© Gregor Gruber

Produkte
01/29/2019

Der Notch ist tot: Das kommt als nächstes

Die Hersteller wollen mit Displays die Vorderseite des gesamten Handys ausfüllen und versuchen sich dabei an kreativen Lösungen.

von Florian Christof

Vor nicht allzu langer Zeit war der Bildschirm auf Smartphones von einem breiten Rahmen eingefasst. Der optischen Schönheit wegen wurde dieser Rahmen nach und nach schmäler und die Displays größer. Das Ziel, das die Handy-Hersteller verfolgen: Die Vorderseite der Smartphones soll möglichst rahmenlos und vollständig von einem Bildschirm überzogen sein.

Doch wenn das Display die gesamte Front ausfüllt, stellt sich die Frage, wo die Selfie-Kamera und die Lautsprecher zum Telefonieren untergebracht werden können.

Der Notch

Ein pragmatischer Ansatz kommt dabei von Apple: Seit 2017 ziert eine Einkerbung die iPhone-Bildschirme und bietet Platz für Frontkamera, diverse Sensoren und Lautsprecher. Apple hat es geschafft, aus der Einkerbung – auch Notch genannt – ein Stilelement zu machen. Nahezu alle anderen Hersteller folgten und schickten Smartphones mit dem markanten Notch ins Rennen. Bei den Nutzern kam der schwarze Balken aber nicht allzu gut an und wurde vielfach scharf kritisiert. Also mussten andere Lösungen gefunden werden.

Der chinesische Elektronikkonzern Xiaomi setzt beim Mi Mix 3 etwa auf eine ausfahrbare Frontkamera. Will man ein Selfie aufnehmen, verschiebt man die Rückseite und die Kamera kommt zum Vorschein. Der ebenso aus China stammende Hersteller Vivo verfolgt ein ähnliches Konzept. Beim Vivo Nex (hier im futurezone-Test) fährt die Selfie-Kamera aus dem Gehäuse heraus und wird dabei von einem kleinen Motor angetrieben.

Im Test hat sich gezeigt, dass beide Hersteller die mechanischen Komponenten sauber und robust verarbeitet haben. Wie bei allen beweglichen Teilen lässt sich allerdings schwer sagen, wie es mit den ausfahrbaren Kameras nach einigen Monaten oder gar Jahren täglicher Verwendung aussieht. Falls etwa beim Vivo der Kamera-Motor eingeht, kann man keine Selfies mehr machen.

Loch im Display

Der neueste Trend geht nun in Richtung so genannter Selfie-Löcher. Ohne bewegliche Teile wird der schwarze Balken durch ein kleines Loch im Bildschirm ersetzt, hinter dem sich die Frontkamera versteckt. Glaubt man Analysten, wird sich das Kameraloch als neues Stilmittel beim Smartphone-Design etablieren. Von Samsung, Huawei, Nokia und weiteren Herstellern wird erwartet, dass sie bei kommenden Smartphones auf die kreisrunde Aussparung setzen.

Als erstes Handy dieser Art ist ab Februar das Honor View 20 in Österreich erhältlich. Im futurezone-Test konnte es mit dem kleinen Selfie-Loch durchwegs überzeugen. Zwar ist immer noch ein schwarzer Fleck im Blickfeld, die Aussparung nimmt aber weniger Platz in Anspruch und ist dadurch weniger störend als die markante Einkerbung. Außerdem bleibt noch Raum für Benachrichtigungssymbole.

Auf der Suche nach dem makellosen, rahmenlosen Bildschirm scheint mit dem Loch im Display eine neue Evolutionsstufe bei Smartphones erreicht. Einige Hersteller arbeiten bereits daran, auch noch dies verschwinden zu lassen, indem etwa ein lichtdurchlässiges Display über die Frontkamera gelegt wird.