sts050-start_vonunten_full.jpg

© NASA

Science

40 Jahre Space Shuttle: Aufbruch in eine neue Ära im All

Ein Fluggerät, das in den Weltraum fliegen und unbeschadet wieder zur Erde zurückkehren kann. das riesige Frachten transportieren und mehr Menschen gleichzeitig ins All befördern kann, als jemals zuvor.

Das waren die Ansprüche an das 1972 von US-Präsident Richard Nixon offiziell begonnene Programm Space Transportation System (STS), dessen Spitzname Space Shuttle wohl wesentlich geläufiger ist. 9 Jahre später, im April 1981, flog die vermeintlich "komplexeste Maschine der Welt" zum ersten Mal ins All.

Nicht mehr nur weiße Männer

Die beiden Testpiloten John Young und Robert Crippen waren die ersten, die mit dem Shuttle Columbia in den Orbit fliegen durften. Sie gaben damit den Startschuss für den 30-jährigen Einsatz des Raumschiffs, das in dieser Zeit die Raumfahrt gehörig umkrempelte. Dafür ausschlaggebend waren riesige Investitionen, ein gehöriges Umdenken in vielen Bereichen und auch Opfer.

Mit dem Space Shuttle sollte die US-Raumfahrt gesellschaftlich auf ein ganz neues Niveau gehoben werden. Waren Reisen ins All zuvor hauptsächlich Sache weißer, männlicher Militärpiloten, nahm die NASA nun auch Frauen, Schwarze und Ausländer in sein Astronautenteam auf.

eileencollins.jpg

Eileen Collins, die erste weibliche Pilotin eines Space Shuttle

Tüfteln am Design

Die Idee, eine Mischung aus Raumschiff und Flugzeug zu bauen, ging aus Experimenten des US-Militärs und der NASA hervor. Eine Reihe ganz unterschiedlicher "X-Flugzeuge" demonstrierte, dass man ein Fluggerät mit vergleichsweise kleinen Flügeln bei mehrfacher Schallgeschwindigkeit stabil fliegen lassen konnte. Entgegen ursprünglicher Pläne wurde das Space Shuttle gar zum Gleiter, der nach dem Wiedereintritt völlig ohne Antrieb landen musste.  

Das penible Abwägen zwischen Funktion und Gewicht ergab das endgültige Design: Einen Orbiter mit Zusatztank und 2 Feststoffraketen (Booster) seitlich daran. Der große, zunächst weiß, dann orangene Tank, versorgte die 3 Haupttriebwerke des Orbiters. Treibstofftanks an Bord des Orbiters gab es lediglich für die beiden kleineren Hilfstriebwerke. Eine Spezialität, mit der es zu Beginn große Probleme gab, war der Hitzeschild des Shuttles.

damageinspection_von_iss_full.jpg

Der Hitzeschild an der Unterseite des Shuttle hielt Temperaturen von bis zu 1600 Grad beim Wiedereintritt stand

Konstruktionsfehler

Er bestand aus tausenden kleinen, besonders leichten Keramikfliesen. Nach dem ersten Flug von Columbia wurde festgestellt, dass 148 Fliesen gesprungen waren, 16 fehlten komplett. Die NASA-Techniker schafften es mit der Zeit, das Fliesenproblem in den Griff zu bekommen. Konstruktionsfehler tauchten aber auch an anderen Stellen auf und führten schließlich zur ersten großen Shuttle-Katastrophe. Am 28. Jänner 1986 explodierte die Challenger während des Aufstiegs. 7 Astronauten kamen dabei ums Leben. Es war der insgesamt 25. Flug eines Space Shuttle.

Das Unglück offenbarte viele Fehler innerhalb der NASA. Diverse Reformen waren die Folge. Erst zweieinhalb Jahre später flog wieder ein Space Shuttle ins All. Dann allerdings hatte das Programm einen beispiellosen Erfolgslauf. 1990 wurde das Weltraumteleskop Hubble ins All gebracht. Nachdem man entdeckt hatte, dass es einen Konstruktionsfehler hatte, bewies die NASA, dass man mit dem Space Shuttle auch umfassende Reparaturen im All vornehmen konnte.

