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02/26/2019

Faltbares Smartphone Royole FlexPai im Kurztest

Das biegbare Gerät war auf der Handy-Messe in Barcelona das einzige, das auch ausprobiert werden konnte.

von Florian Christof

Im November vergangenen Jahres hat der bisher unbekannte Hersteller flexibler Displays, Royole, das erste faltbare Handy präsentiert und damit den Smartphone-Platzhirschen die Show gestohlen. Anders als Huawei, TCL, Oppo oder Samsung hat Royole sein faltbares Smartphone namens FlexPai beim Mobile World Congress in Barcelona interessierten Besuchern auch ausprobieren lassen. Und genau das habe ich gemacht.

Nimmt man zum ersten Mal ein faltbares Smartphone in die Hand wirkt es recht ungewohnt, das Display nach hinten zu biegen, zumal man ordentlich zupacken muss. Dass sich das FlexPai etwas schwer biegen lässt hat auch einen guten Grund, denn andernfalls würde sich das Gerät im Tablet-Modus nicht wirklich verwenden lassen. 200.000 Mal soll sich das FlexPai falten lassen, ohne dass das Display dabei Schäden nimmt, erklärt ein Unternehmenssprecher.

Nicht hosentaschentauglich

Dass sich der flexible OLED-Screen nicht hinter Glas, sondern hinter einer transparenten Plastikschicht befindet, fühlt sich eigenartig an - völlig anders als der Touchscreen bei Tablets oder Smartphones. Trotz des Plastiks lässt sich der Touchscreen aber wie gewohnt bedienen und reagiert unmissverständlich auf die Eingaben.

An der Stelle wo das Display knickt, bleibt im gefaltenen Smartphone-Modus ein recht großer Spalt. Was anfangs verbesserungswürdig aussieht, entpuppt sich bei der Handhabung als gar nicht mal so unpraktisch. Denn dadurch liegt das FlexPai als Smartphone gut in der Hand. Will man es allerdings in die Hosentasche stecken, wünscht man sich wieder, dass sich das flexible Gerät ohne großen Spalt falten ließe. Hosentaschentauglich ist das FlexPai wirklich nicht.

Software noch nicht ausgereift

Große Schwachstelle des faltbaren Royole-Gerätes ist die Software. Es wirkt so, als würde die Benutzeroberfläche Water OS, die auf Android 9.0 basiert, nicht wirklich wissen, wie sie auf falten, biegen und drehen reagieren soll. Royole ist das natürlich bewusst, wie der Unternehmenssprecher sagt. Daher liefert das Unternehmen außerhalb Chinas ausschließlich Entwicklerversionen des Geräts aus. Wohl in der Hoffnung, dass Software-Developer brauchbare Neuerungen und Features für die Software und die passenden Apps liefern.

In einer marktfähigen Version soll sich das Display das FlexPai im Smartphone-Modus dann in drei Teile aufteilen: Die zwei größeren Screens sowie ein kleinerer, schmaler Bildschirm an der Stelle wo das Gerät gefalten wird. Hier könnten etwa Notifications oder die Steuerung des Musik-Players angezeigt werden.

Auch am Faltmechanismus arbeite FlexPai noch, so der Unternehmenssprecher. Derzeit ist dieser lediglich durch einen Gummiüberzug geschützt und wirkt mehr improvisiert als durchdacht.

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Technische Spezifikationen

Das flexible AMOLED-Display der aktuellen FlexPai-Version misst im Tablet-Modus 7,8 Zoll und löst mit 1920x1440 Pixel auf. Es setzt auf einen Qualcomm Snapdragon 855 und kommt mit 6 oder 8 GB RAM und 128 oder 256 GB internen Speicher, welcher per MicroSD-Card erweitert werden kann. Die 16-MP- und 20-MP-Kameras sind im Rahmen des Geräts untergebracht.

Erster Eindruck

Das FlexPai von Royole wurde bei frühen Tests völlig zerrissen, was dem Pioniergerät etwas unrecht tut. Auch wenn das faltbare Smartphone bei weitem noch nicht ausgereift ist und in dieser Art wohl kaum Käufer finden wird, war der Eindruck gar nicht mal so schlecht. Ob ein es tatsächlich alltagstauglich ist und entsprechende Anwendungsszenarien vorhanden sind, darf bezweifelt werden: "Nett aber furchtbar" trifft es recht gut.