Huawei Mate 50 Pro

Huawei Mate 50 Pro

© Florian Christof

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Huawei Mate 50 Pro im Test: Kamera-König und Software-Flop

Das Huawei Mate 50 Pro beweist, dass eine perfekte Hardware noch lange kein gelungenes Smartphone ausmacht.

Mit dem Mate 50 Pro schickt Huawei wieder ein Spitzenmodell-Gerät ins Rennen. Die technischen Spezifikationen sind mit anderen Spitzengeräten vergleichbar und stellen diese zum Teil sogar in den Schatten - vor allem was die Kamera betrifft.

Auf der Software-Seite bleibt allerdings alles beim Alten: Während Google-Apps weiterhin nicht auf Huawei-Smartphones verfügbar sind, arbeitet der Hersteller am Aufbau eines eigenen Ökosystems. Wie es darum steht und wie sich die Kamera schlägt, habe ich mir angesehen.

Pro & Contra

Pro

  • Einwandfreie Hardware
  • Makellose Fotoqualität
  • Hohe Videoqualität
  • Hochwertiges Display

Contra

  • Design ist in die Jahre gekommen
  • Keine Google-Apps
  • Schlechte Auswahl an Apps
  • Betriebssystem weit hinter der Konkurrenz
  • Kein 5G

Formfaktor und breiter Notch

Das Huawei Mate 50 Pro hat eine besonders glatte und verspiegelte Rückseite, sodass das Gerät ziemlich rutschig ist. Das Display zieht sich leicht über die seitlichen Ränder, zu unabsichtlichen Eingaben kommt es deswegen aber nicht.

Geprägt ist das Handy von dem riesigen, kreisrunden Kamera-Modul auf der Rückseite und dem breiten Balken-Notch im Display. In dieser Bildschirmeinkerbung befinden sich die Selfie-Kamera und Sensoren, die ein sicheres Entsperren mittels Gesichtserkennung ermöglichen sollen.

Abgesehen davon ist das Design des Mate 50 Pro nahezu deckungsgleich mit dem Huawei P50 Pro. Auch bei den allermeisten technischen Spezifikationen gibt es keine Unterschiede - beispielsweise bei Display, Ladeleistung und der Konnektivität.

Die Front des Huawei Mate 50 Pro

Display und Design

Die Farben des Displays kommen natürlich rüber, der Kontrast ist einwandfrei und die 120 Hz tragen das ihrige zur flüssigen Darstellung bei. Auch die maximale Helligkeit ist ausreichend, einen Nits-Wert stellt Huawei aber nicht zur Verfügung.

Verglichen mit anderen aktuellen Spitzengeräten wirken die rundliche Optik, das leicht über die Ränder ragende Display sowie die abgeschrägten Flächen etwas in die Jahre gekommen. Mittlerweile setzen nämlich die meisten Hersteller wieder auf ein kantiges Design - vorangetrieben wohl durch das iPhone.

Technische Spezifikationen

Huawei Mate 50 Pro

  • Maße und Gewicht: 162,1 x 75,5 x 8,5 mm, 209 Gramm
  • Display: 6,74 Zoll, OLED, 120 Hz, 1.212 x 2.616 Pixel, 428 ppi
  • Kamera:
    • 50 MP Hauptkamera: f/1.4 bis f/4.0, PDAF, Laser AF, OIS
    • 64 MP Teleobjektiv: f/3,5, PDAF, OIS, 3,5-facher optischer Zoom
    • 13 MP Weitwinkelkamera: f/2,2, PDAF
    • Video: 4K@60fps, 1080p@240
  • Selfie-Kamera: 13 MP, f/2,4, 4K@60fps, 1080p@240fps
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 8+ Gen 1 4G (4 nm)
  • Speicher: 8/256 GB, UFS 3.1
  • Akku: 4.700 mAh, 60 Watt Charging, kabelloses Laden mit maximal 50 Watt
  • Software: Android, EMUI 13, keine Google-Dienste
  • Sonstiges: kein 5G, NFC, Wlan 802.11 a/b/g/n/ac/6, Bluetooth 5.2, microSD-Card-Slot bis 256 GB, kein Kopfhöreranschluss, Wasserschutz gemäß IP68
  • Farben: Black, Silver
  • Preis: 1.299 Euro (UVP), gesehen ab 1.166 Euro

Variable Blende der Hauptkamera

Highlight des Mate 50 Pro ist die variable Blende der Hauptkamera. Diese "echte" Blende kann zwischen f/1.4 und f/4.0 in 10 Abstufungen gewählt werden. Ermöglicht wird dadurch eine besonders natürlich wirkende Tiefenunschärfe.

