Digital Life
23.02.2018

So verdienen Trickser mit Spotify Millionen

Mit nur 30 Sekunden langen Songs, generischen Playlists und 1.200 Fake-Accounts wurde Spotify abgezockt – ganz legal.

Eine oder mehrere Personen haben einen Weg gefunden, um mit Spotify ganz legal monatlich hunderttausende Dollar zu verdienen. Dazu wurde das Tantiemen-System ausgenutzt. Wie Music Business Worldwide berichtet, könnten die Trickser so zu Millionären geworden sein.

Dazu wurden zwei Playlists angelegt, mit sehr generischen Namen: „Soulful Music“ und „Music from The Heart“. Aus den Ländercodes ging hervor, dass diese in Bulgarien angelegt wurden. Die Playlists waren sehr erfolgreich. „Music from The Heart“ landete im September auf Platz 84 der globalen Spotify-Charts und auf Platz 22 der US-Charts. „Soulful Music“ schaffte es sogar auf Platz 35 weltweit und Platz Elf in den USA. Weil „Soulful Music“ erfolgreicher als jede Playlist der großen Musiklabels war, wurden diese misstrauisch und meldeten sie Spotify.

Der Verdacht schien begründet. „ Soulful Music“ enthielt 467 Songs, was ungewöhnlich viel ist. Noch dazu waren die Tracks darin durchgehend von unbekannten Künstlern. Viele Tracks dauerten zudem gerade Mal etwas länger als 30 Sekunden – die Mindestlänge, um von Spotify Tantiemen dafür zu erhalten. Außerdem folgten lediglich 1.797 Personen der Liste. Laut Insider-Berichten hörten die Liste aber nur 1.200 Personen regelmäßig – dafür aber sehr konstant.

Fake Accounts

Damit die Playlist im Ranking so hoch hinaufkommt, hätten die 1.200 Personen ununterbrochen, 24 Stunden am Tag, die Musik hören müssen – was eher unwahrscheinlich ist. Es deutet alles daraufhin hin, dass die bulgarischen Trickser 1.200 Spotify-Premium-Accounts angelegt haben. Diese haben dann die Playlist rund um die Uhr in Dauerschleife angehört.

Bei einem Preis von 10 US-Dollar pro Premium-Konto haben die Trickser Ausgaben von 12.000 US-Dollar monatlich. Bei den Songs handelt es sich vermutlich um Royalty-Free-Tracks von Musikkatalogen, deren Lizenzen legal gekauft wurden. Wieviel dafür bezahlt wurde, ist nicht bekannt.

72 Millionen Songs

Wie Music Business Worldwide berechnet hat, konnten die 1.200 Accounts 72 Millionen Songs auf der „Soulful Music“-Playlist pro Monat abspielen. Bei Tantiemen von 0,004 US-Dollar ergibt das Einnahmen von rund 288.000 US-Dollar. Falls die Trickser Bots genutzt haben, die nach 30 Sekunden automatisch zum nächsten Song der Playlists springen, sind es sogar 415.000 US-Dollar pro Monat.

Die Playlist soll vier Monate online gewesen sein. Mit der zweiten Playlist, „Music from The Heart“, wurde vermutlich ähnlich viel eingenommen. In den vier Monaten, in denen die Playlists online waren, haben die Trickser also potenziell mehr als eine Million US-Dollar eingenommen.

Getarnt

Die durchschnittliche Trackdauer der Songs in der PlaylistSoulful Music“ war 43 Sekunden. Der Grund warum die Trickser nicht alle Songs in der Playlist von Beginn an auf genau 30 Sekunden gekürzt haben, ist die Tarnung. Am Anfang der Playlist waren längere Songs, damit der Trick nicht sofort auffällt. Hätten die Trickser weniger Spotify-Accounts eingesetzt, wäre die Playlist dadurch nicht in die Top-10-Nähe der US-Charts gerückt und der Trick vermutlich bis jetzt nicht aufgedeckt worden.

Spotify hat nach der Beschwerde der Musiklabels die meisten Songs in den zwei Playlists im Oktober 2017 gelöscht. Die Playlists sind danach aus den Top-100-Charts verschwunden. Etwas Illegales haben die Trickser jedenfalls nicht gemacht. Spotify nennt das Verhalten „künstliche Manipulation der Streaming-Aktivität“. Man werde die Methoden zum Erkennen und Entfernen solcher Manipulationen verbessern. Wie lange Trickser mit dieser Methode schon Tantiemen abkassieren und wie viele es davon weltweilt gibt, ist nicht bekannt.