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Nicht jedes 5G-Handy kann 5G: Worauf man beim Kauf achten muss

In vielen Teilen Österreichs ist bei A1, Drei und Magenta das 5G-Netz bereits verfügbar und bei neuen Smartphones zählt die 5G-Kompatibilität mittlerweile zur Standardausstattung.

Doch selbst wenn ein 5G-Netz mit entsprechendem Handy-Tarif vorhanden ist und auch wenn das Smartphone 5G-fähig ist, kann es in manchen Fällen sein, dass das Netz der Zukunft nicht genutzt werden kann.

Was gilt es nun bei der Anschaffung eines 5G-Smartphones zu beachten, dass man die schnellere Verbindungsgeschwindigkeit sowie die niedrige Latenz auch tatsächlich nutzen kann?

Voraussetzungen für 5G-Betrieb

Als erstes benötigt man natürlich einen entsprechenden 5G-Tarif eines Mobilfunkanbieters. Dann muss sichergestellt werden, dass die Hardware des Smartphones mit dem 5G-Netz des jeweiligen Anbieters kompatibel ist. Die Mobilfunkanbieter verwenden für das 5G-Netz verschiedene Frequenzbänder. Diese müssen von dem Smartphone unterstützt werden, was vor dem Kauf eines Handys kontrolliert werden sollte.

Und hier wird es bereits kompliziert, man wird mit Begriffen konfrontiert wie SA, NSA, Sub6 und mmWave oder n28, n75 etc. Dahinter verbergen sich die unterschiedlichen 5G-Funktionalitäten sowie die verschiedenen Frequenzbänder, die eben vom Smartphone und dem jeweiligen Handynetz unterstützt werden müssen.

US-TELECOMMUNICATION-5G

Was bedeuten die Begriffe?

SA - standalone 5G

Beim Standalone-5G funkt das Smartphone direkt mit einer 5G-Funkzelle.

NSA - Non-standalone 5G

Beim Non-Standalone-5G wird zwischen Smartphone und Funkzelle zunächst eine Verbindung über das 4G-Netz aufgebaut und angefragt, ob 5G verfügbar ist. Ist dies der Fall, wird ins 5G-Netz gewechselt.

Sub6

Sub6 entspricht dem Frequenzbereich bis maximal 6 GHz und deckt quasi alle Bereiche im bereits verfügbaren 5G-Netz in Österreich ab. Die Reichweite ist bei Sub6 deutlich höher als bei mmWave. Dafür ist aber auch die Latenz höher und die Verbindungsgeschwindigkeit niedriger.

mmWave

Die Bezeichnung mmWave steht für "Millimeter Wave Bereich" und deckt Frequenzen ab 24 GHz ab. MmWave hat eine wesentlich geringere Reichweite als Sub6, dafür aber eine höhere Verbindungsgeschwindigkeit und eine niedrigere Latenz.

n28, n75, n1

Diese Bezeichnungen verweisen auf den Frequenzbereich: n28 steht beispielsweise für 700 MHz, n75 bedeutet 2.100 MHz und n1 steht für 2.100 MHz. Eine Auflistung aller Frequenzbänder und ihrer Bezeichnungen ist hier zu finden.

Unterschiedliche Angaben der Hersteller

Bei manchen Smartphones werden die unterstützten Frequenzbänder exakt angegeben mit n28 usw. Will man das Smartphone in Österreich verwenden, sollten eben die entsprechenden Frequenzbänder dabei sein.

Manche Handy-Hersteller verweisen lediglich auf Sub6 oder mmWave. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass die gängigsten Frequenzbänder unterstützt werden, sodass sie sich im heimischen 5G-Netz zurechtfinden.

Die 5G-Frequenzen der Mobilfunker

A1

700 MHz (n28), 1.500 MHz (n75), 2.100 MHz (n1) und 3,4-3,8 GHz (n78)

Drei

2.600 MHz (n7), 1.800 MHz (n3), 2.100 MHz (n1), 700 (n28) und 1.500 (n75)

Magenta

700 MHz (n28), 1.500 MHz (n75), 2.100 MHz (n1) und 3,4-3,8 GHz (n78)

Nicht alle kompatiblen Smartphones sind kompatibel

Passen nun alle Spezifikationen zwischen Smartphone und 5G-Netz zusammen, sollte eigentlich das Handy im Netz der Zukunft funktionieren. So einfach ist es aber leider nicht.

Zu Testzwecken habe ich mehrere 5G-fähige Smartphones mit einer 5G-SIM-Karte ausgestattet. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich nicht alle mit dem 5G-Netz verbunden haben, obwohl sie laut Spezifikationen mit den heimischen 5G-Netzen kompatibel wären.