Abgesehen von der variablen Blende gibt es keinen nennenswerten Weiterentwicklungen gegenüber der Kamera des P50 Pro: 50-MP-Hauptkamera, 13-MP-Weitwinkel und 64-MP-Zoom-Objektiv mit 3,5-facher Vergrößerung. Eigentlich sitzen auf dem Kameramodul 4 Linsen, doch über das vierte Objektiv gibt es auf der Huawei-Website keine Angaben. Jedenfalls handelt es sich um einen "Proximity Light Sensor". 

Besonders hohe Fotoqualität

Bei der Fotoqualität lässt Huawei seine Muskeln spielen. Dementsprechend bewerten die Expert*innen von Dxomark die Kamera des Mate 50 Pro als beste derzeit erhältliche Smartphone-Kamera, was die Fotoqualität betrifft. Bei der Videoqualität liegt das iPhone 14 Pro Max deutlich vor dem Huawei-Handy.

Nimmt man die ersten Bilder mit dem Mate 50 Pro auf, wird man Dxomark schnell zustimmen. An den Fotos gibt es nämlich kaum etwas auszusetzen: Der Dynamikumfang ist hoch, die Belichtung einwandfrei, die Schärfe passt und die Details kommen gut zur Geltung. Kurzum: Das Mate 50 Pro nimmt einfach wunderschöne Fotos auf.

Porträtmodus, Zoom und Weitwinkel

Überzeugende Ergebnisse liefert auch der Porträtmodus - allerdings nur mit der Hauptkamera. Bei der Selfie-Kamera wird im Porträtmodus der Hintergrund nämlich kaum unscharf dargestellt. Außerdem lässt sich bei Selfies die Hintergrundunschärfe im Nachhinein nicht anpassen. Bei der Hauptkamera ist das hingegen möglich.

Ähnlich gute Fotos sind mit dem Weitwinkelobjektiv möglich, bei dem es keine nennenswerten Abstriche bei der Qualität gibt, sodass die Weitwinkelbilder tatsächlich mit jenen der Hauptkamera vergleichbar sind. Auch beim Zoom-Objektiv mit seiner 3,5-fachen optischen Vergrößerung werden die Details bewahrt, sodass damit ebenso wunderbare Bilder möglich sind.

Besonders praktisch ist dabei "Gebäude anpassen"-Funktion im integrierten Foto-Editor. Dieses Feature kann Gebäude, die durch den Weitwinkel verzerrt dargestellt werden, begradigen. Im Test hat das wunderbar funktioniert.

Huawei Mate 50 Pro: Die originale Weitwinkelaufnahme (links) / dieselbe Aufnahme begradigt mithilfe des Foto-Editor 

Die variable Blende

Bei der Hauptkamera kann die Blende physisch verändert werden: 10-stufig zwischen f/1.4 und f/4.0 - je kleiner die Blendenzahl, desto unschärfer der Hintergrund.

Dafür gibt es einen eigenen Kameramodus namens "Blende". Neben der Tiefenunschärfe fallen auch einige Unterschiede bei der Belichtung auf, wenn man "Blenden"-Fotos mit Aufnahmen im Standardmodus vergleicht.

Die nachträgliche und automatische Bildkorrektur im Standardmodus verleiht den Fotos nämlich eine ausgewogene Belichtung, bei der versucht wird, alle Teile des Bildes entsprechend zu belichten. Bei "Blenden"-Fotos passiert dies nicht in dieser Art, sodass manche Bildbereiche zu dunkel beziehungsweise zu hell erscheinen. 

