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Razer Pro Click im Test: Office-Maus mit Gaming-Genen

Die Razer Pro Click richtet sich an Gamer*innen, die arbeiten müssen aber eigentlich spielen wollen

Razer ist hauptsächlich als Gamer-Marke bekannt. Der Hersteller von Spielehardware erweitert aber laufend das Sortiment: von Strohhalmen über Roboter-Boote bis zu Hightech-Mund-Nasen-Masken.

Was diese wilde Mischung an Produkten trotzdem gemeinsam hat, ist die schwarze Farbe und die Razer-typischen giftgrünen Akzente. Die Maske hat sogar eine RGB-Beleuchtung, ganz wie man sie von Spielemäusen und Gaming-Tastaturen kennt.

Eleganter Office-Look statt auffälligem Design

Im Vergleich dazu wirkt die Pro Click (105 Euro bei Amazon) wie ein Alien im Razer-Universum – obwohl sie eine Maus und nicht etwa ein Strohhalm ist. Das Design zeigt, dass sie für den Arbeitsplatz gedacht ist.

Sie hat eine weiße Ober- und Unterseite. Das Mausrad und der Rahmen sind silbern. Die gummierten Elemente links und rechts sind grau. Statt dem giftgrünen Razer-Schlangenlogo gibt es einen zarten, grauen Schriftzug.

Alles zusammen ist stimmig und elegant. Zumindest letzteres Wort brachte man bisher selten mit den auffälligen Designs der Razer-Hardware in Verbindung. Ein Wermutstropfen: Wer seinen Arbeitsplatz oder das Homeoffice in staubiger Umgebung hat, sollte öfters über die Pro Click drüberwischen, da die weiße Oberfläche anfällig für dunkle Flankerl ist.

Passend zur Maus gibt es mit Pro Glide (12 Euro bei Amazon) ein Stoff-Mauspad. Leider passt dessen graue Farbe nicht genau zur grauen Farbe der Maus, wodurch die Kombination nicht so ansprechend aussieht, wie sie es könnte.

Tolle Verarbeitung mit potenzieller Schwäche

Für 105 Euro erwartet man sich eine gute Verarbeitung und die bekommt man auch. Die Maus hat perfekte Spaltmaße, sowohl oben, als auch bei der Unterseite an den Gleitfüßen. Sie macht einen sehr robusten Eindruck.

Im Testzeitraum von 6 Wochen im journalistischen Alltagsbetrieb (45 bis 50 Wochenstunden Computerarbeit) waren noch keine Abnutzungserscheinungen erkennbar. Die Betonung liegt auf noch: Die Gummiflächen links und rechts werden sich früher oder später abnutzen und/oder speckig werden. Das lässt sich bei dem Material nicht vermeiden.

Eine Schwäche auf lange Sicht ist die Verwendung von mechanischen Schaltern für die Maustasten. Bei längerer Nutzung können die zu ungewollten Doppelklicks führen und in Extremfällen dazu, dass Drag and Drop nicht mehr möglich ist.

Mechanische Schalter zu verbauen, ist prinzipiell normal, besonders bei Arbeitsmäusen. Allerdings hat Razer schon bei älteren und teilweise günstigeren Gaming-Mäusen optomechanische Schalter verbaut, die genau das verhindern und eine höhere Lebensdauer haben. Bei den mechanischen Schaltern der Pro Click gibt Razer die Lebensdauer mit bis zu 50 Millionen Klicks an, was dennoch mehr als bei vielen anderen Mäusen für den Arbeitseinsatz ist.

Gut Ergonomie für mittlere und große Hände

Die Pro Click ist sehr groß ausgefallen, was am buckeligen Rücken liegt. Laut Razer ist diese Form speziell fürs lange Arbeiten konzipiert, soll das Handgelenk schonen und zu weniger Ermüdung führen.

Tatsächlich flutscht die Hand geradezu in die vorgesehene Position des Palm Grips. Herumgreifen ist nicht nötig, die Maus fühlt sich intuitiv richtig in der Hand an – solange die Handgröße stimmt. Personen mit kleinen Händen werden vermutlich keine Freude mit der großen Pro Click haben. Und wer nicht nur beim Gaming sondern auch beim Arbeiten den Claw Grip bevorzugt, sollte ebenfalls Abstand von der Pro Click nehmen.

Eventuell für Personen mit langen Fingern störend ist, dass es keine extra Ablage für den kleinen Finger gibt. Der Daumen liegt an der linken Mausseite schön auf der dafür vorgesehenen Fläche auf, aber der kleine Finger findet für mich auf der rechten Seite nicht entspannt Halt, sondern berührt gleichzeitig das Mauspad bzw. den Tisch.

Bei den Tasten gibt es das Nötigste

Die 2 Maustasten haben einen guten Widerstand. Niedrig, aber nicht so niedrig, dass man ständig unabsichtlich beim Arbeiten klickt. Sie können bis zur Mitte des Gehäuses betätigt werden, wobei nach hinten hin der Widerstand natürlich entsprechend größer wird. Das Klickgeräusch ist satt, aber nicht störend laut. Das hat mir zumindest meine Frau versichert, deren Beschwerden über meine Tippgeräusche der Anlass waren, leise Tastaturen für das Homeoffice zu testen. Bei dem Test war übrigens die Razer Pro Type mit dabei, die passende Tastatur zur Pro-Click-Maus.

Das Mausrad ist ein 4-Wege-Rad aus Metall: Hier ist zum Glück kein Gummi, der sich abnutzen oder speckig werden kann. Beim Drehen rastet es deutlich fühlbar in die nächste Position ein, eventuell schon eine Spur zu stark für den Büroalltag. An der linken Seite sind Maustaste 4 und 5, die gut mit dem Daumen zu erreichen sind. Das war es dann mit Tasten und Rädern: Die Pro Click bietet damit nur das Nötigste für eine Arbeitsmaus.

