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Citroën ë-C4 im Test: Luxuriöses Fahrgefühl, günstiger Preis

Das französische Elektroauto kann in vielen Belangen überzeugen. Bei manchen Funktionen wäre aber deutlich mehr drin.

Der Citroën ë-C4 ist als Kompaktlimouse mit SUV-Ansätzen konzipiert. Er spielt mit seinen Maßen in der Liga des VW Golf. Neben dem zeitgemäßen Design lockt das französische E-Auto mit einer ausgeklügelten Ausstattung, einem Fahrgefühl der Oberklasse, zahlreichen Fahrassistenzsystemen und einigen smarten Funktionen.

Wir konnten den Citroën ë-C4 einige Tage Probefahren und haben uns angesehen, ob das Elektroauto hält, was es verspricht.

Das Cockpit

Das Cockpit ist geprägt von 3 Displays. Der kleinere Bildschirm hinter dem Lenkrad ersetzt die klassische Instrumententafel und zeigt die zentralen Fahrdaten an. Was dort angezeigt wird, kann individuell eingestellt werden. Selbiges gilt für das Head-up-Display.

Über den größeren 10-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole werden sämtliche Funktionen des Fahrzeugs sowie das Infotainmentsystem gesteuert. Physische Schalter und Tasten gibt es im Grunde nur am Lenkrad sowie in der Mittelkonsole zum Steuern der Klimaanlage. Direkt am Lenkrad können auch die Fahrassistenzfunktionen reguliert werden.

Praktisch ist die Ablage für das Smartphone in der Mittelkonsole, die gleichzeitig eine kabellose Ladestation ist. Daneben befinden sich noch 2 USB-Ports - USB-C und USB-A.

Infotainmentsystem

Grundsätzlich lassen sich alle Funktionen des ë-C4 selbsterklärend über den Touchscreen in der Mittelkonsole bedienen. Die Bedienung erinnert ein wenig an Smartphones und sollte selbst für unerfahrene Nutzer kein Problem darstellen.

Musik kann neben dem klassischen Radio auch per Bluetooth und USB gehört werden. Musik-Streaming-Services sind im Infotainmentsystem nicht direkt integriert.

Navigationssystem mit Lücken

Wie bei den meisten Fahrzeugen hat auch das Navigationssystem des Citroën ë-C4 einige Nachteile, sofern man es mit populären Landkarten-Apps am Smartphone vergleicht. Hat man nicht die exakte Adresse bei der Hand, ist das Auffinden von Restaurants, Parkhäusern oder anderen wichtigen Punkten ein reines Glücksspiel, bei dem man meistens enttäuscht wird.

Sucht man beispielsweise nach der Park-and-Ride-Anlage in Wien Hütteldorf ist es notwendig die Adresse des Parkhauses in das Navigationssystem einzugeben. Das Suchen nach "Park & Ride", "Park and Ride", "P&R" oder ähnlichen Kombinationen führt nicht zum passenden Ergebnis.

Als Alternative können Parkplätze über die P-Symbole auf der Landkarte gesucht und angesteuert werden. Dabei wird man allerdings schnell feststellen, dass die Landkarte des Navigationssystem nicht für ein solches Suchen ausgelegt ist: Die Landkarte baut sich relativ langsam auf und die Perspektive von schräg-oben ist der Übersichtlichkeit nicht sonderlich dienlich.

Auf dieselbe Weise werden auf der Landkarte auch Ladestationen in der Nähe angezeigt. Leider ist es aber nicht möglich, weiterführende Informationen zur jeweiligen Ladestation über das Navigationssystem herauszufinden. Information über Öffnungszeiten, Verfügbarkeit, Anbieter und vor allem über die mögliche Ladeleistung wären für die Entscheidung, welche Ladestation man ansteuern soll, allerdings zentral.

Hat man schließlich ein Ziel gefunden, sind die Ansagen, Angaben und Streckenführung des Navigationssystem eindeutig und unmissverständlich. Vor Radarboxen entlang der Strecke wird man gewarnt, allerdings nicht vor Staus und aktuellen Verkehrsbehinderungen.

