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Huawei Watch 3 Pro im Test: Die erste Uhr mit HarmonyOS

Die Huawei Watch 3 Pro ist die erste Smartwatch, die unter dem neu entwickelten HarmonyOS von Huawei läuft.

Anfang Juni hat Huawei sein neu entwickeltes Betriebssystem präsentiert. Nun hat der chinesische Hersteller mit der Huawei Watch 3 Pro das erste Produkt nach Österreich gebracht, das unter dem hauseigenen HarmonyOS läuft.

Wir haben uns angesehen, wie die Uhr mit anderen Android-Phones funktioniert, welche Besonderheiten das neue Betriebssystem bringt und ob die Watch 3 Pro anderen smarten Uhren das Wasser reichen kann.

Pro & Contra

Pro

  • Modischer und eleganter Look
  • Hochwertige Hardware
  • Display ist einwandfrei
  • Umfangreiche Fitness- und Gesundheitsfunktionen

Contra

  • Wirkt etwas wuchtig
  • Im App-Store sind kaum praktische Apps vorhanden
  • Hoher Preis von 449 Euro

Elegantes Design, aber ein bisschen wuchtig

Das robuste Edelstahl-Gehäuse, das hochwertige Lederband und die seitlich angebrachte Krone verleihen der Uhr einen besonders eleganten Look – auch wenn sie etwas wuchtig und ausladend wirkt. Die Tiefe der Uhr gibt Huawei mit 14 Millimeter an. Eine aktuelle Apple Watch hat hingegen eine Tiefe von 10,7 Millimeter.

Das 1,43 Zoll große AMOLED-Display mit einer Auflösung von 466 x 466 Pixel (326 ppi) ist farbstark und hell genug, um die Bildschirminhalte auch bei Sonnenlicht ohne Probleme ablesen zu können.

Kein Leichtgewicht

Das Gehäuse ohne Armband wiegt 63 Gramm, wodurch die Watch 3 Pro ein ziemliches Schwergewicht ist. Im Vergleich: Das Gehäuse einer Apple Watch wiegt je nach Größe zwischen 39 und 47 Gramm.

Gesteuert wird Huawei Watch 3 Pro entweder mit den üblichen Touch-Gesten oder mithilfe der seitlich angebrachten Krone. Um die Auswahl der verschiedenen Apps übersichtlicher zu gestalten, haben die neuen Huawei-Uhren eine Art App-Launcher, der stark an Apples WatchOS erinnert.

Akku und Aufladen

In der Praxis kommt die Uhr mit einer Akkuladung ganz leicht mehrere Tage aus. Im Modus für ultralange Akkulaufzeit soll sie sogar 21 Tage durchhalten.

Geladen wird die Smartwatch mit einem kleinen Connector, der im Lieferumfang enthalten ist. Da der Lade-Connector ohne Metall-Pins funktioniert, kann die Uhr auch mit kabellosen Ladestationen anderer Hersteller aufgeladen werden.

Huawei Watch 3 Pro

Huawei Watch 3 Pro mit anderen Android-Phones

Auch wenn die Watch 3 Pro mit dem neuen Huawei-Betriebssystem ausgestattet ist, kann sie ohne Weiteres mit Android-Phones anderer Hersteller verwendet werden, ohne dass dabei Funktionen unter den Tisch fallen.

Um die Uhr mit dem Android-Phone koppeln zu können, muss die Huawei Health App aus dem Google Play Store auf dem Smartphone installiert werden. Im Zuge dessen werden auf dem Handy auch die HMS-Core, die Huawei Mobile Services, automatisch installiert. Das ist notwendig, um das volle Benutzererlebnis der Watch 3 Pro zu erhalten.

Ist die Uhr einmal mit dem Handy verbunden, dient sie als eine Art Handy-Verlängerung. So werden auf der Smartwatch beispielsweise Benachrichtigungen des Smartphones angezeigt und es lässt sich die Musikwiedergabe steuern. Außerdem gibt es die üblichen zentralen Funktionen von Smartwatches: unter anderem Stoppuhr, Timer, Wetteranzeige, Kompass und eine Auswahl an zahlreichen Watchfaces.

Technische Spezifikationen

Huawei Watch 3 Pro

  • Maße und Gewicht: 48 mm x 49,6 mm x 14 mm, 63 Gramm (ohne Armband)
  • Display: 1,43 Zoll AMOLED, 466 x 466 Pixel, 326 ppi
  • Prozessor: HiSilicon Hi6262
  • Speicher: 2/16 GB, eMMC
  • Akku: 790 mAh, 10 Watt Wireless Charging
  • Software: HarmonyOS 2.0
  • Konnektivität: eSIM, NFC, Wi-Fi 802.11 b/g/n, Bluetooth 5.2
  • Sensoren: optischer Herzfrequenzsensor, barometrischer Drucksensor, Temperatursensor, SpO2-Sensor für Blutsauerstoffsättigung
  • Sonstiges: GPS, Kompass, Mikrofon, Lautsprecher, wasserdicht (laut Huawei zum Schwimmen geeignet)
  • Preis: 449 Euro (UVP)

Fitness und Gesundheit, sonst nicht viel

Abseits davon ist die Uhr mit zahlreichen Fitness- und Gesundheitsfunktionen ausgestattet: Mehr als 100 Trainingsmodi, optischer Herzfrequenzsensor, Hauttemperatursensor sowie ein Sensor für die Blutsauerstoffsättigung (SpO2). Daneben gibt es noch eine GPS-Antenne und einen barometrischen Drucksensor.

