Digital Life
25.12.2013

Nachlese: Unsere Artikel-Highlights 2013

Was hat die futurezone-Redaktion 2013 besonders bewegt? Eine Auswahl von Geschichten und Interviews, auf die wir besonders stolz sind.

Zum Jahresausklang präsentiert die futurezone-Redaktion ihren Leserinnen und Lesern noch einmal die Highlights aus exklusiv recherchierten Artikeln, interessanten Reportagen und spannenden Interviews. Manche Texte sind den Redakteuren in Erinnerung geblieben, weil sie eine große Herausforderung waren. Andere weil sie besonders gut gelungen sind oder einfach nur Spaß gemacht haben.

Wir wünschen viel Spaß beim Nachlesen und Stöbern – die Redakteure und Mitarbeiter mit ihren persönlichen Lieblingsstorys finden Sie in umgekehrt alphabetischer Reihenfolge.

Claudia Zettel

Ich und Games? Eher nicht. Doch dann kam Ende 2012 Google mit seinem Augmented-Reality-Spiel Ingress, das mich schließlich im Laufe dieses Jahres total in seinen Bann gezogen hat. Umso mehr habe ich mich auf das Interview mit Ingress-Erfinder John Hanke gefreut. Über Dinge zu plaudern, an denen man auch persönlich ganz nah dran ist, macht mir als Journalistin immer besonders viel Spaß. Im direkten Gespräch zu Erfahren, was hinter der Idee von Ingress steckt, wie es mit dem Spiel weitergehen soll und was sich Google davon verspricht, zählte daher absolut zu meinen persönlichen Highlights in diesem Jahr.

Mit Google hat auch ein anderer Artikel zu tun, der mir heuer in Erinnerung geblieben ist. Als eine der ersten ÖstereicherInnen konnte ich im Rahmen der Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai die Datenbrille Google Glass ausprobieren. Das Hands-on, direkt aus San Francisco, war auf jeden Fall etwas Besonderes. Obwohl nur einzelne Funktionen, wie zum Beispiel ein Foto machen oder eine Suche starten, getestet werden konnten, entstand das Gefühl, ganz nah an einer neuen technologischen Weiterentwicklung dran zu sein. Man darf also weiterhin gespannt sein, in welche Richtung es mit Glass künftig gehen wird und ob sich die Datenbrille in Zukunft auf dem Massenmarkt durchsetzen wird. In Desginfragen gibt es jedenfalls auch noch einiges zu tun.

Letztlich lag mir noch ein Interview ganz besonders am Herzen - jenes mit der australischen Internet-Aktivistin Asher Wolf. Sie erlangte als Mitbegründern der Cryptopartys weltweite Bekanntheit. Wolf, die sich unter Pseudonym im Netz bewegt, setzt sich nicht nur für Bewegungen wie WikiLeaks und Occupy ein, kämpft für Datenschutz und Privatsphäre und steht in regelmäßigem Kontakt mit Anonymous-Vertretern. Sie ist auch eine herausragende Kämpferin gegen Sexismus und für Frauenrechte, es war mir daher eine ganz große Freude, mit einer Persönlichkeit wie Asher Wolf ein Interview zu führen.

Barbara Wimmer

Als im Juni der NSA-Skandal aufkam, tauchte relativ rasch die Frage auf: Wieviel wussten die österreichischen Minister von der Geheimdienst-Überwachung und gibt es in Österreich eine Kontaktstelle der NSA?Ein Insider berichtete mir, dass es in Österreich eine direkte Kontaktstelle für den US-Geheimdienst NSA gebe. Die Aufregung darüber war groß. Die Geschichte war die erste, die einen Österreich-Bezug im NSA-Skandal aufgedeckt hat. So musste dann letztendlich auch der US-Botschafter gegenüber dem Innenministeriumdie Existenz des Überwachungsprogramms PRISM und die Überwachung von Österreichern eingestehen. Diese Story wurde auch von der APA zitiert, viele weiteren Medien berichteten in Folge darüber.

Eine spannende Recherche rund um die Sicherheit von Smart Metern brachte mich zum Thema: Was passiert eigentlich, wenn in Österreich der Strom für längere Zeit ausfällt? Österreich ist, was die Stromversorgung betrifft, verwöhnt. Doch die Systeme werden immer komplexer und anfälliger für Störungen. Kaum einem ist bewusst, dass man im Fall eines großflächigen Blackouts nur noch für wenige Stunden über sein Handy kommunizieren kann, oder man auf einem Schlag von der Versorgung mit Lebensmitteln abgeschnitten ist. Ich erforschte daher, wie man sich auf einen Blackout vorbereiten kann und wie Vorsorge-Pläne in Österreich aussehen könnten.

