Digital Life
31.12.2018

Das sind die Flops des IT-Jahres 2018

Das vergangene Jahr war in der IT-Welt reich an Fehlschlägen. Von Facebooks Verfehlungen bis zur Bitcoin-Talfahrt.

2018 war für Facebook alles andere als ein gutes Jahr:  Zuerst erschütterte der Skandal um die Datenweitergabe an Cambridge Analytica das Online-Netzwerk. Die Reaktionen aus dem Unternehmen blieben zunächst aus, halbherzige Entschuldigungen und Auftritte von Unternehmenschef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress und dem Europäischen Parlament machten es nicht besser. In Brüssel flüchtete Zuckerberg vor den kritischen Fragen der EU-Parlamentarier.

Notwendige Anpassungen durch die europäische Datenschutzgrundverordnung nutzte Facebook dazu, um europäischen Nutzern die Gesichtserkennung unterzujubeln. Dass sich herausstellte, dass Facebook-Apps für Android jahrelang Telefonanrufe und Kurznachrichten ihrer Nutzer protokollierten, erhöhte das Vertrauen in das Online-Netzwerk auch nicht gerade.

Im Herbst wurde außerdem bekannt, dass Angreifer, die eine Sicherheitslücke bei Facebook ausnutzten, Zugriff auf Daten von rund 30 Millionen Nutzern hatten. Als sich im Dezember herausstellte, dass im Rahmen ominöser Deals Firmen wie Netflix oder Spotify auf private Nachrichten von Facebook-Nutzern zugreifen konnten, gab es neuerlich Aufregung. Dass Facebook eingestehen musste, PR-Unternehmen engagiert zu haben, um Kritiker wie den Investor George Soros zu diskreditieren und vom britischen Parlament veröffentlichte E-Mails tief in die alles andere als altruistischen Geschäftspraktiken im Zuckerberg-Imperium blicken ließen, runden die wenig schmeichelhafte Jahresbilanz des Online-Netzwerks ab.

Bitcoin-Talfahrt

Der Kurssturz kündigte sich bereits Ende 2017 an und setzte sich im vergangenen Jahr unvermindert fort. War das Bitcoin Anfang des Jahres nach einer vorübergehenden Erholung noch mehr als 14.200 Dollar wert, markierte das Kryptogeld Mitte Dezember nur noch bei knapp über 3000 Dollar. Im Jahresvergleich verlor die Kryptowährung 80 Prozent an Wert.

ISRAEL-CURRENCY-BITCOIN-CRYPTOCURRENCY

Die Weisheit, das an sich wertlose Vermögenswerte irgendwann platzen müssen, scheint sich zu bewahrheiten. Wie es mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen weitergeht ist ungewiss. Möglich ist alles oder wie es der Ökonom Kenneth Rogoff ausdrückte: Kryptowährungen sind wie Lotteriescheine.

Leihrad Desaster in Wien

Das Gastspiel asiatischer Leihradanbieter in Österreich endete im vergangenen Jahr im Chaos. Die stationslosen Räder von Ofo und oBike, die per App gebucht werden konnten und die nicht selten vor Parkeingängen, auf der Straße oder mitten am Gehsteig abgestellt wurden oder Fahrradstellplätze verstellten, verärgerten Stadtbewohner und provozierten Vandalismus. Viele landeten im Donaukanal oder im  Wienfluss.

++ THEMENBILD ++  LEIHFAHRRAD

Kaum ein Jahr nach dem Start der Räder, die Mobilitätsdaten ihrer Nutzer sammeln wollten, war wieder Schluss. Während Ofo seine Gefährte selbst abtransportierte, wurden die Leihräder der mittlerweile insolventen Firma oBike ein Fall für die Müllabfuhr.

EU-Urheberrechtsreform

In der EU wurde 2018 die lange angekündigte Urheberrechtsreform auf den Weg gebracht, die unter anderem Upload-Filter, mit denen hochgeladene Inhalte auf Urheberrechtsverletzungen überprüft werden sollen, und das Leistungsschutzrecht, das bereits kurze Textausschnitte kostenpflichtig machen soll und auf Aggregatoren wie Google News abzielt, beinhaltet.

MEPs take part in a voting session at the European Parliament in Strasbourg

Beide Regelungen sind heftig umstritten. Kritiker befürchten durch die Filter negative Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit. Das Leistungschutzrecht - ähnliche Gesetze gibt es bereits in Spanien und Deutschland - hat in der Praxis Verlagen bisher kaum Mehreinnahmen verschafft und gilt Kritikern als Angriff auf eines der Grundprinzipien des Internets, der Verlinkung von Information.

Beide Regelungen sind heftig umstritten. Kritiker befürchten durch die Filter negative Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit. Das Leistungschutzrecht - ähnliche Gesetze gibt es bereits in Spanien und Deutschland - hat in der Praxis Verlagen bisher kaum Mehreinnahmen verschafft und gilt Kritikern als Angriff auf eines der Grundprinzipien des Internets, der Verlinkung von Information.

Neue kulturelle Praktiken und kreativen Umgangsweisen mit Inhalten wie etwa Remixes wurden aus der Urheberrechtsreform hingegen weitgehend ausgeklammert. Nach anfänglicher Ablehnung stimmte das EU-Parlament Mitte September den Reformplänen zu. Beschlossen soll sie noch vor den EU-Wahlen im Mai werden.

Google+ zieht nach Datenpannen Stecker

Mit dem 2011 gestarteten Online-Netzwerk wollte Google Facebook Konkurrenz machen. Das blieb allerdings ein frommer Wunsch, durchsetzen konnte sich Google+ nie. Nutzer mieden das Netzwerk weitgehend, in den vergangenen Jahren siechte es mehr schlecht als recht vor sich hin.

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Nachdem der US-Internetkonzern im Frühjahr ein Datenleck entdeckte, das Einblick in die persönlichen Daten von bis zu 500.000 Nutzern gab, und es bis zum Herbst verschwieg, wurde schließlich im Oktober das Aus für Google+ verkündet. Eine weitere Datenpanne beschleunigte den Weg ins Ausgedinge. Im April wird nun endgültig der Stecker gezogen.

"Wunderzahnbürste" verärgert Nutzer

Das Versprechen klang verlockend, eingelöst werden konnte es bisher nicht. Zähneputzen sollte sich mit der vom gleichnamigen heimischen Start-up Amabrush entwickelten Wunderzahnbürste in zehn Sekunden erledigen lassen. Interessierte die das Projekt auf Kickstarter unterstützten, mussten auf den Zahnreiniger aber nicht nur lange warten, sondern wurden auch herbe enttäuscht.

Erste Nutzer, die das Gerät knapp zehn Monate nach dem angekündigten Liefertermin im vergangenen Herbst erhielten, klagten über mangelhafte Qualität und desaströse Putzleistung. Videos von Plaquetests, die im Netz veröffentlicht wurden, scheinen das zu bestätigen. "Wir können derzeit nicht für 100 Prozent der Nutzer ein optimales Ergebnis liefern", räumte auch Amabrush-Gründer Marvin Musialek gegenüber der futurezone ein.