Ladestopps während der Fahrt

Gibt man in das Navigationssystem eine Route ein, werden die aktuelle Reichweite und eventuell notwendige Ladestopps bei der Routenführung nicht berücksichtigt. Hier ist man als ë-C4-Fahrer auf sich alleine gestellt.

Auch wenn man mit der dazugehörigen Smartphone-App eine Route erstellt und an das Auto sendet, gibt es keine Möglichkeit, die notwendigen Ladestopps miteinzuberechnen.

Android Auto und Apple CarPlay

Wer die Inhalte seines Smartphones auf den Screen in der Mittelkonsole bringen will, kann dies mittels Android Auto und Apple CarPlay machen. Um Android Auto nutzen zu können, ist eine Kabelverbindung per USB-C notwendig. Kabellos kann Android Auto nicht genutzt werden.

Einmal in Betrieb genommen, werden die Android-Auto-Inhalte schön integriert auf dem Touchscreen angezeigt. An den Rändern des Bildschirms bleibt dabei die Anzeige für die Klimaanlage sichtbar.

Fahrgefühl

Bei der ersten Ausfahrt mit dem Citroën ë-C4 merkt man schnell, dass in dem Fahrzeug einiges an Raffinesse steckt: Der Schallschutz für den Innenraum reduziert die Lärmbelästigung auf ein Minimum und die spezielle Federung sorgt für ein äußerst komfortables Fahrgefühl.

Der ë-C4 lässt sich wunderbar Fahren und wirkt trotz des Leergewichts von rund 1.600 Kilogramm weder behäbig noch schwerfällig. Auch die zahlreichen Fahrassistenzsysteme tragen maßgeblich zu dem angenehmen Fahrgefühl bei.

Technische Daten

Citroen ë-C4 

Leistung: 100 kW / 136 PS
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,7 s

Drehmoment: 260 Nm
Antriebsart: Front
Leergewicht: rund 1.600 kg

Akku-Kapazität: 50 kWh
Reichweite: maximal 352 km (WLTP)

Ladeanschluss: Typ 2, CCS
Ladeleistung: maximal 100 kW

Preis: ab 29.990 Euro

Fahrassistenzsystem

Beim Einparken helfen die klassische Rückfahrkamera sowie die schematische Von-Oben-Ansicht. Der adaptive Tempomat sorgt nicht nur auf der Autobahn für ein entspanntes Cruisen. Auch im Stadtverkehr ist es praktisch, wenn das Fahrzeug automatisch Abstand zum Vorderfahrzeug hält.

Auf der Autobahn kann der Spurhalteassistent - manche sagen Autopilot dazu - seine volle Stärke ausspielen. In Kombination mit dem adaptiven Geschwindigkeitsregler werden die Autobahnfahrten deutlich stressfreier, weil einem das Auto viel an Arbeit abnimmt.

An seine Grenzen stößt der Spurhalteassistent, wenn die Begrenzungslinien der Fahrbahn nicht eindeutig sind. Etwa bei Abbiegespuren, Baustellen oder auch auf Landstraßen oder im Ortsgebiet.  

Aktivierter Spurhalteassistent am Head-up-Display

Leistung und Beschleunigung

Der Elektromotor bringt eine Leistung von 100 kW (136 PS) auf die Straße. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der ë-C4 in 9,7 Sekunden. Für Elektroauto-Verhältnisse ist das nicht unbedingt ein Spitzenwert, für eine spritzige und sportliche Fahrweise reicht das aber allemal.

Mit diesen Beschleunigungswerten ist der ë-C4 im Stadtverkehr, bei etwaigen Überholmanövern oder beim Start an roten Ampeln, bestens gerüstet. Die für Elektroautos typische, kompromisslose und unmittelbare Beschleunigung trägt hier dazu bei.

Reichweite

Die Batterie hat eine Kapazität von 50 kWh. Damit soll der ë-C4 bis zu 350 Kilometer weit kommen. In der Regel reduziert sich die Reichweite allerdings recht stark und hängt von mehreren Faktoren ab - etwa Außentemperatur, Fahrweise oder Streckenbeschaffenheit.