Martin Stepanek

Über den eigenen journalistischen Horizont hinauszublicken, ist immer ein interessantes und lohnendes Unterfangen. Kunst und Technik verbindet seit jeher eine enge Beziehung. Denn die Grundvoraussetzung, um Kunst entstehen zu lassen, ist im Normalfall große technische Präzision, sei es bei der Perfektionierung der eigenen Fertigkeiten, aber auch bei der Umsetzung auf der Bühne. Dass der großartige britische Tänzer und Choreograph Akram Khan in seinem Stück DESH den Widerspruch von technologischem Fortschritt und Armut thematisierte, war die perfekte Gelegenheit, um mit ihmein Interview für die futurezone zu führen. Nach solchen Gesprächen schätzt man sich glücklich, ein Journalist sein zu dürfen.

Las Vegas mag für viele die Stadt der Träume sein. Mich hat das Spieler- und Partyparadies, das man als Technologiejournalist aufgrund der dort abgehaltenen Messen und Konferenzen kaum umgehen kann, immer abgeschreckt. Umso spannender war es, den eigentlich außerhalb der Stadtgrenzen liegenden Las Vegas Strip für eine Reportage hinter sich zu lassen und das ambitionierte wie umstrittene “Downtown Project” des Technologie-Visionärs und Zappos-CEO Tony Hsieh im alten Stadtkern von Las Vegas zu ergründen. Ob Hsieh und seine großteils idealistischen Mitstreiter es schaffen werden, dem jahrelang vernachlässigten Stadtkern ein neues attraktives Gesicht zu geben, bleibt abzuwarten. Der Lokalaugenschein vor Ort lässt zumindest hoffen.

Gerald Reischl

Mein Besuch des 93.000 Quadratmeter großen Facebook-Campus in 1 Hacker Way, Menlo Park, Palo Alto gehörte für mich definitiv zu einem der Highlights des vergangenen Jahres, weil man – obwohl es eine „offizielle“ Journalistenführung und mehr Sightseeing- statt Insight-Tour war – ein wenig hinter die Kulissen des Web-Giganten schauen konnte und ein Gespür bekommen hat, wie Facebook wirklich tickt.

Heimat bist du großer Töchter – österreichische Wissenschafter, deren Forschungsarbeit die Welt revolutionieren könnte, haben mich immer schon fasziniert. So auch die Wiener Molekularbiologin und Genetikerin Angelika Amon, die ich in Boston interviewen konnte. Sie forscht am Koch Institute for Integrative Cancer Research am Howard Hughes Medical Institute des MIT (Massachusetts Institute of Technology) an einem Medikament, mit dem der Krebs geheilt werden kann.

Thomas Prenner

Der beste Fernseher mit dem schärfsten 4K-Bild bringt nur sehr wenig, wenn man keine Inhalte dazu hat, die für das hochauflösende Format geeignet sind. Damit auch alte Filme in Ultra-HD glänzen können, gibt es Unternehmen wie Colorworks,die ich in Los Angeles besuchen durfte. In akribischer Kleinarbeit werden dabei alte Filmstreifen digital eingescannt und teilweise manuell von Staubkörnern befreit. Doch nicht nur Staub beschäftigt die Mitarbeiter: Teilweise wurden die analogen Filme von Witterungseinflüssen so in Mitleidenschaft gezogen, dass die Farben komplett verfälscht wurden. Die Aufgabe, jene zu restaurieren ist also nicht nur eine technische, sondern auch eine kreative. Wie so alte Klassiker, wie etwa Lawrence of Arabia, wieder zu neuem Leben erweckt werden können, ist faszinierend.

Von den zahlreichen Smartphone-Tests im Jahr 2013 ist mir besondersdas Firefox-Handy ZTE Openin Erinnerung geblieben. Mozilla will mit einem offenen Betriebssystem der Konkurrenz die Stirn bieten und zeigt, wie man auf Basis von HTML5 und WebApps ein Ökosystem schafft, das beim ersten Gerät einen positiven Eindruck hinterlässt. Wenn 2014 neue Geräte mit stärkerer Hardware kommen, müssen sich Google, Apple und Microsoft warm anziehen.

