Tesla test-drive vehicles used by a Tesla dealership in Washington, DC

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Tesla: Kein autonomes Fahren mit "Full Self Driving"-Software

Alle Tesla-Fahrzeuge sind – hardwaretechnisch – potentiell dazu in der Lage, autonom zu fahren. Tesla verkauft diesbezüglich ein Software-Paket namens „Full Self-Driving-Capability“ (FSD, übersetzt: „volle Selbstfahrfähigkeit“) um rund 10.000 US-Dollar. Doch diese Bezeichnung hat den Namen eigentlich nicht verdient, wie aus jetzt veröffentlichten E-Mails hervorgeht. Stattdessen gibt es eine enorme Diskrepanz zwischen dem, was Elon Musk öffentlichkeitswirksam verspricht, und dem, was die Software tatsächlich kann.

Tesla musste einen Bericht von „Business Insider“ zufolge vor den kalifornischen Behörden nun nämlich zugeben, dass das FSD-Software-Paket Autos in naher Zukunft nicht autonom machen werde. Das geht zumindest aus E-Mails hervor, die Tesla an die kalifornische Regulierungsbehörde geschickt hatte, und die am Freitag veröffentlicht wurden.

"Fahrer hat die Verantwortung"

Darin schreibt Teslas Anwalt Eric Williams, dass das Unternehmen es bereits „sehr klar“ gemacht habe, dass Beta-Nutzer des Systems immer die Verantwortung für das Fahrzeug tragen und das Software-Paket den Tesla *nicht* autonom fahren lasse.

Das Kernelement der FSD-Software, um die es in dem Brief offenbar geht, ist eine Funktion, die die automatische Steuerung auf Straßen in der Stadt betrifft. Dieses Element sei derzeit auf einige wenige Tesla-Mitarbeiter beschränkt und Teil eines im Oktober 2020 gelaunchten Beta-Programms. Noch in der ersten Hälfte von 2021 soll die Funktion aber freigeschalten werden.

Meldepflichtig oder nicht?

Williams sagt, dass es sich beim gesamten Software-Paket nach wie vor eine „Level 2“-Funktionalität beim autonomen Fahren handle, was bedeutet, dass der Mensch immer konstante Aufmerksamkeit auf das Fahrzeug und die Straße lenken müsse. Das werde auch bei der finalen Version der Software so sein, heißt es in den E-Mails. Diese soll noch bis Mitte des Jahres fertig sein und veröffentlicht werden. Der Starttermin wurde allerdings bereits mehrfach verschoben.

Der Behörde war es bei ihrer Anfrage an Tesla vor allem darum gegangen, dass Tesla nicht Funktionen auf der Straße testen lässt, die eigentlich meldepflichtig wären und für die der US-Konzern eine eigene Erlaubnis benötigt. Laut Teslas Anwalt würde es sich bei der Software mit dem Namen „Full Self-Driving-Capability“ nicht um eine Software zum autonomen Fahren handeln und daher würde keine Extra-Erlaubnis notwendig sein.

Musk-Marketing verspricht viel mehr

Dies widerspricht allerdings gänzlich der Art und Weise, wie Tesla seine Fahrzeuge - und die 10.000 Dollar teure Software - vermarktet. Musk zeigte im Dezember etwa Videos, wo ein Fahrer Videospiele spielt, während das Auto alleine fährt. Im Jänner 2021 sagte Musk, dass Tesla bald - und zwar noch 2021 - „Level 5“ erreichen würde, also die Stufe der „vollen Autonomie“. Außerdem hat Musk versprochen, dass mit der FSD-Software bald eine Flotte von einer Million Robotaxis an den Start gehen werden. Der "Business Insider" hat bei Tesla nachgefragt, wie diese Diskrepanz zustande kam, aber leider keine Antwort erhalten.

In Deutschland war die Werbung damit auch per Gericht verboten worden. Doch auch die ersten Tester der FSD-Software waren nicht gerade begeistert und orteten „schwere Mängel“. So hatten die US-Verbraucherschützer von Consumer Reports einige der FSD-Funktionen bereits testen können und mussten „unfassbare Mängel“ feststellen. Für die Verbraucherschützer gefährdet das Vorgehen Teslas zudem dadurch die Sicherheit. Vor allem, da man bestimmte Versionen, die als Beta-Version freigegeben worden sind, eigentlich nur auf einem Testgelände ausprobieren sollte.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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