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Huawei P50 Pocket im Test: Faltbares Handy mit alten Problemen

Das faltbare Huawei-Smartphone wirkt luxuriös und edel und erinnert an klassische Klapp-Handys.

Neben dem P50 Pro hat Huawei vor wenigen Wochen auch sein faltbares P50 Pocket nach Österreich gebracht. Es ist Huaweis Antwort auf das Samsung Galaxy Z Flip und das Motorola Razr. Insofern lässt sich auch das P50 Pocket genauso falten wie die klassischen Klapp-Handys aus der Pre-Smartphone-Ära.

Aber welche Ansprüche werden an ein faltbares Smartphone im Jahr 2022 gestellt? Dass flexible Displays funktionieren und Potenzial haben, haben vor einigen Jahren bereits die ersten faltbaren Smartphones unter Beweis gestellt.

Um nicht in der experimentierfreudigen Nische dahinzufristen, müssen die Geräte nun zeigen, dass sie auch alltagstauglich sind. Ob das Huawei P50 Pocket das Zeug dazu hat, habe ich mir angesehen.

Pro & Contra

Pro

  • Luxuriöses Design
  • Innovativer Formfaktor
  • Klappmechanismus wirkt robust
  • Hohe Foto- und Videoqualität

Contra

  • Außen-Display könnte mehr Funktionalität bieten
  • Keine Google-Apps
  • Kein 5G
  • Prozessor aus dem Vorjahr
  • Hoher Preis

Das Klappen klappt

Der Klappmechanismus wirkt robust und solide. Bemerkenswert ist, dass im zugeklappten Zustand kein Spalt bleibt und das Handy praktisch komplett geschlossen ist.

Doch vor allem an den Rändern wirkt das Scharnier noch nicht vollständig ausgereift: Im Bereich des Rahmens bleibt ein kleiner Spalt, wo sich schon nach kurzer Zeit einiges an Staub und Schmutz sammelt.

Wer das P50 Pocket im halb aufgeklappten Zustand etwa für Selfies nutzen möchte, muss Fingerspitzengefühl beweisen. Im rechten Winkel rastet der Klappmechanismus nämlich nicht ein und neigt dazu, das Gerät entweder vollständig auf- oder zuzuklappen.

Edler Formfaktor

Aufgeklappt bietet das P50 Pocket eine Bildschirmdiagonale von 6,9 Zoll. Zugeklappt ist es natürlich ziemlich dick, passt dafür aber gut in kleinere Taschen und erinnert im Format an eine kompakte Geldtasche voller Münzen.

Das Gerät selbst wirkt luxuriös und edel. Packt man in der U-Bahn das P50 Pocket aus, zieht man einige Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem in den Farben Weiß und Gold ist das faltbare Huawei-Handy ein nobles Accessoire.

Technische Spezifikationen

Huawei P50 Pocket

  • Maße aufgeklappt: 170 x 75,5 x 7,2 Millimeter
  • Maße zusammengeklappt: 87,3 x 75,5 x 15,2 Millimeter
  • Gewicht: 190 Gramm
  • Display: 6,9 Zoll, OLED, 120 Hz, 1.188 x 2.790 Pixel
  • Außen-Display: 1,04 OLED, 60 Hz, 340 x 340 Pixel
  • Kamera:
    • 40 MP Hauptkamera, f/1,8, PDAF, Laser AF
    • 13 MP Weitwinkelkamera, f/2,2
    • 40 MP, f/1,8
  • Video: 4K mit maximal 30 fps, 1080p mit maximal 240 fps
  • Selfie-Kamera: 10,7 MP, f/2,2, 4K mit maximal 30 fps, 1080p mit maximal 30 fps
  • Prozessor: Snapdragon 888 4G (5 nm)
  • Speicher: 8/256 GB
  • Akku: 4.000 mAh, 40 Watt Charging, Reverse-Charging, kein kabelloses Laden,
  • Software: Android 11, EMUI 12, keine Google-Dienste
  • Sonstiges: kein 5G, NFC, Wlan 802.11 a/b/g/n/ac/6, Bluetooth 5.2, NM-Card-Slot bis 256 GB, kein Kopfhöreranschluss
  • Farben: Weiß
  • Preis: gesehen ab 1.269 Euro

Huawei P50 Pocket: Zwischen Rand und Display ist ein kleiner Höhenunterschied

Display mit hoher Qualität

Der große OLED-Screen auf der Innenseite hat eine Refresh-Rate von 120 Hz. Auch wenn es nicht von klassischem Glas geschützt wird, kann das Display mit seiner Qualität im Großen und Ganzen überzeugen.

Die weiche Kunststoffbeschichtung des Screens wirkt naturgemäß weniger robust als Gorilla Glass. Außerdem spürt man in der Mitte des Screens, dort wo sich der Klappmechanismus befindet, eine kleine Welle. Einer benutzerfreundlichen Bedienung steht dies aber nicht im Weg. 

Android-Gestensteuerung nicht optimal

Abstriche bei der Usability muss man bei der Gestensteuerung hinnehmen, weil das Display etwas tiefer liegt als der Rahmen. Dadurch entsteht eine Erhebung rund um den Screen.

Daher holpert man beim Wischen über den Geräterand jedes Mal ein wenig herum. Ich habe jedenfalls relativ bald auf die Bedienung mit den klassischen 3-Android-Tasten am unteren Ende des Displays gewechselt.

Huawei P50 Pocket: Im ausgeschalteten Zustand ist die Welle des Klappmechanismus gut sichtbar

Außen-Display mit ungenutztem Potenzial

Auf der Außenseite des P50 Pocket befindet sich ein kleines, kreisrundes, touchfähiges OLED-Display mit einer Diagonale von 1,04 Zoll. Dort kann die Kamera gestartet und gleich verwendet werden. Außerdem werden Kalender, Notifications und Wetterinformationen angezeigt.