Man sollte das allerdings nicht als Fehler, sondern eher als Feature sehen. Denn dadurch können besonders natürlich wirkende Tiefeneffekte erzeugt werden. Am besten ist natürlich, wenn man beide Modi - manuelle Blende als auch Standardmodus - ausprobiert und sich je nach Komposition für das bessere Bild entscheidet. Riesige Unterschiede zwischen den beiden Modi sind allerdings meist nicht auszumachen.

Huawei Mate 50 Pro: Vergleichsbilder mit variabler Blende

Nachtmodus mit hoher Qualität

Der Nachtmodus bei der Hauptkamera bringt hervorragende Bilder zum Vorschein. Wobei mir die automatische Nachbearbeitung zum Teil etwas zu weit geht - vor allem bei den HDR-Effekten. Aber das ist reine Geschmackssache.

In Sachen Nachtfotografie ist das Huawei Mate 50 Pro den allermeisten Konkurrenzgeräten einiges voraus. Bei Schärfe, Detailgenauigkeit und Lichterstärke kann kaum ein anderes Smartphone dem Huawei-Flaggschiff das Wasser reichen.

Auch der Porträtmodus schafft es, bei Dunkelheit ansprechende Bilder anzufertigen. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die abgelichtete Person möglichst nicht bewegt. Nachtmodus und Porträtmodus können übrigens nicht miteinander kombiniert werden.

Vom Weitwinkel und vom Zoom lässt man im Nachtmodus besser die Finger. Zwar gelingen damit die einen oder anderen Schnappschüsse, die Qualitätseinbußen gegenüber der Hauptkamera sind allerdings ziemlich eklatant.

Huawei Mate 50 Pro: Fotos im Nachtmodus

Hohe Videoqualität

Ausgezeichnet ist auch die Videoqualität des Mate 50 Pro: Bildrauschen bei Kameraschwenks ist kaum zu vernehmen und mit Licht-Schatten-Wechseln kann das Gerät ebenso gut umgehen. Der Steady-Modus beugt Verwackelungen effizient vor und bewahrt gleichzeitig ein natürliches Bild.

Leider hat sich Huawei von der Superzeitlupe verabschiedet. Das Mate 30 Pro oder das P40 Pro konnten noch Videos mit 7.680 fps aufnehmen, was teils spektakuläre Clips ermöglichte. Beim Huawei Mate 50 Pro ist bei 240 fps Schluss.

Akku und Prozessor

Der Akku liegt im Durchschnitt und hält je nach Screentime mit ziemlicher Sicherheit einen ganzen Tag durch. Das Aufladen geht vergleichsweise rasch über die Bühne: kabelgebunden mit maximal 60 Watt, kabellos mit maximal 50 Watt.

Bei der Leistungsstärke braucht man sich mit dem Snapdragon 8+ Gen 1 keine Sorgen machen. Abstriche muss man aufgrund der US-Sanktionen aber beim Mobilfunk hinnehmen: Das Mate 50 Pro hat nämlich keine 5G-Funktionalität.

Das Entsperren mittels Gesichtsscan funktioniert einwandfrei und in wenigen Augenblicken. Ähnlich zuverlässig und schnell ist der Fingerabdrucksensor, der im Display integriert ist.

Wo bleibt HarmonyOS?

Das Betriebssystem ist von Inkonsistenzen durchzogen, die nicht dazu beitragen, der Software einen Vertrauensvorschuss zu geben. Hinzu kommen Ankündigungen, die nicht gehalten wurden und damit ebenso die Vertrauenswürdigkeit in Frage stellen.

Beispielsweise hat Huawei kurz nach Inkrafttreten des Android-Banns davon gesprochen, ein alternatives Betriebssystem in der Schublade zu haben. Es sei nur eine Frage von Monaten, bis ein eigenes Betriebssystem zum Einsatz kommen wird, hieß es im März 2019.

Das war allerdings ein Bluff. Herausgekommen ist HarmonyOS, das weitgehend auf der quelloffenen Version von Android basiert und auf die HMS (Huawei Mobile Services) zurückgreift.

