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Digital Life

Warum virtuelle NBA-Sammelkarten bis zu 240.000 Dollar kosten

Wer den Hype um die CryptoKitties vor einigen Jahren miterlebt hat, weiß, wie schnell ausschließlich virtuell existierende Objekte enormen Wert erhalten können. Die Entwickler der comichaften Kätzchen, deren individuelle Einzigartigkeit durch die Blockchain-Technologie abgesichert ist, haben mit NBA Top Shot ein neues Projekt erschaffen. Dabei geht es um so genannte "Moments", kurze Videos von legendären Basketball-Spielszenen, die teilweise aberwitzige Preise erreichen. Eines davon wird momentan etwa für 240.000 Dollar angeboten.

Die Plattform NBA Top Shot lässt Menschen mit virtuellen Basketball-Sammelkarten handeln

Einzigartige Objekte

Was die National Basketball Association (NBA) und das kanadische Blockchain-Unternehmen Dapper Labs mit Top Shot kreiert haben, ist die virtuelle Entsprechung eines Sammelkarten-Systems, samt Verkaufsstelle und Handelsplattform. Statt physischer Karten werden dabei Moments in limitierter Stückzahl ausgegeben. Jeder Moment hat eine eigene Seriennummer und einen so genannten Non-Fungible Token. Das ist ein einmaliger, nicht replizierbarer Code, der in einer Blockchain (in diesem Fall der Flow-Blockchain) gespeichert wird.

"Ein fungible Token ist einfach ein Wert, das ist als hätte ich ein 2-Euro-Stück. Ein non-fungible Token ist dagegen wie ein Gemälde eines Künstlers. Da macht es einen Unterschied, ob ich die Mona Lisa habe oder etwas anderes", erklärt Stefan Schulte, der Leiter des Christian Doppler Labors Blockchaintechnologien für das Internet der Dinge an der TU Wien. Non-fungible Tokens waren auch die Grundlage für CryptoKitties. Auch diese seien dadurch zu einzigartigen Objekten geworden. Alleine diese Tatsache habe dazu geführt, dass letztendlich enorme Preise dafür gezahlt worden sind.

Hohe Gewinne

Die Verlockung, bei NBA Top Shot mitzumachen und in den Handel mit Moments einzusteigen, liegt wohl in der Aussicht auf enorme Gewinne. Die Plattform befindet sich offiziell noch in der Beta-Phase, wodurch viele eine Chance wittern, früh auf einen Hype aufzuspringen. Die Anmeldung läuft über das eigene Google-Konto (einen anderen Weg gibt es derzeit nicht). Nach ein paar kurzen Tutorial-Videos ist man im Grunde bereit, um in das Sammel- und Handelsgeschehen einzusteigen.

Bereits ab 9 Dollar kann man verschiedene "Packs" kaufen. Je teurer sie sind, desto höher die Chance, darin wertvollere Moments vorzufinden. Wieviel Stück eines Moments es gibt, hängt davon ab, auf welcher Stufe ("Tier") er eingeordnet wird. Im "Common Tier" gibt es jeweils mehr als 1000 Stück eines Moments, im "Rare Tier" sind es 150 bis 999, im "Legendary Tier" 25 bis 99, und im "Ultimate Tier" 1 bis 3. Ein Moment wird umso wertvoller, je weniger es davon gibt.

Viele Faktoren

Eine Rolle spielen aber auch einige andere formale Faktoren, etwa ob die Seriennummer möglichst niedrig ist oder ob die Seriennummer der Trikotnummer des Spielers entspricht. Eine Verbindung zum realen Leben gibt es auch. So werden etwa die Moments eines NBA-Spielers, der gerade gut in Form ist, höher bewertet. Und schlussendlich kommt es darauf an, wie viele Stück eines Moments überhaupt von deren Besitzern auf dem "Marketplace" zum Verkauf angeboten werden. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Mit etwas Glück kann man auf NBA Top Shot schnell zu viel Geld kommen. Glück deshalb, weil man sich mittlerweile bei der Ausgabe neuer "Packs" (quasi Päckchen mit neuen Moments) gegen zahlreiche andere Nutzer durchsetzen und schnell reagieren muss. In dem Pack ist dann bestenfalls ein besonders rarer Moment enthalten, den man dann für ein Vielfaches des Pack-Kaufpreises wieder verkaufen kann.

230 Millionen Dollar

Von jeder Transaktion behält sich Dapper Labs 5 Prozent als Bearbeitungsgebühr ein. Die NBA erhält davon wiederum einen gewissen Anteil. Für das Blockchain-Unternehmen und die Basketball-Liga ist das einigermaßen einträglich. 230 Millionen Dollar wurden bisher bereits für Moments ausgegeben.

Schwierige Auszahlung

Nutzer erhalten das Geld aus ihren Kartenverkäufen auf ihre "Dapper Balance". Man kann damit weiter Handel bei NBA Top Shot betreiben oder es sich auszahlen lassen. Letzteres ist allerdings etwas langwierig. Da sich die Plattform offiziell noch in der Beta-Phase befindet, wird jeder Buchungsvorgang zuerst geprüft. US-Bürger können sich das Geld nach mehreren Wochen Prüfungszeit auf ein Konto auszahlen lassen, anderswo erhält man es ausschließlich in Form von USDC auf ein Ethereum-Wallet. USDC ist eine Kryptowährung, als sogenannter Stablecoin aber 1:1 an den US-Dollar gebunden.

Ungewisser Ausgang

NBA Top Shot eignet sich hervorragend zur Spekulation, was über kurz oder lang Regulierungsstellen auf den Plan rufen wird. Wie sich die Wertentwicklung der virtuellen Sammelkarten langfristig gestaltet, ist völlig unklar. "Es kann passieren, dass der Wert irgendwann rapide hinunter geht, weil kein Interesse daran mehr besteht", meint Stefan Schulte. "Wenn man jedoch Baseball-Sammelkarten aus den 50er- oder 60er-Jahren her nimmt, die sind auch heute noch sehr viel wert. Dennoch ist es ein Investment, bei dem man schlecht vorhersagen kann, wohin die Reise geht."

Um die Vergänglichkeit des Moments an sich braucht man sich unterdessen keine Sorgen machen, meint Schulte: "Solange es die Blockchain gibt, auf der dieser Wert existiert, ist ein Verlust unmöglich." Ob und wie man die eigene Moments-Sammlung irgendwann seinen Nachkommen weitergeben kann, ist aber noch unklar.

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David Kotrba

Ich beschäftige mit großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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