Business woman speaking on video call with diverse colleagues on online briefing with laptop on sofa at home.

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Digital Life

Magenta: Rekord bei Internet-Speed, aber weit weg von der Praxis

Videokonferenzen, Homeoffice, Videospiele: Dafür benötigten Österreicher*innen im letzten Jahr besonders stabiles und schnelles Internet. Dabei spürt man deutlich, wenn die eigene Internetleitung an ihre Grenzen kommt, sei es durch langsame Ladezeiten oder verpixelte Bilder bei Videotelefonie. Breitbandinternet ist in Österreich im Gigabit-Bereich nur für 38 Prozent der Haushalte verfügbar. Dabei ist vor allem im ländlichen Raum noch viel Aufholbedarf.

Währenddessen stellte Magenta heute einen Europarekord bei der Internetgeschwindigkeit auf: 2.200 Mbit/s (2,2 Gigabit) für den Download und knapp 550 Mbit/s für den Upload (beim unabhängigen RTR-Speedtest waren es immerhin noch 2.100 Mbit/s Download und 530 Mbit/s Upload). Das ist beim Download in etwa das 80-fache von dem, was der durchschnittliche österreichische Haushalt zur Verfügung hat. Demonstriert wurde das bei einer Pressekonferenz in einem modernen Wohnhaus in Wien, also unter realen Bedingungen.

Geeignete Hardware

Das ist eine erstaunliche Geschwindigkeit, mit der man etwa ein Spiel mit 50 GB Größe in 3 Minuten heruntergeladen könnte. Erreichen wird man das derzeit aber kaum, selbst wenn man in einem der 10.000 Haushalte wohnt, die diese Leistung theoretisch schon abrufen könnten.

Denn es scheitert vor allem daran, dass Computer oder Spielekonsolen die Bandbreite schlicht nicht schaffen. Benötigt werden ein spezieller Router (Magenta verwendete eine Fritzbox 6660), ein spezielles Kabel und eine spezielle Netzwerkkarte und der neue Standard Wifi 6, wenn man auch im WLAN entsprechende Zahlen wünscht. 

Mit der hohen Geschwindigkeit blickt man also eher in die Zukunft und weniger in die Gegenwart. Sobald Ultra-HD-Streaming (4K), Virtual und Augmented Reality und Cloud Gaming aber an Präsenz gewinnen, wird diese Zukunft wohl zum Standard werden. Magenta wollte dem weder ein Datum geben, noch ein Preisschild umhängen. Es werde aber "in ein paar Jahren" soweit sein, hieß es am Montag. Nach 2030 will man bereits bis zu 10 Gbit/s für Download und Upload ermöglichen. 

Österreich schlecht im EU-Schnitt

Sieht man sich Österreich im internationalen Vergleich an, wirkt das noch ambitioniert. Cable.co.uk verglich 2020 45 Europäische Staaten, hier landete Österreich mit einem Schnitt von 27,74 Mbit/s auf Platz 33. Noch schlechter schnitten unter anderem Italien, Kosovo, Vatikan und Bosnien ab.

Besonders schnell ist das Netz in kleinen Staaten wie Liechtenstein (229,98 Mbit/s) und Andorra (213,41 Mbit/s) und auch Luxemburg, Schweiz und die nordischen Länder platzierten sich vorne. Derzeit haben 81 Prozent der Haushalte in Österreich Zugang zu einer 30-Mbit-Leitung. Bis 2024 soll diese Zahl bei 91 Prozent liegen. Der Zugang zu einem 100-Mbit-Anschluss soll dann von aktuell 68 auf 77 Prozent steigen.

Auf Breitbandatlas.gv.at findet man alle Informationen.

Upload wird wichtiger

Ein langsamer Upload hat sich während der Pandemie für viele als problematisch erwiesen. Schließlich möchte man nicht nur andere gut hören und sehen, sondern selbst ein scharfes Bild senden. Das man hier gerade bei den günstigeren Tarifen mit 5 oder 10 Mbit/s Upload zu stark ausgelasteten Zeiten Schwierigkeiten bekommt, wurde im letzten Jahr vielen erstmals bewusst, vor allem wenn mehrere Personen in einem Haushalt darauf angewiesen sind. In Zukunft soll daher das Angebot für Upload-Raten größer werden.

Derzeit haben Magenta und A1 1-Gigabit-Tarife im Angebot, A1 stellte erst kürzlich neue Tarife vor. Was darüber hinaus geht, bleibt Firmen vorbehalten. Bei Magenta lässt man sich das einiges Kosten: 100 Euro werden monatlich fällig, bei A1 gibt es den Tarif nur auf Nachfrage. Ob der eigene Haushalt überhaupt eine Geschwindigkeit im Gigabit-Bereich schafft, kann man  über die Webseiten von A1 und Magenta prüfen.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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