Offiziell präsentiert wurde HarmonyOS im Juni 2021. Zum Einsatz kommt das Huawei-Betriebssystem allerdings nur auf Geräten, die in China am Markt sind. Huawei-Smartphones in Europa laufen noch immer nicht unter HarmonyOS und bedienen sich stattdessen einer abgewandelten Android-Version, die keine eigene Bezeichnung hat.

Wann die Huawei-Handys hierzulande mit HarmonyOS ausgestattet werden, ist unklar. Eine konkrete Angabe hierzu gibt es nicht. Zum Einsatz kommt jedenfalls die Huawei-Benutzeroberfläche EMUI 13.

Apps installieren ist mühsam

Google-Apps sind nach wie vor nicht auf Huawei-Handys verfügbar - also auch kein Play Store. Um Apps herunterladen zu können, ist die Huawei App Gallery die erste Anlaufstelle. Diese ist allerdings noch immer ziemlich lückenhaft.

Sollte eine App im Huawei-App-Store nicht verfügbar sein, werden in den dortigen Suchergebnissen auch Drittanbieter-App-Stores angezeigt, von denen man sich die App holen kann. Wie sicher es ist eine APK aus einem diesen App-Stores zu installieren, sei dahingestellt.

Auf solche externen App-Stores zurückzugreifen, kann ich an dieser Stelle nicht empfehlen. Keinesfalls sollte man Anwendungen aus solchen Quellen nutzen, wenn dort Kreditkartendaten oder sensible persönliche Daten hinterlegt werden oder weitreichende Berechtigungen von den jeweiligen Apps verlangt werden.

Spotify kann nur über externe App-Stores installiert werden - in diesem Fall wird AppParks vorgeschlagen. Warum die Suche in der App-Gallery bei der Suche "Spotify" auch Autodoc und Booking.com vorschlägt, bleibt ein Rätsel.

Mühsames Updaten

Auch wenn man über diese App-Stores theoretisch nahezu alle möglichen Anwendungen installieren kann, ist der Installationsprozess ziemlich mühsam. Es sind zum Teil zahlreiche Einwilligungen sowie Bestätigungen notwendig und man wird vielfach von irgendwelchen Werbeeinblendungen bzw. Pop-Ups belästigt.

Mühsam ist auch das Updaten von Apps aus externen App-Stores. Dies funktioniert nämlich nicht vollautomatisch, sondern verlangt eine komplette Neuinstallation der jeweiligen Anwendung.

Huawei App Gallery: Auswahl ist gleichgeblieben

Im Jänner 2021 habe ich mir in diesem Artikel angesehen, wie es um die Verfügbarkeit der gängigsten Apps steht. Ein Jahr später habe ich dasselbe nun noch einmal gemacht und festgestellt, dass sich seither kaum etwas geändert hat.

Einige Apps sind im vergangenen Jahr aus dem Huawei-App-Store verschwunden (zB Geizhals und Austrian Airlines), manche sind neu hinzugekommen (zB Microsoft Office und Outlook).

Eine Auflistung, welche der gängigsten Apps in der Huawei App Gallery vorhanden ist und welche nur aus Drittanbieter-App-Stores bezogen werden kann, ist im nachfolgenden Info-Kasten zu finden. (Zum Ausklappen der Infobox auf den Pfeil klicken)

Apps im Überblick

Auf Pfeil klicken, um Liste zu öffnen / schließen

Im Huawei-App-Store verfügbar

  • TikTok
  • Snapchat
  • Schoolfox
  • Kidsfox
     
  • ORF TVThek
  • ZAPPN
  • Drei TV
  • ZDF Mediathek
  • VLC Player
     
  • Amazon 
  • Willhaben 
  • Jö 
  • Lieferando
     
  • Erste Bank
  • Raiffeisen Elba
  • Hypo Mein Elba-App
  • Bank Austria
  • Bawag P.S.K
  • Easybank
  • Revolut
     
  • ÖBB
  • VOR (AnachB)
  • ÖAMTC
  • VVT
  • Salzburg Verkehr
  • Bolt
     
  • Microsoft Outlook
  • Microsoft Office (Word, Excel, PowerPoint, …)
  • Speedtest Ookla
     
  • Booking
  • Trivago
  • Lufhansa
  • Emirates
  • Turkish Airlines
  • Ryan Air
  • Qatar Airways
  • KLM
  • AirFrance
     

