millionen Euro Steuergeld für Nichts aus dem Fenster zu werfen, reicht Ministerin Schramböck offenbar nicht. Jetzt versucht sie auch noch, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen, indem sie das Desaster so darstellt, als hätten wir alle einfach den Sinn und Zweck der Plattform nicht verstanden. Die bittere Wahrheit lässt sich aber nicht schönreden: Das Projekt war schlichtweg schlecht, undurchdacht und von Anfang an zum Scheitern verurteilt - wie so ziemlich alle Digitalisierungsprojekte dieser Regierung", sagt der NEOS-Digitalisierungssprecher Douglas Hoyos.

Kostenaufstellung

Hintergrund ist die Beantwortung einer weiteren parlamentarischen Anfrage, die die NEOS am 16. Februar gestellt hatten. Erfragt wurden unter anderem die Teilaufgaben und Kosten jener externen Dienstleister, die an der Plattform mitgewirkt haben: Das sind LFRZ GmbH, die Accenture GmbH, die Digitalberatung GmbH. Auch wolle man Transparenz bezüglich der Firma hpc DUAL Österreich GmbH, die gegenüber der futurezone mitgeteilt hatte, weder bei der Umsetzung noch konzeptionell an KHÖ beteiligt gewesen zu sein.

Die Antwort der Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck liegt nun der futurezone vor. Dem Schreiben zufolge habe LFRZ GmbH 18.001,92 Euro für die Konzeption erhalten, für die Umsetzung und Implementierung (Phase 1) 109.310,09 Euro, für den Aufbau der Schnittstellen (Phase 2) 202.197,06 Euro und für die Implementierung und Inbetriebnahme des Portals (Phase 3) 192.286,44 Euro. In Summe sind das 521.795,51 Euro. 

Accenture hingegen sei für das Screen Design und Projektmanagement Office (PMO) verantwortlich gewesen. Die Kosten hierfür belaufen sich Schramböck zufolge auf 178.169,40 Euro. „Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine abschließende Rechnung der Accenture GmbH eingelangt ist, wird der Angebotsbetrag ausgewiesen“, heißt es weiter.

Die Digitalberatung GmbH habe unter anderem für Design, Schnittstellenfunktion zu Content und Kommunikation und für die Content-Bereitstellung in Summe 267.750,74 Euro erhalten. Auch in diesem Fall gebe es für Phase 3 noch keine Rechnung. 

hpc DUAL mitgewirkt

Laut dem Ministerium habe hpc DUAL Österreich GmbH sehr wohl am Projekt mitgewirkt und für Erstellung und Upload der "Erfolgsgeschichten" 31.300 Euro erhalten. „hpc DUAL hat ein Angebot für eine ,Befragung von Österreichs KMU mittels Video- und Fotoaufnahmen' zum Zweck der Erstellung einer E-Commerce Plattform übermittelt. Entsprechend dem Angebot erfolgte ein Auftrag, der letztlich von einem weiteren Subauftragnehmer ausgeführt wurde. Das Ergebnis floss entsprechend in die Arbeiten zum KHÖ ein“, heißt es. 

Im Quelltext der Webseite finde sich laut den NEOS zudem die Agentur „moodley“. Die wurde in der Anfragebeantwortung 4442/AB allerdings von der Wirtschaftsministerin nicht genannt. In ihrer aktuellen Beantwortung erklärt sie, dass die Agentur mit der Entwicklung des KHÖ-Logos und der Erstellung von Präsentationsunterlagen beauftragt wurde. Dafür erhielt die moodley group gmbh ein Honorar in Höhe 24.290 Euro. 

Es wird darauf verwiesen, dass diese Leistungen in der Beantwortung der parlamentarischen Anfrage Nr. 4429/J mit anderen Leistungen zur Kategorie "Aufwendungen für KMU-Umfragen, Webinare und die inhaltliche Gestaltung des Händler-Portals" zusammengefasst wurden.

Anpassung statt Umbau

Auch zum von Ministerin Schramböck angekündigten "Umbau" wollten die NEOS Details. In der Stellungnahme spricht man nun jedoch von Anpassungen. "Im Zuge der Übergabe des Betriebs an die aws wurde kein Umbau der Plattform, sondern wurden lediglich Anpassungen der Applikation vorgenommen", heißt es. Diese seien von der LFRZ GmbH im Rahmen des bereits bestehenden Beauftragungsverhältnisses bereits umgesetzt worden. Eine Ausschreibung sei aus diesem Grund nicht notwendig gewesen. Weitere potenzielle Anpassungen zu einer inhaltlichen Neuausrichtung würden gemeinsam mit der aws noch diskutiert.

Zuletzt heißt es in der Anfragebeantwortung dann auch, dass das "Kaufhaus Österreich" nicht als "Suchplattform" angedacht gewesen sei, obwohl dort Onlineshops gelistet waren. Die Suchfunktion sei so gestaltet worden, dass Nutzern, die den Standort freigegeben hatten, Suchergebnisse nach der Distanz zwischen Shop und persönlichem Standort aufsteigend angezeigt wurden. War die Standortfreigabe nicht aktiviert, seien die Suchergebnisse alphabetisch aufsteigend gereiht worden. 

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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