Der kleine Screen erinnert zwar an eine Smartwatch, ist im Funktionsumfang aber deutlich eingeschränkter. Beispielsweise zeigt die Wetter-App nur die aktuellen, standortbasierten Informationen.

Eine Wettervorschau für die kommenden Tage oder Wetterinfos für einen anderen Ort können dort nicht angezeigt werden. Es wirkt jedenfalls so, als würde das Potenzial des Außen-Displays nicht gänzlich ausgeschöpft werden.

Foto- und Videoqualität

Bei der Kameraqualität braucht man sich bei Huawei keine Sorgen machen. Das P50 Pocket liefert eine hervorragende Fotoqualität in allen Situationen. Auch wenn die Kamera nicht ganz an die Qualität des P50 Pro – hier im futurezone-Test – herankommt, kann das faltbare Handy mit erstklassigen Bildern überzeugen.

Bei der Videoqualität zeigt sich, dass hier in erster Linie ein optischer Bildstabilisator fehlt, wodurch die Clips meist leicht verwackelt sind. Ein geschmeidiger Kameraschwenk wird beim P50 Pocket zur Herausforderung.

Wer bei Huawei bleiben möchte, eine hohe Foto- und Videoqualität schätzt und auf den faltbaren Formfaktor verzichten kann, sollte unbedingt zum P50 Pro greifen. Dieses liefert unterm Strich deutlich bessere Ergebnisse bei Videos und Fotos.

Leistung, Anschlüsse und Fingerprint

Angetrieben wird das P50 Pocket von einem Snapdragon 888. Allerdings ist bei dem SoC das 5G-Modul deaktiviert - das US-Handelsembargo macht dies notwendig. Abgesehen davon leistet der Qualcomm-Chip solide Arbeit. Für ein Flaggschiffgerät in dieser Preisklasse wäre allerdings der neueste Snapdragon-Prozessor sowie 5G-Fähigkeiten wünschenswert.

Einen klassischen Kopfhöreranschluss gibt es keinen. Dafür kann ein SIM-Kartenslot für eine NM-Speicherkarte genutzt werden. Abgesehen davon stehen WiFi 6 sowie Bluetooth 5.2 zur Verfügung. Eine IP-Zertifizierung für den Wasserschutz gibt es nicht.

Der Fingerabdrucksensor befindet sich nicht im Display, sondern seitlich im Rahmen beziehungsweise direkt im Power-Button. Der Sensor selbst funktioniert schnell und zuverlässig.

Akku mit hoher Ladeleistung

Der Akku des P50 Pocket hat eine Kapazität von 4.000 mAh. Über den Tag kommt man damit allemal. 2 Tage am Stück werden sich nur bei deutlich reduzierter Nutzung ausgehen.

Dafür ist das faltbare Huawei-Handy recht schnell wieder geladen. Die maximale Ladeleistung beträgt nämlich 40 Watt. Kabellos kann das P50 Pocket nicht geladen werden.

Huawei P50 Pro: Der Fingerprintsensor ist seitlich im Power-Button verbaut

Software mit Schwierigkeiten

Die Software ist das alte Problem, mit dem Huawei nun schon seit fast 3 Jahren zu kämpfen hat. Wie alle anderen Huawei-Handys kommt das P50 Pocket nämlich ohne Google-Services und ohne Google-Apps.

Als Software dient nicht das hauseigene HarmonyOS, sondern eine adaptiertes, quell-offenes Android der Version 11. Darüber liegt Huaweis Benutzeroberfläche EMUI 12.

Wie sich Huawei-Handys ohne Google im Alltag schlagen, haben wir in einem eigenen und besonders ausführlichen Artikel herausgearbeitet, der hier zu finden ist.

Fazit

Das Huawei P50 Pocket ist alltagsfähig - so viel steht fest. Die Frage ist nur, wie lange es das ist. Denn gerade bei flexiblen Displays ist die Langlebigkeit noch nicht restlos geklärt. Auch wenn die Geräte zunächst robust und solide wirken, können die beweglichen Teile relativ überraschend ihren Geist aufgeben.

Auch wenn das faltbare Huawei-Handy von den Spezifikationen und der Kameraqualität nicht ganz an das eigentliche Flaggschiff Huawei P50 Pro herankommt, hat das Pocket-Modell seinen Charme.

Vor allem aber wirkt das flexible Smartphone eher wie ein luxuriöses Accessoire für all jene, die großen Wert auf den Look legen. Für Power-User*innen, bei denen eher die Foto-, Video- und Displayqualität im Mittelpunkt stehen, empfiehlt sich dann doch noch ein klassisches Smartphone.

Deutlich teurer als die Konkurrenz

Das Huawei P50 Pocket in Weiß ist in Österreich ab 1.269 Euro zu haben. Für die Gold-Edition muss man mindestens 1.599 Euro hinlegen.

Wer bei diesen Preisen zu dem faltbaren Huawei-Handy greifen soll, ist mir schleierhaft. Auch deswegen, weil die Usability des Geräts durch das Google-freie Android nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. Daher müssten die Huawei-Handys eigentlich günstiger sein als vergleichbare Modelle anderer Hersteller.

Aber das Gegenteil ist der Fall: Das Samsung Galaxy Z Flip 3 bietet eine ganz ähnliche User-Experience und kostet nicht ganz die Hälfte. Für 739 Euro bekommt man bei der Konkurrenz ein faltbares Smartphone und eine Android-Software mit den bekannten Google-Services.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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