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Die besten Schach-Apps für iOS und Android

Der im Raum stehende Schummel-Skandal in der Schachwelt ist momentan in aller Munde. Die Anschuldigung in Richtung Hans Niemann bewegen sich mittlerweile auf einer Ebene, die für viele nur noch surreal klingt. Unabhängig von der heißen Diskussion rund um angebliche Anal-Schummler ist Schachspielen aber im Trend.

Etwa auf Twitch und YouTube hat sich in den vergangenen Jahren wieder ein regelrechter Hype entwickelt, der Spieler*innen wie Zuschauer*innen gleichermaßen zu fesseln scheint. Während das Schachbrett für die Hosentasche etwas zu groß ist, gibt es eine Vielzahl an Apps, die spannende Partien auf dem Smartphone jederzeit und überall ermöglichen.

Ich stelle euch diese Schach-Games vor:

  • chess.com: iOS und Android
  • Lichess: iOS und Android
  • Really Bad Chess: iOS und Android
  • Learn Chess with Dr. Wolf: iOS und Android
  • Royal Chess: iOS und Android

chess.com

Der wohl größte und beliebteste Anbieter im Bereich Online-Schach ist chess.com. 1995 gegründet, haben sich die Webseite und ihre dazugehörigen Apps zu einer Anlaufstelle für Neulinge sowie Grandmasters entwickelt. Während wir selbstverständlich einfach „nur“ Schachspielen können, ist es das umfangreiche Angebot der App, das sie zu etwas Besonderem macht. Starten wir die App zum ersten Mal, können wir uns direkt in eine Partie werfen.

Weder muss ein Zwangsaccount erstellt werden, noch gibt es dutzende Berechtigungen, die erst freigegeben werden müssen. Stattdessen landen wir sofort im Dashboard der App, welches uns alle vorhanden Komponenten der App präsentiert. Möchten wir direkt loslegen, reicht ein Tippen auf „Neue Partie“. Für jede Partie können wir eine Vielzahl an Einstellungen vornehmen, um eine Partie nach unserem Geschmack spielen zu können. Wir können auswählen, ob wir schnelles Schach spielen wollen oder eine Partie sich in die Länge ziehen darf.

Können wir uns mit langsamen Partien abfinden, lassen sich bis zu 14 Tage pro Zug einstellen. Gespielt werden können einfache Partien im Einzel oder in Turnieren sowie gegen den Computer oder gegen reale Gegenspieler*innen. Haben wir keine Ahnung vom Schach, hält chess.com jede Menge Lernmaterial für uns bereit. In über 1.500 Lektionen lernen wir Grundlagen und taktische Feinheiten, die uns im Duell helfen sollen.

Abseits der normalen Schachpartien gefielen mir aber die Rätsel und Taktikaufgaben am besten. In Szenarien gilt es hier Situationen zu analysieren und zu lösen. Vor allem die Rätselaufgaben verschaffen einem Gelegenheitsspieler wie mir einen neuen Blick auf Schach-Szenarien. Möchten wir mal nicht spielen, sondern einfach nur zuschauen, können wir uns über den Reiter „Anschauen“ zu tausenden Schach-Streams weiterleiten lassen. Mehr als eine billige Umleitung zu Twitch und Konsorten gibt es aber nicht. Eine Direktintegration wäre interessanter gewesen.

Während einfache Partien immer kostenlos sind, braucht es etwa für Lektionen oder Spielrückblicke ein Abonnement. Für Gelegenheitsspieler*innen wird der Gold-Plan um knapp 4 Euro ausreichen. Für Profis und Liebhaber*innen gibt es eine Platinum- und Diamantmitgliedschaft, die mit 7 bzw. 10 Euro zu Buche schlagen und Features wie unlimitierte Spielrückblicke und Coachings beinhalten.

chess.com ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Lichess

Wer auf das hochpolierte Design von chess.com verzichten kann, wird sich bei lichess heimisch fühlen. Lichess gilt als die Alternative zu chess.com, bietet die Plattform doch einen sehr ähnlichen Funktionsumfang, ohne dafür Geld zu verlangen. Auch hier gilt: Ein Account ist ein Kann, aber keineswegs ein Muss. Können wir auf das Tracking der eigenen Partien verzichten, lässt es sich meist auch ohne lichess-Account auskommen. Möchten wir den eigenen Fortschritt im Blick behalten, ist der Account aber schnell und kostenlos erstellt.

Beim ersten Start der App fällt sofort das simplere Design auf. Die App ist eintöniger als der Marktführer chess.com, dem eigentlichen Schachspielen tut dies aber keinen Abbruch. Das Initiieren einer neuen Partie steht auch hier im Fokus. Direkt im Dashboard können wir ein schnelles Spiel mit Voreinstellungen gegen echte Menschen oder eine KI starten.