Nur über externe App-Store verfügbar

  • WhatsApp (APK von offizieller WhatsApp-Website)
  • Signal
  • Instagram
  • Facebook
  • Twitch
  • Twitter
  • Reddit
     
  • Spotify
  • Mixcloud
  • Sonos
  • Shazam
  • Soundcloud
  • TuneIn
     
  • Netflix
  • Disney+
  • Amazon Prime Video
     
  • IKEA
  • H&M
  • Zalando
  • Geizhals
  • Mjam
     
  • WienMobil
  • Handyparken
  • Bergfex
  • Uber
  • ShareNow
  • Feedly
  • Pocket
  • Slack
  • Microsoft Teams
  • Dropbox
  • LastPass
  • N26
     
  • Airbnb
  • Expedia
  • Vrbo
  • Checkfelix
  • FlixBus
  • Austrian Airlines
  • Wizz Air
     
  • Netatmo Energy
  • Xiaomi Mi Home
  • Kasa

Kuriose Angaben in der App Gallery

Was mich an der Huawei App Gallery irritiert, sind die Angaben zu den jeweiligen Apps. Beispielsweise wird dort angezeigt, dass die Jö-App mehr als 3 Millionen Mal installiert wurde. Das macht absolut keinen Sinn, da die Jö-App niemand außerhalb von Österreich verwenden kann.

Noch extremer sieht es bei einer anderen Anwendung aus, die ebenso nur in Österreich genutzt werden kann: Laut der Huawei App Gallery wurde die Willhaben-App mehr als 25 Millionen Mal installiert. Allerdings liegen für diese Anwendung lediglich 41 Bewertungen und 37 Reviews vor.

Im Vergleich dazu werden im Google Play Store für die Willhaben-App mehr als 5 Millionen Downloads ausgewiesen. Gleichzeitig gibt es dort für die Anwendung über 137.000 Rezensionen. Im Apple App Store wir die Anzahl der Downloads nicht angezeigt, die Willhaben-App kommt dort allerdings auf mehr als 25.000 Bewertungen.

Irgendwas kann also an den Zahlen von Huawei nicht stimmen. Eine solche Vorgehensweise schürt bei mir massives Misstrauen in die Huawei App Gallery. Wie soll man den dortigen Angaben trauen, wenn nicht einmal die Anzahl der Downloads stimmen kann.

Die Anzahl der Downloads kann nie und nimmer stimmen

Fragwürdige Workarounds

Seit der Android-Bann inkraftgetreten ist, gibt es zahlreiche Workarounds, um Google-Apps dennoch auf Huawei-Handys zum Laufen zu bringen. Die meisten dieser Umwege sind wenig vertrauenswürdig und werden ohnehin bereits nach kurzer Zeit wieder abgedreht. 

Derzeit steht beispielsweise eine App namens Gspace zur Verfügung, mit der man den Google Play Store und alle weiteren Google-Anwendungen nutzen kann. Als ich dieses Service im November zum ersten Mal ausprobiert habe, hat beispielsweise Gmail, Maps und Drive einwandfrei funktioniert. Mittlerweile können diese Google-Dienste über Gspace aber nicht mehr genutzt werden.

Laut App Gallery befindet sich hinter Gspace eine Firma namens Jr Technology Limited, die jedoch nicht auffindbar ist. Eine Google-Recherche nach diesem Unternehmen fördert keine verlässlichen Infos zutage.

Gspace steht exemplarisch für die Workarounds, die eine Nutzung von Google-Diensten auf einem Huawei-Handy versprechen. Wer Google-Services nutzt, um etwa dort seine privaten Fotos abzulegen, Dateien zu speichern oder E-Mails zu versenden, sollte sich mit seinem Google-Konto unter keinen Umständen bei derartig schwindeligen Diensten einloggen

So sieht Gspace aus (links) / die Anwendung dürfte eine Art App-Container sein, in dem die jeweiligen Dienste ausgeführt werden

Fehlerhafte Petal Maps

Statt Google Maps ist man auf Huawei-Handys auf Petal Maps angewiesen, wenn man eine App zur Navigation nutzen möchte. Bereits vor einem Jahr habe ich festgestellt, dass die Adressangaben in Petal Maps ziemlich verwirrend und zum Teil komplett falsch sind. Bis heute hat sich daran nicht wirklich etwas verändert.

