FILE PHOTO: Spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Paris

© REUTERS / Benoit Tessier

Science
04/12/2020

Maschinelle Beatmung kann Lunge nachhaltig schädigen

Ärzte warnen vor den Spätfolgen einer überstandenen Corona-Erkrankung. Vor allem die Lunge könnte betroffen sein.

Neben der weiterhin global ansteigenden Rate an Covid-19-Infizierten steigt auch die Anzahl derer, welche die Lungenkrankheit bereits überstanden haben. Während bei leichteren Verläufen - selbst mit leichten Lungenentzündungen - im Normalfall keine Spätfolgen zu erwarten sind, befürchten Ärzte, dass heftigere Verläufe mit schwerem Lungenversagen und langer Beatmungsdauer zu späteren Problemen bei Genesenen führen können.

Spätfolgen durch Beatmung

Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wird bisher bei etwa zwei Prozent der SARS-CoV-2-Infizierten in Deutschland eine Lungenentzündung beobachtet. Ein Teil der Patienten muss beatmet werden, und dies oft über längere Zeit. Der Mediziner Sven Gläser vom Vivantes-Klinikum Neukölln geht davon aus, dass bei Betroffenen mit Restsymptomen wie einem verminderten Lungenvolumen zu rechnen ist.

Die möglichen Folgen bei schweren Verläufen müssen in solchen Fällen nicht allein auf das Virus zurückgehen, erklärte Gläser. Auch die maschinelle Beatmung sei ein nicht vermeidbarer, aber potenziell schädlicher Reiz für das Lungengewebe. Hinzu kämen teils Komplikationen wie bakterielle Infektionen während der relativ langen Zeit, die Covid-19-Patienten auf der Intensivstation liegen.

Langwierige Genesung bei schweren Fällen

Patienten sollten nach überstandener Erkrankung kontrolliert werden, um den Verlauf weiter im Auge zu behalten, mahnt der Mediziner. Denn momentan gebe es keine verbindlichen Empfehlungen zur Nachverfolgung. Ein einheitlicher Standard sei nötig, idealerweise mit systematischer Erfassung der Ergebnisse. In Deutschland hat etwa die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) angekündigt, dass Vorbereitungen für eine systematische Nachbetreuung laufen.

Ein Teil der Patienten werde nach einem schweren Verlauf eine Reha-Behandlung benötigen. Hierzu würden aktuell Konzepte erstellt, teilte die Gesellschaft mit. Der deutsche Virologe Christian Drosten hatte bereits im Zuge seiner NDR-Podcasts davon berichtet, dass Patienten mit schweren Verläufen auch mehr als einen Monat nach der Krankenhausentlassung noch allgemein geschwächt seien und auch die Lungenfunktion noch nicht völlig wiederhergestellt scheint.