Auch lichess beschränkt sich nicht nur auf Profis, auch für Neulinge hält die App einiges bereit. Unter anderem gibt es die Kategorien „Taktikaufgaben“, „Studien“ und „Koordinaten“, die uns das Lösen von Rätseln und das Analysieren von verschiedenen Situationen aus echten Partien ermöglicht. Besonders die Studien überzeugten im Test mit ihren detaillierten Beschreibungen. Zug für Zug können wir uns hier Spielanalysen durchlesen und aus Erfolg und Misserfolg von anderen Spieler*innen lernen.

Möchten wir einfach nur zuschauen, können wir im Reiter „Zuschauen“ in Echtzeit andere Partien direkt in der App verfolgen. Ein Umweg über Streamingdienste wird hier nicht gewählt. Auch lichess hat die quelloffene Engine Stockfish mit an Bord, mit der wir unsere Partien direkt und in der nachträglichen Analyse durchleuchten können.

Eine Besonderheit ist das komplett kostenfreie Angebot. Während chess.com etwa für die Analyse ein Abonnement verlangt, ist lichess durchwegs kostenlos. Dank fehlender Abonnements gehört lichess zu meinen absoluten Top-Favoriten. Es gibt innerhalb der App keinerlei In-App-Käufe oder kostenpflichtige Features. Stattdessen finanziert sich die Plattform ausschließlich über Spenden. Heutzutage eine Seltenheit.

Lichess ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Really Bad Chess

Jene Schach-Liebhaber*innen, die einfaches Schachspielen nicht mehr als Herausforderung ansehen, sind bei Really Bad Chess an der richtigen Adresse. Die App bietet uns alles, außer konventionelles Schach. Stattdessen serviert uns Really Bad Chess einzigartige Spielszenarien, die wir auf keinem ernstzunehmenden Turnier dieser Welt so vorfinden würden.

Starten wir die App zum ersten Mal, gilt es eine einzige Frage zu beantworten: Wie gut bis du in Schach? Zur Auswahl stehen die Antwortmöglichkeiten „Gut“, „Nicht so gut“ oder „Keine Ahnung, wie man Schach spielt“.

Ist letzteres der Fall, verweist uns Really Bad Chess Richtung Webseite von chess.com, um erst einmal die Grundlagen kennenzulernen. Blutige Anfänger*innen sollte also nicht direkt bei Really Bad Chess einsteigen. Sind wir „nicht so gut“ in Schach, sind wir laut App bestens geeignet für den Schach-Wahnsinn. Bevor wir richtig loslegen können, wirft uns die App in eine erste Partie und fordert uns gleichzeitig auf, alles zu vergessen, was wir je über Eröffnungen, Eleganz und Fairness gelernt haben.

Erscheint das Schachbrett auf dem Bildschirm, wird mir klar, was diese App so besonders macht. Auf meiner Seite finden sich neben 8 Bauern gleich 4 Königinnen und 3 Springer. Anhand dieses besonderen Szenarios sollen wir nun unsere erste erfolgreiche Partie spielen. Die App fordert uns dabei sogar explizit auf, den Undo-Knopf zu nutzen, um fehlerhafte Züge rückgängig zu machen und die Partie doch noch siegreich zu gestalten. Das verrückte Szenario zum Start der App macht sofort Lust auf mehr.

Im Dashboard der App haben wir mehrere Modi zur Auswahl. Wir können eine tägliche und wöchentliche Challenge absolvieren oder im „Freeplay“ einfach nur unendlich spielen. Selbstverständlich gibt es auch ein geranktes System, in dem wir gegen den Computer in komplett verrückten Partien antreten können. Ein großes Manko ist der fehlende Online-Modus, der heutzutage eigentlich nicht mehr fehlen darf.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die besonderen Szenarien in Really Bad Chess das taktische Verhalten in normalen Schach-Partien auf jeden Fall verbessern kann. Really Bad Chess ist an sich kostenlos, verlangt aber unter anderem für „Undo“, also das Zurücksetzen eines Zuges, Geld. Diese können im Hunderterpack um 1,19 Euro gekauft werden. Darüber hinaus gibt es eine Vollversion per In-App-Kauf, die uns unter anderem den lokalen Multiplayer freischaltet und Werbeeinblendungen entfernt. Dafür werden 4,99 Euro fällig.