Um einen ungefähren Eindruck zu bekommen, wie weit es der ë-C4 unter bestimmten Umständen schafft, stellt Citroën einen Reichweitenrechner zur Verfügung, bei dem die zentralen Parameter eingestellt werden können. Bei den Testfahrten hat sich gezeigt, dass dies auch ungefähr mit der realen Reichweite übereinstimmt.

Berechnung der Reichweite während der Fahrt

Die Berechnung der Restreichweite in Echtzeit während der Fahrt war während der Testfahrten leider nicht zuverlässig und variierte zum Teil recht stark.

Ein Beispiel: Südlich von Wien zeigte das Navi 47 Kilometer bis zum Zielort, die Restreichweite wurde zu diesem Zeitpunkt mit 138 Kilometer angegeben. Bei einer Außentemperatur von 12 Grad Celsius gemütlich über die Autobahn (meist mit Tempomat zwischen 100 und 120 km/h) und im Stadtgebiet, zeigte die Restreichweite allerdings nur mehr 58 Kilometer am Zielort an. Laut der ursprünglichen Berechnung hätte die Restreichweite am Zielort 91 Kilometer betragen müssen.

Verbrauch

Als durchschnittlichen Verbrauch gibt Citroën rund 16 kWh auf 100 Kilometer an. Fährt man mit dem Tempomat bei einer Geschwindigkeit von rund 110 km/h über die Autobahn, ist der Verbrauch etwas niedriger. Spritzig im Stadtgebiet unterwegs, steigt der Verbrauch deutlich über 20 kWh/100 km.

In den Statistiken, die im Infotainmentsystem ausgewiesen werden, lässt sich der Verbrauch auslesen. Bei der gemischten Form - Autobahn und Stadtgebiet - zeigte der Verbrauch 18,9 kWh/100 km. Nur im Stadtgebiet mit einigen sportlichen Starts wurden 23,6 kWh/100 km angezeigt.

Aufladen

Der Citroën ë-C4 kann an einer entsprechenden Ladesäule mit einer Leistung von maximal 100 kW aufgeladen werden. Laut Herstellerangabe sollte damit ein Akkustand von 80 Prozent in 30 Minuten erreicht werden können. Leider war es im Testzeitraum nicht möglich, eine Ladesäule anzufahren, die diese Ladeleistung tatsächlich bereitstellen konnte.

Auch wenn die theoretische und maximale Ladeleistung der verwendeten Ladestationen mit 100 kW angegeben war, wurde die tatsächliche Ladeleistung meist durch andere Fahrzeuge, die an derselben Ladesäule hingen, gemindert. Insofern dauerte das Laden des ë-C4 deutlich länger als die angegeben Werte.

Zeitversetztes Laden kann im Fahrzeug am Touchscreen eingestellt werden. Ladekabel finden im Unterboden des Kofferraums unter einer zusätzlichen Abdeckung einen idealen Ort zur Aufbewahrung. Je nach Fahrweise wird beim Bremsen auch etwas an Energie zurückgewonnen.

Statistiken über Fahrweise und Laden

Zwar werden einige Informationen über Verbrauch und Laden im Infotainmentsystem des Fahrzeugs angezeigt. Eine ausführliche Auflistung der einzelnen Details über einen längeren Zeitraum ist weder im Auto selbst noch in der dazugehörigen App zu finden.

Da ich mir derartige Statistiken immer gerne ansehe, würde ich mir hier etwas mehr Informationen über das Fahrverhalten, Verbrauch und Ladestatistik wünschen. Auch im Hinblick auf eine effizientere Fahrweise wären solche Details hilfreich.

Die App

Zu seinen Fahrzeugen bietet der Autobauer seine "My Citroën"-App. Die Verbindung mit dem Fahrzeug klappt unkompliziert und auf Anhieb. Auch die App selbst ist übersichtlich und selbsterklärend gestaltet. Nur beim Inhalt spießt es sich ein bisschen.