Bei diesen Handys konnte in den Mobilfunkeinstellungen bei Netzwerkmodus nur zwischen 4G, 3G und 2G gewählt werden. 5G wurde gar nicht angezeigt.

Auf die Smartphone-Software kommt es an

Es hat sich herausgestellt, dass für die Inkompatibilität die Software des Handy-Herstellers verantwortlich ist. Smartphones, die im heimischen 5G-Netz funktionieren, wurden zuvor vom Hersteller getestet und auf die österreichischen Mobilfunknetze abgestimmt.

Bei Smartphones, die vom Hersteller nicht an die Parameter der heimischen 5G-Netze angepasst wurden, könnte Software-seitig eine Verbindung mit dem 5G-Netz verhindert werden.

Das bedeutet also, dass selbst wenn die Smartphone-Hardware den Anforderungen der heimischen 5G-Netze entspricht, es keine Garantie dafür gibt, dass sie auch im österreichischen Netz der Zukunft funktionieren.

Warum untersagen die Handy-Hersteller eine 5G-Verbindung?

Der Grund ist ganz einfach: Smartphones, die nicht auf die jeweiligen Mobilfunknetze abgestimmt sind, können das Benutzererlebnis stark beeinträchtigen - etwa, wenn Services wie VoLTE oder VoWIFI nicht entsprechend eingestellt sind.

Beim 5G-Netz könnte beispielsweise bei Standalone und Non-Standalone Probleme auftreten. Möglich wäre im Non-Standalone-Betrieb, dass irgendwelche Parameter falsch gesetzt sind und das Handy unnötigerweise permanent über das 4G-Netz die Funkzellen anpingt und nach 5G fragt.

Oder: Im Standalone-Betrieb wird ständig nach 5G-Funkzellen gesucht, obwohl diese Funktionsweise gar nicht verfügbar ist. In solchen Fällen würde vor allem die Akkudauer des Smartphones darunter leiden, was nicht im Sinne der Hersteller ist.

5G am Samsung Galaxy S21 Ultra

Um solchen Szenarien vorzubeugen, deaktivieren die Smartphone-Hersteller also lieber die 5G-Funktion, als dass dadurch möglicherweise das Benutzererlebnis darunter leidet.

Die heimischen Mobilfunker versichern jedenfalls, dass es keine Blacklist für bestimmte Smarpthones gibt. Alle 5G-fähigen Smartphones, die auf die Parameter der heimischen Netze abgestimmt sind, können sich mit einem entsprechenden 5G-Tarif auch mit dem 5G-Netz verbinden, heißt es. 

Wie komme ich nun an ein funktionierendes 5G-Handy?

Bei gängigen Smartphones, die offiziell in Österreich verfügbar sind, sollte es normalerweise keine Probleme geben. In der Regel sind diese Geräte auf die heimischen Mobilfunknetze abgestimmt und funktionieren auch im 5G-Netz. Zu 100 Prozent sicher sein kann man sich allerdings nicht.

Hilfreich ist, das Smartphone über die offizielle Website des Herstellers zu kaufen. Wenn möglich, sollte man direkt beim Hersteller nachfragen, ob das jeweilige Handy im österreichischen 5G-Netz funktioniert.

Wer für den Handy-Kauf in einen Shop geht, sollte sich ebenso erkundigen und sich versichern lassen, dass das gekaufte Gerät im heimischen 5G-Netz funkt. Gerade für den Fall, dass man das Handy umtauschen oder zurückgeben muss, kann eine solche Zusage hilfreich sein.

Vorsichtig sein sollte man jedenfalls bei weniger bekannten Herstellern. Auch bei Geräten, die nicht offiziell in Österreich verfügbar sind und über Zwischenhändler gekauft werden müssen, ist die Chance höher, dass sie im heimischen 5G-Netz nicht funktionieren.

5G am Xiaomi Mi 10T Pro

Direkt beim Mobilfunkanbieter

Der einzig absolut sichere Weg, an ein funktionierendes 5G-Smartphone zu kommen, geht derzeit nur über die Mobilfunker. Wer sich bei zertifizierten Händlern, auf den Webseiten der Mobilfunker oder in den Stores von A1, Drei oder Magenta ein 5G-fähiges Handy samt passenden 5G-Tarif kauft, kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass die Geräte auch wirklich im 5G-Netz funken.

Da die Problematik mit nicht kompatiblen 5G-Smartphones hauptsächlich auf der Software-Seite liegt, lassen sich die Schwierigkeiten durch Software-Updates aus dem Weg schaffen. Es ist auch davon auszugehen, dass in Zukunft derartige Probleme abnehmen, da sowohl Mobilfunker als auch die Hersteller daran interessiert sind, so viele Nutzer wie möglich in das Netz der Zukunft zu bringen.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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