All diese Features funktionieren genauso, wie man es sich erwartet: Schnell, zuverlässig und mit detaillierten Infos und Grafiken, die zum Teil in der dazugehörigen App am Smartphone angezeigt werden. Neben diesen vorinstallierten Funktionen sieht es allerdings eher mager aus.

So sind in dem App-Store von Huawei kaum praktische Apps zu finden, die man auf der Smartwatch installieren könnte. Beispielsweise gibt es dadurch keine Möglichkeit, die Uhr für kontaktlose NFC-Zahlungen zu nutzen. Und somit wären wir bei einem grundsätzlichen Problem von Smartwatch-Software.

Das generelle Problem der Smartwatch-Software

Android-Smartphones laufen im Grunde alle unter demselben Betriebssystem, nur die Benutzeroberfläche sieht von Hersteller zu Hersteller ein bisschen anders aus. Bei Smartwatches ist dies anders. Dort gibt es seit Jahren eine ungewöhnliche Vielfalt an Betriebssystemen, weil praktisch jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht.

Samsung nutzt seine Tizen-Software, Fitbit sein Fitbit OS, Huawei verwendete bislang Lite OS, Apple setzt ohnehin auf das hauseigene watchOS und das eigentliche herstellerübergreifende Android-Pendant - Googles Wear OS - befindet sich seit Jahren in einem schlafwandelnden Zustand. Dieser unübersichtliche Wildwuchs resultiert in einem kleinen Chaos.

Denn auch wenn die allermeisten Smartwatch-Funktion herstellerübergreifend funktionieren, weiß man nie wie gut die verschiedenen Smartphone-Smartwatch-Kombinationen unterschiedlicher Hersteller am Ende tatsächlich laufen. Die bestmögliche Benutzererfahrung erhält man dann, wenn man die Geräte desselben Herstellers verwendet.

Für Android-App-Entwickler*innen zahlt es sich wohl nicht wirklich aus, ihre Anwendungen für jedes Smartwatch-Betriebssystem anzupassen. Abseits von den Fitness- und Gesundheitsfunktionen gibt es daher bislang kaum ernstzunehmende Apps, die ihren Weg auf Smartwatches gefunden haben.

Mobilitäts-Apps, wie ÖBB oder Wiener Linien, Banking-Apps, Payment-Apps, eine Wallet oder sonstige praktische Anwendungen für das Handgelenk sucht man vergebens. Und daran werden auch Huaweis HarmonyOS und der Huawei-App-Store kurzfristig nichts ändern. 

Huawei Watch 3 Pro: HarmonyOS

Das neue HarmonyOS

An der Oberfläche, der Funktionsweise und den vorhandenen Features gibt es kaum Unterschiede zwischen LiteOS, dem Betriebssystem, das Huawei bisher für seine Smartwatches genutzt hat, und HarmonyOS. Die Änderungen sind hauptsächlich in der technischen Basis der Software zu finden, die den Nutzer*innen nur in speziellen Fällen unterkommen.

HarmonyOS ist grundsätzlich so ausgestaltet, dass es die Basis für ein eigenes Ökosystem an zahlreichen unterschiedlichen Gerätekategorien darstellen soll. Durch das Betriebssystem sollen nahtlose Übergänge zwischen verschiedenen Devices ermöglicht werden: Smartphones, Uhren, TV-Geräte und Smart-Home-Produkte sollen besonders effizient und nutzerfreundlich zusammenspielen.

Nutzt man ein einziges HarmonyOS-Gerät, können diese angekündigten Vorteile naturgemäß nicht ausgenutzt werden. Das hat sich auch bei der Huawei Watch 3 Pro gezeigt, die sich genauso verwenden lässt, wie andere Smartwatches oder frühere Huawei-Uhren.

Fazit

Auch wenn es für Sportbegeisterte leichtgewichtigere Smartwatches gibt, ist die Huawei-Uhr ein ausgezeichneter und modischer Begleiter für unterwegs. Hardware und Verarbeitung sind einwandfrei und auch die Software läuft ohne Probleme.

Ob auf der Smartwatch nun HarmonyOS oder LiteOS läuft, macht im Grunde keinen wirklichen Unterschied. Und so leidet die Watch 3 Pro - wie alle anderen Android-Watches auch - unter dem Problem, dass es einfach zu wenige Anwendungen in den App-Stores gibt, damit aus einer Sport- beziehungsweise Fitnessuhr eine wirklich smarte Uhr wird.

Die Huawei Watch 3 Pro kostet 449 Euro. Die Nicht-Pro-Version ist ab 369 Euro zu haben.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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