Really Bad Chess ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Learn Chess with Dr. Wolf

Bei Namen der App sollte es wohl wenig überraschen, dass Learn Chess with Dr. Wolf vor allem für Anfänger*innen gedacht ist. Die App hat sich auf das Training von Neulingen und Spieler*innen spezialisiert, die kaum Spielerfahrung haben oder noch nie in ihrem Leben ein Schachbrett gesehen haben. Vom ersten Start der App weg nimmt uns die App an die Hand. Gleich die allererste Frage bestimmt, was wir von der App präsentiert bekommen. Wissen wir, wie Schach funktioniert, kann es direkt ins Training gehen.

Haben wir keine Ahnung von den unterschiedlichen Spielfiguren, gibt es erst einmal einen Crashkurs zu den Basics. Gehen wir die Route eines kompletten Neulings, lehrt uns die App Schritt für Schritt alles wichtigen Komponenten des Spieles. Zuerst bekommen wir die einzelnen Spielfiguren präsentiert, die wir per Learning-by-Doing auf dem Spielfeld ausprobieren können. Die App zeigt uns dabei jederzeit interaktiv, wie welche Figur bewegt werden kann und was ihre Bedeutung ist. Haben wir die Schach-Basics verinnerlicht, können wir uns in die erste Partie stürzen.

Dr. Wolf macht hier erfreulicherweise keine komplizierten Vorgaben. Stattdessen sollen wir einfach losspielen und uns fortlaufend Tipps und Korrekturen anhören. Die App geht dabei zu jeder Zeit äußerst anfängerfreundlich vor. Züge, die keinen Sinn ergeben oder schwere Fehler darstellen, werden erklärt. Haben wir einmal einen Vorteil verschwitzt, weist uns die App jederzeit darauf hin.

Als besonders hilfreich empfinde ich die Trainingskategorie. Sämtliche unserer Fehler werden von der App vermerkt, um sie im zusätzlichen Trainingsmodus erneut nachspielen zu können. Hier soll nicht nur aus groben Fehlern gelernt werden, auch für zukünftige Strategien soll ein gewisser Automatismus angelernt werden.

Das Training von Dr. Wolf ist nicht kostenlos. Zwar bekommen wir 3 Runden zum Reinschnuppern geschenkt, danach wird aber für das Coaching ein Abonnement fällig. Ab 3,75 Euro pro Monat kostet das Training dann.

Learn Chess with Dr. Wolf ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Chess Royale

Schnell, simpel und gutaussehend ist die Devise bei Chess Royale. Liebhaber*innen der modernen Optik werden mit Chess Royale Freude haben. Die App ist für Anfänger*innen wie Fortgeschrittene geeignet und bietet uns 5 verschiedene Modi an. Chess Royale geht dabei direkt zum App-Start in die Vollen und schmeißt uns ohne Umschweif in eine erste Partie. Statt einer KI spielen wir aber gegen zufällige Spieler*innen aus der Welt. Ein Abbruch der Partie ist nicht vorgesehen.

Statt die App erkunden zu können gilt es also erst einmal unsere Gegner*in zu besiegen. Haben wir das Einstiegs-Match hinter uns gebracht, begegnet uns die erste Werbung, von der es bei Chess Royale leider zu viel und zu langwierige gibt. Haben wir es dann ins Hauptmenü der App geschafft, bekommen wir die Optionen optisch ansprechend präsentiert.

Neben Pass&Play und dem Trainingsmodus, stehen vor allem die rangbasierten Begegnungen im Fokus. Benannt nach Hauptstädten der Welt, können wir diese durch Siege freischalten. Gespielt werden können verschiedene Arten von Blitzschach sowie der klassische Modus, in dem jede Spieler*in 24 Stunden Zeit pro Zug hat.

Um auf verschiedene Situationen besser reagieren zu können, eignet sich der Rätsel-Modus gut. Chess Royale präsentiert tausende von Szenarien, die wir mit bestimmten Vorgaben, beispielsweise Schachmatt in 3 Zügen, zu lösen haben.

Während die moderne Optik und die Online-Partien ordentlich Spaß machen, hat mir die Werbung während des Spielens mehrmals den Nerv gezogen. Obwohl die Werbebanner während einer Partie keine Besonderheit sind, jubelt uns Chess Royale auch vor und nach jeder Partie mindestens eine Vollbild-Werbung unter, die mindestens 30 Sekunden oder sogar länger laufen.

Gerade deshalb kommt man um ein Abonnement kaum umher. 7,99 Euro pro Woche ist die teuerste, 39,99 Euro pro Jahr die billigste verfügbare Variante bei Chess Royale. Neben Werbefreiheit bekommen wir dann auch unbegrenzte Schnellspiele, vollständige Spielanalysen und alle Trainingslektionen bereitgestellt.

Chess Royale ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

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Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

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