Gemeinsam statt parallel

Mit dem Ende des Kalten Krieges auf der Erde erreichte auch die internationale Zusammenarbeit im All nie gekannte Höhen. 1995 dockte das Space Shuttle Atlantis an die russische Raumstation Mir an. Danach verbrachten mehrere US-Astronauten Zeit auf der Mir, umgekehrt flogen mehrere russische Kosmonauten in Space Shuttles mit. Mit dem nahenden Ende von Mir (kontrollierter Absturz 2001) kam auf die nun 4 Orbiter zählende Shuttle-Flotte eine riesige Aufgabe zu: Die Errichtung der Internationalen Raumstation.

Mit den Shuttles wurde der größte Teil der ISS, die seit 2000 bewohnt wird, errichtet. Über 150 Außenbordmissionen waren notwendig, um die Station Stück für Stück zu erweitern. Dazwischen kam die Columbia-Katastrophe. Beim Abflug des Shuttles am 16. Jänner 2003 war ein Stück Isolierschaum vom Tank abgebrochen und hatte einen Flügel des Orbiters getroffen. Der vermeintlich überschaubare Schaden erwies sich beim Wiedereintritt am 1. Februar als fatal. 7 Crewmitglieder starben. Erneut gab es eine zweieinhalbjährige Auszeit für die Shuttles.

iss_konstruktion_full.jpg

Ohne Space Shuttle wäre die Errichtung der ISS undenkbar gewesen

Schwierige Ablöse

Danach ging die Errichtung der ISS weiter. Präsident George Bush kündigte 2004 allerdings an, dass mit der Lieferung des letzten ISS-Moduls Schluss sei mit dem Space-Shuttle-Programm. Die Maschinen seien in die Jahre gekommen und es sei Zeit für ein neues Kapitel in der US-Raumfahrt. 2011 war es soweit. Der abschließende Flug der Endeavour setzte den Schlusspunkt. Die verbliebenen 3 Orbiter und der Prototyp Enterprise (der übrigens durch Drängen von Star-Trek-Fans so getauft wurde) sind nun Museumsobjekte.

Das Space Shuttle Enterprise ist im Intrepid Sea-Air-Space Museum in New York City ausgestellt

Als Nachfolgeprojekt wurde in den 2000ern das Space Launch System beworben. Mit der größten Rakete seit dem Apollo-Programm sollte die Menschheit über den Orbit hinaus zunächst zum Mond und dann auch zum Mars gelangen. Das Projekt SLS stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Bis heute hat noch kein Flug stattgefunden, 2021 oder 2022 könnte es endlich soweit sein.

endeavoursletzterflug_full.jpg

Die letzten Flüge der Space Shuttles wurde mit viel Anteilnahme verfolgt. Die Maschinen stehen nun in Museen

Elon Musk springt ein

In dem Raumschiff wird übrigens auch ein Teil des Space Shuttle stecken. Das europäische Servicemodul der Orion-Raumkapsel an der Spitze der SLS verwendet eines der Shuttle-Triebwerke.

Durch das Ende des Space Shuttles hat die US-Raumfahrt einen Dämpfer erhalten, hatte sie nun kein Raumschiff mehr, mit dem Menschen ins All fliegen konnten. Für den Transport zur und von der ISS sprang Russland ein. Seit 2020 besitzen die USA allerdings wieder ein Raumschiff. Dem strauchelnden SLS-Projekt kam SpaceX zuvor. Elon Musks Raumfahrtunternehmen hat 2020 mit dem ersten bemannten Weltraumflug der Crew-Dragon-Kapsel die Nachfolge des Space Shuttle als US-Passagiertransporter angetreten.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

David Kotrba

Ich beschäftige mit großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

mehr lesen David Kotrba

Kommentare