In meiner Wohngegend ist noch immer ein Polizeikommissariat und ein Bekleidungsgeschäft eingezeichnet - nichts davon gibt es tatsächlich. Restaurants, Geschäfte und soziale Einrichtungen sind in Petal Maps hinterlegt, die es bereits seit Jahren nicht mehr gibt. Manche davon sind darüber hinaus an der falschen Adresse eingezeichnet.

Navigation als Odysee

Will man mit Petal Maps zur Adresse des Kurier-Medienhauses navigieren, steht einem eine Odysee bevor. Sucht man nämlich nach Leopold-Ungar-Platz zeigt Petal Maps einen nicht zusammenhängenden Straßenzug, der sich über ungefähr einen Kilometer erstreckt. Der Leopold-Ungar-Platz ist aber in Wahrheit nur ein wenige Meter langer Abschnitt auf der Muthgasse.

Sucht man nach Leopold-Ungar-Platz 1, wird unverständlicherweise die Adresse Leopold-Ungar-Platz 19/11 angezeigt, die es überhaupt nicht gibt. Die korrekte Adresse taucht zwar ebenso auf, wird aber grafisch nicht entsprechend hervorgehoben.

Damit Petal Maps mit Google Maps mithalten kann, ist noch einiges an Arbeit notwendig. Mit dem Huawei-Kartendienst wird man zwar von Linz nach Wien finden. Bei der Suche nach einer exakten Adresse würde ich mich aber nicht auf Petal Maps verlassen.

Die Angaben von Petal Maps sind teilweise fasch, teilweise verwirrend.

Fazit

Mit dem Mate 50 Pro beweist Huawei einmal mehr, dass die Hardware bei einem Smartphone nur die halbe Miete ist. Display, Gehäuse, Haptik, Akku sowie Foto- und Videoqualität sind weitgehend einwandfrei und nahezu makellos. Verglichen mit der Top-Hardware fällt die Qualität der Software aber extrem weit zurück.

Das Betriebssystem und das HMS-Ökosystem wirken ziemlich verwirrend, komplett unausgereift und nicht wirklich vertrauenswürdig. Dass im Huawei-App-Store längst nicht alle Apps zur Verfügung stehen, ist da noch das geringste Problem.

Man muss Huawei zugutehalten, dass es bei der Funktionalität der zahlreichen hauseigenen Anwendungen (Browser, Kalender, Mail, Notizen, Cloud, etc.) kaum Gröberes auszusetzen gibt. Eine wirkliche Alternative zu den Google-Pendants stellen diese Dienste aber (noch) nicht dar.

Beispielsweise fällt mit seinen verwirrenden und inkorrekten Angaben sowie falschen Adressauskünften, der Huawei-Kartendienst Petal Maps weit hinter Google Maps zurück. Auch die Petal Suche und die App Gallery können mit den vergleichbaren Google-Diensten bei weitem nicht mithalten.

Dass Huawei die Installation von Apps aus externen App-Stores nahelegt und fördert, grenzt an Fahrlässigkeit. Hinzu kommen die falschen Angaben in der App Gallery, die für das Vertrauen in die Huawei-Software alles andere als förderlich sind.

Ein Smartphone im Jahr 2023 ist muss viel mehr sein als ein Handy mit Kamera. Damit werden Urlaube gebucht, es werden Flug- und Zugtickets verwaltet, es dient zum Online-Shopping und als Bankkarte im Supermarkt. Es werden Kreditkartendaten hinterlegt und noch vieles, vieles mehr. Wer ein Smartphone für solche Zwecke sucht, sollte sich besser nach einer Alternative umsehen.

Wer die beste Smartphone-Kamera haben möchte, gleichzeitig aber auf Google verzichten kann sowie die Geduld aufbringt, das Gerät entsprechend zu warten und die Apps aktuell zu halten, wird mit dem Huawei Mate 50 Pro seine Freude haben.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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