Oben ist noch ein dpi-Umschalter. Es können bis zu 5 Einstellungen mit den Wunsch-dpi (100 bis 16.000) konfiguriert werden, die dann per Drücken der Taste durchgeschaltet werden. Diese Einstellungen erfolgen in der Razer-Synapse-Software. Einfache Tastenbelegungen und die dpi-Profile werden in der Maus gespeichert, einige Shortcuts und programmierte Makros aber nicht. Will man diese nutzen, muss man also die Software auf jedem Gerät installieren, mit dem man die Pro Click verwenden möchte. Das kann ein Problem sein, wenn etwa der Systemadmin im Großraumbüro das Installieren von Software gesperrt hat.

Sehr gute Gleiteigenschaften

An der Unterseite erkennt man die Gaming-Gene der Pro Click. Anstatt der üblichen, standardisierten 4 kleinen Gleitfüße, gibt es hier 2 große Gleitfüße, die den Konturen des Gehäuses folgen. Das ist vorbildlich und sorgt für sehr gute Gleiteigenschaften – egal ob auf Stoffmauspad oder direkt am Tisch.

Die Füße sind zudem präzise im Gehäuse eingelassen. Etwas Schmutz sammelt sich trotzdem an den Rändern an, aber bei weitem nicht so viel, wie bei Gleitfüßen, die einfach nur auf die Unterseite geklebt wurden.

Ein Nachteil des Gaming-Erbes ist, dass die Pro Click einen optischen Sensor verbaut hat. Es ist zwar ein sehr guter Sensor für Gaming-Mäuse, aber eben optisch. Bessere Arbeitsmäuse anderer Hersteller setzen auf Lasersensoren. Diese haben zwar weniger Leistung, funktionieren dafür aber auf nahezu allen Oberflächen. Die Pro Click hat hingegen Probleme mit stark reflektierenden Oberflächen und auf Glastischen versagt sie gänzlich.

2 verschiedene Verbindungsmodi und eine lange Akkulaufzeit

Die Pro Click ist eine kabellose Maus. Sie kann direkt per Bluetooth verbunden werden oder mit einem 2,4GHz-Wireless-Empfänger. Der Umschalter zwischen den Modi ist an der Unterseite der Maus. Der Wireless-Empfänger bietet eine höhere USB-Abfragerate (bis zu 1.000 Hz), per Bluetooth ist dafür die Reichweite größer – was bei einer Maus aber zu vernachlässigen ist, da man mit ihr meistens in Bildschirm/Computernähe bleibt. Bis zu 4 Geräte können gleichzeitig per Bluetooth verbunden werden, umgeschaltet wird per Tastendruck an der Unterseite.

Razer verspricht eine Akkulaufzeit von bis zu 400 Stunden im Bluetooth-Modus und 200 Stunden im 2,4GHz-Modus. Nutzt man hier aber die USB-Abfragerate mit 1.000 Hz, reduziert sich die Laufzeit um 30 bis 50 Prozent. 100 Stunden sind allerdings immer noch reichlich. Selbst bei intensiver Tätigkeit wird man nur alle 2 bis 3 Wochen den Akku laden müssen – bei reiner Bluetooth-Nutzung sollte das Laden alle 2 Monate reichen.

Das Ladekabel ist ein superfail

Das größte Problem, das ich mit der Pro Click habe, ist das Ladekabel. Erstens, ist es nicht geflochten, wie es für hochwertige Gaming-Mäuse üblich ist. Ein geflochtenes, graues Kabel wäre perfekt für die Pro Click gewesen.

Zweitens, und das ist unverzeihlich, ist es ein Micro-USB-Kabel. Das geht in der heutigen Zeit, wo alles USB-C ist, einfach nicht. Und um den ganzen die Krone aufzusetzen, ist der Ladeanschluss der Maus auch noch so verbaut, dass man nur das mitgelieferte USB-Kabel verwenden kann. Will man ein anderes Micro-USB-Kabel nutzen, das man noch von einem 5 Jahre alten Handy herumkugeln hat, muss man die Plastikumrandung rund um den Stecker vorsichtig mit einem Stanley-Messer zurechtstutzen.

Immerhin kann man die Maus per Mikro-USB-Kabel kabelgebunden verwenden. Sollte der Akku also mal komplett leer sein, kann man so die Maus nutzen und gleichzeitig aufladen.

Fazit

Die Pro Click ist zwischen 2 Welten hin- und hergerissen. Einerseits bietet sie die Leistung einer Gaming-Maus im eleganten Arbeitslook, andererseits fehlt ihr der letzte Feinschliff, um die volle Gaming-Performance ins Home- oder reguläre Office zu bringen. In dem Fall sind das das verkorkste Ladekabel und der Verzicht auf optomechanische Schalter.

Eine gute Arbeits-Maus ist sie jedenfalls, wenn auch mit 105 Euro relativ teuer. Als Gaming-Maus ist sie ebenso nutzbar, wenn man mit Palm Grip spielt.

Schließlich hat das Konzept noch einen gewissen Charme und einen Hauch von Melancholie. Man kauft sich die Pro Click mit der Intention, besser damit zu arbeiten als mit einer normalen Gaming-Maus und nach Dienstschluss kann man damit zocken. Innerlich weiß man aber, dass die Gaming-Zeiten hinter einem liegen und nach der Arbeit die Energie fehlt, um zu spielen. Die Hand auf der Pro Click wirkt dann fast beruhigend: Auch wenn sie außen Business ist, ist sie im Herzen Gamer. Und wenn man irgendwann wieder spielen kann, ist sie sofort bereit dazu. Irgendwann.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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