Das beginnt bereits mit der Verbindung zwischen Fahrzeug und App. Denn diese wird lediglich über Bluetooth aufgebaut und nicht über das Internet. Eine Verbindung zum Auto ist also nur in räumlicher Nähe möglich.

Den aktuellen Standort des Fahrzeugs anzeigen funktioniert insofern nicht, da die App einfach den Standort des Smartphones anzeigt. 

Unter dem vielversprechenden Menüpunkt "Meine Route vorbereiten" lässt sich lediglich ein Ziel auswählen, das dann an das Fahrzeug gesendet werden kann. Eine tatsächliche Route mit Zwischenstopps zum Laden oder ähnliches lässt sich hier nicht vorbereiten. Am praktischsten ist noch die Fahrtenbuch-Funktion. 

Enttäuschend ist, dass beim durchschnittlichen Verbrauch der einzelnen Fahrten Elektroautos überhaupt nicht berücksichtigt werden. Hier gibt es ausschließlich eine "Liter pro 100 Kilometer"-Anzeige.

Abgesehen davon beinhaltet die App noch eine Bedienungsanleitung, Hinweise auf anstehende Wartungstermine und die Anleitung, wie man das Infotainment-System des Fahrzeugs aktualisieren kann. Allerdings passiert dies nicht Over-the-Air, sondern mittels zuvor vorbereiteten USB-Sticks.

Fazit

Unterm Strich ist der Citroën ë-C4 ein relativ kompaktes E-Auto zu einem annehmbaren Preis, das einige Funktionen aus der Oberklasse bereit hält. Vor allem die Fahrassistenzsysteme, das luxuriös anmutende Fahrgefühl und das Design konnten mich beim französischen E-Auto durch und durch überzeugen.

Aufholbedarf gibt es allerdings bei den smarten Funktionen im Infotainmentsystem und bei der dazugehörigen Smartphone-App. Vor allem die lückenhaften (Meta)-Daten und die umständliche Suche im Navigationssystem sind für die Smartphone-Generation so manches Mal ein Ärgernis.

Pro & Contra

Pro

  • Zeitgemäßes Design
  • Angenehmes Fahrgefühl
  • Luxuriöse Ausstattung für diese Preisklasse
  • Top Fahrassistenzsysteme
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra

  • Reichweite könnte mehr sein
  • Navigationssystem mit Lücke
  • Bessere Integration der Ladeinfrastruktur in das Infotainmentsystem
  • Mehr Statistiken wünschenswert
  • Großer Aufholbedarf bei der App

In Sachen Elektromobilität gäbe es auch noch hie und da Verbesserungsbedarf: Praktisch wäre vor allem, wenn Reichweite sowie Ladestopps in der Routenplanung berücksichtigt würden. Auch wäre es wünschenswert direkt im Fahrzeug mehr Informationen über nahegelegenen Ladestationen abzubilden.

Die Motorisierung ist mehr als ausreichend, die Reichweite könnte aber ruhig etwas höher sein. Je nach Mobilitätsgewohnheiten und -ansprüchen sind die rund 300 Kilometer, die der ë-C4 mit einer Akkuladung schafft, für die allermeisten Autofahrer akzeptabel. 

Aktuell wird der Citroën ë-C4 zu einem Preis ab 29.990 Euro angeboten. Zieht man die möglichen Förderungen ab, bekommt man mit dem ë-C4 ein ansprechendes E-Auto zu einem vergleichsweise günstigen Preis.

Neues Infotainmentsystem angekündigt

Bleibt abzuwarten, ob Citroën die Kritikpunkte am Infotainmentsystem demnächst beheben wird. Denn der französische Autohersteller hat erst kürzlich ein komplett überarbeitetes Infotainmentsystem für seine Fahrzeuge angekündigt

"Im Grunde will man ins Auto einsteigen, sein Handy ablegen und alle Funktionen ohne Bruch weiterverwenden. Das ist das Ziel des neuen Systems", sagte CEO Vinent Cobée bei der Präsentation. Es bleibt also spannend.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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