Collage mit Franz Viehböck 2021 mit russischem Botschafter und Franz Viehböck 1991

© apa, Technisches Museum Wien

Science

Viehböck: "Raumflüge werden nie so billig sein, wie ein Klimaticket"

Der russische Botschafter Ljubinskij verlieh Franz Viehböck 30 Jahre nach Austromir eine Auszeichnung. Rechts oben: Viehböck als 31 Jahre junger "Austronaut"

Am 2. Oktober 1991 flog der erste Österreicher ins All. Das 30-jährige Jubiläum der Mission "Austromir" wurde am Wochenende im Technischen Museum Wien gefeiert. Genau an diesem Ort saß damals Bundespräsident Kurt Waldheim, um mit Franz Viehböck eines der ersten Videotelefonate zwischen Erde und Orbit zu führen. Während für den damals 31-jährigen Elektrotechniker der Traum eines Weltraumfluges in Erfüllung ging, gebar seine Frau daheim eine Tochter.

Nicht nur aus persönlicher Sicht war die Mission ein Meilenstein, sie hat Österreich international auf das Radar der Weltraumindustrie gebracht, wie Ministerin Leonore Gewessler bei der Veranstaltung betonte. Gemäß ihrer neuen Weltraumstrategie will sie in der Raumfahrt einen starken Fokus auf den Klimaschutz setzen. Gastgeber Peter Aufreiter, der Direktor des Technischen Museums Wien, sah das ähnlich: "Auch wenn wir ein Jubiläum feiern, müssen wir an die Zukunft denken." Wir haben die Gelegenheit genutzt, um Franz Viehböck zu interviewen.

futurezone: Wie lebendig sind Ihre Erinnerungen an ihre knapp 8 Tage im All im Jahr 1991 noch?
Viehböck: Bei solchen Anlässen werden die Erinnerungen aufgefrischt. Da kommt das zurück. In meinem Leben ist das nicht mehr tagtäglich da, aber immer wieder wird man daran erinnert, durch verschiedene Anlässe oder Interviews.

Können Sie sich noch erinnern, wie sich die Schwerelosigkeit angefühlt hat?
Ja, das bleibt einem in Erinnerung.

Stört es Sie eigentlich, dass sie immer noch der einzige Österreicher sind, der jemals im Weltraum war?
Ja. Es wäre schön langsam Zeit, dass eine Österreicherin oder ein Österreicher mir nachfolgt. 30 Jahre ist schon eine lange Zeit.

Verspüren Sie Druck, weil Sie für vieles herangezogen werden, was mit Österreich und dem Weltraum zu tun hat?
Das vertrage ich schon noch. Aber um neue Akzente zu setzen, wäre eine Nachfolge schon gut. Weil das ist zwar nett, was ich gemacht habe, aber 30 Jahre her. Die Dinge entwickeln sich weiter und da gehört etwas Neues her.

Hätten Sie sich gedacht, dass russische Raumfahrer*innen im Jahr 2021 immer noch mit Sojus-Kapseln ins All fliegen?
Ja. Die Sojus-Kapseln, die heute fliegen, sind eine Weiterentwicklung von der, mit der ich geflogen bin. Und die war wiederum eine Weiterentwicklung von der, die 10 Jahre davor geflogen ist. Das ist die Stärke der Russen. Sie haben ein System und entwickeln das kontinuierlich weiter. Dadurch wird das sicherer und sicherer, besser und besser. Bei den Amerikanern hat es immer große Wechsel gegeben. Da wurde von den Apollo-Kapseln auf das Space Shuttle umgeschwenkt - ein komplett anderes System, ein komplett anderer Flugkörper. Da gibt es natürlich Kinderkrankheiten. Jetzt ist man wieder zurück zu den Kapseln gegangen. So etwas birgt gewisse Gefahren.

Was halten Sie von den Errungenschaften von SpaceX, etwa wiederverwendbaren Raketenstufen oder der Crew Dragon Raumkapsel?
Ich finde das gut, weil hier sehr viele neue Technologien und Innovationen einfließen. Da werden Technologien entwickelt, die der Raumfahrt insgesamt gut tun.

Der Fokus der Raumfahrt liegt in den Aussagen vieler Entscheidungsträger auf der Erde. Fehlt da ein wenig der Abenteuergeist, die große Idee von der Eroberung des Weltraums?
Ich würde nicht sagen, dass das fehlt. Die Raumfahrt hat sich in den vergangenen 60 Jahren extrem weiterentwickelt. Von den ersten bemannten Flügen, dem Flug zum Mond ausgehend, ist mittlerweile die unbemannte Raumfahrt ziemlich verbreitet. Das ist extrem wichtig für die Menschheit. Einerseits durch die vielen Satelliten in der Erdumlaufbahn, etwa für die Klimabeobachtung, für die Kommunikation. Was vielleicht fehlt ist ein starker visionärer Ansatz seitens der Politik, so wie Kennedy es gemacht hat. Statt 'Fliegen wir zum Mond' müsste man sagen: 'Fliegen wir zum Mars!' Es gibt ja schon eine Menge Roboter da oben, eine Hubschrauberdrohne fliegt herum. Das ist ja toll, aber das Ganze gewinnt an Bedeutung, wenn ein Mensch dabei ist.

Wer wird Ihrer Meinung nach künftig größere Chancen haben, ins All zu fliegen? Jemand, der viel Geld hat oder jemand, der viel technisches oder naturwissenschaftliches Wissen besitzt?
Ich glaube, beide. Es ist schön, dass die kommerzielle Raumfahrt sich entwickelt. Je mehr Raumflüge stattfinden, umso billiger wirds, aber es wird nie um den Preis eines Klimatickets zu haben sein. Man wird schon viel zahlen müssen, aber es wird mehr und mehr einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das ist gut, aber die Wissenschaft, die da oben gemacht wird, ist Sache der Agenturen. Ich schließe aber nicht aus, dass es auch Firmen sind, die wissenschaftlich im All tätig ist. Es ist heute schon so, dass Firmen Forschungszeit in der ISS buchen, das kann durchaus mehr werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass Firmen im Weltraum Produktionen haben. Gewisse Eiweißkristallverbindungen, die in der Pharmazie verwendet werden, kann man man nur in der Schwerelosigkeit züchten. Es ist vorstellbar, dass so eine Fertigung im Weltall industrielle Dimensionen annimmt.

Wieviel Ihrer Faszination für den Weltraum haben Sie Ihren Kindern weitergeben können?
Ich habe bewusst versucht, ein normales Leben zu führen und sie nicht dauernd mit Weltraum zu quälen. Die sollen ihren eigenen Weg gehen. Wenn ihnen Weltraum gefällt, werden sie sich diesen Weg aussuchen, aber ich habe niemanden dazu gedrängt.

Ist nun jemand aus Ihrer Familie im Weltraum tätig?
Meine Tochter, die während meines Weltraumfluges am 2. Oktober 1991 geboren wurde, hat Physik studiert, ist dann aber Richtung Medizintechnik gegangen. Die hat bei der International Astronautical Federation in Paris gearbeitet. Sie hat einige Weltraumkongresse organisiert und Interesse an der Raumfahrt gezeigt, aber jetzt hat sie einen anderen Beruf.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Technischen Museum Wien und der futurezone.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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