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Wie viel kostet es, ein Handy aufzuladen?

Der internationale Energiemarkt ist im Ausnahmezustand. Haushalte und Betriebe stöhnen unter der Last der hohen Strompreise. Ende 2021 wuchsen sie in Europa auf das 4-fache des Durchschnittswertes von 2015 bis 2020 an, wie die futurezone berichtete. Gleichzeitig werden Smartphone-Akkus immer größer. So hat ein iPhone 13 Pro Max um 18 Prozent mehr Akkukapazität als sein Vorgängermodell. Die Akkus des Samsung Galaxy S22 Plus und des Ultras übertreffen das leistungsstärkste iPhone sogar.

Wer Handys mit solch großen Akkus hat, muss diese freilich auftanken. Da stellt sich die Frage: Wie sehr geht das bei den aktuellen Strompreisen ins Geld? Die futurezone ist dieser Frage auf den Grund gegangen.

Keine Berechnung ohne Annahmen

Viele Nutzer*innen laden ihr Smartphone täglich, zum Beispiel über Nacht. Vereinfacht wird daher in den nachfolgenden Berechnungen davon ausgegangen, dass der Akku eines Handys einmal pro Tag zur Gänze aufgeladen wird.

Außerdem übertragen Ladegeräte nicht 100 Prozent des aus der Steckdose abgezapften Stroms an das angesteckte Gerät. Ein Teil der Energie geht zwischen Ladegerät und Akku zum Beispiel in Form von Wärme an die Umgebung verloren. Wieviel prozentuell tatsächlich ins Gerät eingespeist wird, wird als Wirkungsgrad bezeichnet. Im Folgenden wird ein Wirkungsgrad von 70 Prozent angenommen.

Weshalb ausgerechnet 70 Prozent? Wie Bernhard Gadermaier, Professor an der Technischen Universität Graz, der futurezone erklärt, ist das in etwa jener Anteil, der tatsächlich den Akku erreicht, wenn seine Energieeffizienz, jene der Ladeelektronik sowie des Netzgerätes bei der Berechnung berücksichtigt werden. Hersteller geben bei ihren Ladegeräten grundsätzlich unterschiedliche Wirkungsgrade an. Alle weichen nur minimal voneinander ab. Samsung verspricht bei seinen USB-C-Ladegeräten beispielsweise einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent. Bei induktiven Ladestationen kann es aber zu höheren Verlusten kommen, wie Experte Gadermaier weiß: "Laden Sie ihr Handy nicht mit einem Kabel, sondern in einer induktiven Ladeschale, so ist der Wirkungsgrad wesentlich geringer", erklärt er. "Beim induktiven Laden brauchen Sie etwa 50 Prozent mehr Energie als beim Laden mit einem Kabel."

Nun muss nur noch der aktuelle Strompreis bestimmt werden. Laut e-control.at lag dieser in Österreich zu Jahresbeginn zwischen rund 18 und 27 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Wer hier den Mittelwert berechnet, kommt auf 22,5 Cent. Abhängig vom eigenen Stromanbieter und dem Wohnort, kann dieser Betrag natürlich stark abweichen.

Verbrauch und Preis ermitteln

Jetzt geht es wirklich ans Rechnen. Der Akku eines Samsung Galaxy S22 Ultra, das am Beginn erwähnte Beispiel, hat eine Kapazität von 5.000 Milliamperestunden (mAh). Dieser Wert allein sagt allerdings noch nicht viel über die Leistung einer Batterie aus. Um den täglichen Stromverbrauch zu berechnen, müssen nun die Milliamperestunden mit der Spannung multipliziert werden, die beim Ladevorgang vorherrscht. Bei dem Akku eines S22 Ultra sind das 3,85 Volt. Somit verbraucht das Smartphone bei seiner täglichen Ladung 19.250 Milliwattstunden (mWh).

Wer jetzt noch den Verbrauch dazu addiert, der unterwegs von der Steckdose zum Akku verloren geht, kommt auf 25.025 mWh. Pro Jahr sind das rund 9 Kilowattstunden (kWh) Energie oder etwas mehr als 2 Euro.

Pro Jahr verbrauchen Smartphones durch das Aufladen nur wenige Kilowattstunden Strom.

iPhones verbrauchen ähnlich wenig

Wer die gleiche Rechnung mit einem iPhone 13 Pro Max durchführt, kommt bei 4352 mAh auf 7,8 kWh Stromverbrauch im Jahr, rund 1,75 Euro. Mit einem iPhone würde man sich gegenüber dem Galaxy also gerade einmal einen Würfel Hefe um 25 Cent ersparen.

Etwas interessanter wird es, wenn der Preis eines älteren Smartphones, zum Beispiel des iPhone 5, herangezogen wird. Es verbraucht mit seiner Batteriekapazität von 1440 mAh nur 2,6 kWh im Jahr zu einem Kostenpunkt von 59 Cent. Man erinnert sich: Ein Samsung Ultra verbraucht 4-mal so viel Strom.

Das ist freilich immer noch ein geringer Betrag. Eine Kostenfalle scheint das Smartphone in Sachen Aufladen also nicht zu sein. Wer allerdings mehrere Geräte mit hoher Akkukapazität und womöglich mit einer induktiven Ladeschale tagtäglich auflädt, für den können sich die Kosten summieren.

Tipps für die eigene Berechnung

Hier noch einige Tipps für all jene, die den Stromverbrauch ihres Smartphones selbst berechnen wollen.

  • Die Spannung, die der Akku beim Ladevorgang benötigt, gibt der Hersteller in der Regel in der Bedienungsanleitung an. Ist dies nicht der Fall, ist der Wert jedenfalls auf der Rückseite der Batterie zu finden. Bei verklebten Akkus ist das Nachsehen freilich schwierig, daher einfach online nach Ersatzteilen suchen und den Wert vom Monitor ablesen.
  • Die Hersteller machen es einem bei Tablets und Laptops leichter. Hier ist die Energie, die ein Akku verbraucht, meist von Haus aus in Wattstunden oder Milliwattstunden angegeben.
  • Wer genau wissen will, weshalb die Kapazität des Akkus mit der Spannung multipliziert werden muss: Um die in Milliamperestunden angegebene Kapazität in Wattstunden auszudrücken, wird eine physikalische Formel verwendet, nämlich Kapazität (Ah) x Spannung (V) = Energie (Wh)

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Lisa Pinggera

LPinggera

Seit 2021 bei futurezone. Erzählt am liebsten Geschichten über Kryptowährungen, FinTechs und die Klimakrise. Schreibt aber über alles, was erzählenswert ist.

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