Michael Leitner

3D-Druck gibt es bereits seit knapp drei Jahrzehnten, ich verfolge die Entwicklungen dieser Branche nun schon seit acht Jahren. Dieses Jahr dürfte 3D-Druck allerdings der endgültige Durchbruch auf dem Consumer-Markt gelungen sein, auch in Österreich. Der beste Beweis dafür: Der Cubify Cube wird seit einigen Monaten bei Media Markt und Saturn verkauft. Das Einsteiger-Modell von 3D Systemsmusste ich einfach etwas genauer unter die Lupe nehmen. Aus dem “Plug and Play”-Erlebnis wurde allerdings nichts, der Cube bescherte mir eine unfassbar frustrierende Woche, in der ich Stunden mit dem Einrichten verbrachte. Dazu kam der nahezu unverschämte Preis von 1600 Euro. Dennoch war es eine interessante Erfahrung, da ein teurer 3D-Drucker komplizierter zu bedienen war als ein selbst gebauter Ultimaker.

Wer meint, dass es chinesischen und taiwanischen Unternehmen an Innovationsgeist mangelt, wurde dieses Jahr eines Besseren belehrt. Während ich auf der Computex die neuesten Produkte der bereits etablierten Unternehmen, wie Asus oder Acer, ansehen durfte, war der Besuch bei Polytron ein kleiner Blick in die Zukunft. Der Firmengründer ist von der Idee eines durchsichtigen Smartphones überzeugt und dürfte im Laufe des nächsten Jahres erstmals ein funktionsfähiges Gerät präsentieren. Zahlreiche namhafte Hersteller hätten bereits angefragt. Er will sich aber nicht auf Smartphones beschränken, auch Tablets, Tastaturen und Kühlschränke sollen transparent werden. Wozu das denn eigentlich gut sein sollte, konnte er mir auch nicht so recht erklären - er wolle einfach der Erste sein.

David Kotrba

Eine ganz großartige Unterhaltung war es, Anfang Februarden beginnenden Hype um "Harlem Shake" mitzuerleben. Der wilde Tanz samt einfachem, aber höchst amüsantem Videoschema, eroberte YouTube und andere Portale in kürzester Zeit. Jeden Tag konnte man neue Begeisterte entdecken, die sich einen Spaß daraus machten, für ein paar Sekunden hemmungslos herumzuwirbeln. Das zu beobachten wurde dadurch gekrönt, dass "Harlem Shake"-Musiklieferant Baauer mitten im aufkommenden Hype Wien besuchte und das Flex auf den Kopf stellte.

Im September durfte ich Hannes Jörg Schmiedmayer am Atominstitut der Technischen Universität Wien besuchen. Schmiedmayer gilt als Koryphäe am Gebiet der Experimentalphysik. Man kann sich kaum jemand Kompetenteren vorstellen, mit dem man über Teleportation sprechen kann. Auch wenn Star-Trek-Fans vom Ergebnis dieses ausführlichen Gesprächs enttäuscht sein werden, so war es doch höchst aufschlussreich - selbst für einen Quantenphysik-Laien.

Markus Keßler

Die österreichische Spitzenforscherin Lisa Kaltenegger sucht nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, auf denen es die richtigen Voraussetzungen für die Entstehung von Leben geben könnte.Im Gespräch mit der futurezoneerklärt sie, wie das funktioniert. Außerdem spricht sie aus, was viele futurezone-Leser sich insgeheim schon lange wünschen: Wir werden innerhalb der kommenden Jahre Spuren von außerirdischem Leben finden.

Wissenschaftlern der US-Eliteuniversität MIT ist es gelungen, Massenspektrometer, die bislang halbe Zimmer gefüllt haben, so weit zu miniaturisieren, dass sie in auf eine Handfläche passen. Die Geräte sollen schon bald zu einem sehr geringen Preis auf den Markt gebracht werden. Die Machtverhältnisse zwischen Industrie und Konsumenten zugunsten letzterer zu verschieben, indem sie jedem Menschen die Möglichkeit geben, mit einem Massenspüektrometer zu prüfen, ob beispielsweise Lebensmittel durch Chemikalien belastet sind.

Gregor Gruber

Wieviel sollte eine Digitalkamera kosten, die weder Live View, WLAN, Autofokus, eine Filmfunktion, ein ergonomisches Design oder Farbfotos bietet? Wenn es nach Leica geht 10.000 Euro. Selbst unter den Rangefinder-Kameras ist die Leica M Monochrom mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen ein Exot.Der Testblieb mir deshalb in Erinnerung, weil die Kamera aufgrund von Rangefinder-Prinzip und monochromen Fotos eine deutlich andere Art der Fotografie erfordert, als man es von DSLR und Systemkamera gewohnt ist.

2013 führte ein Gerätetest auf den Schießstand: Nicht etwa um den Mythos zu überprüfen, ob ein Handy eine Kugel abfangen kann, sondern um zu testen,ob das iPhone als Zielfernrohr taugt. Inteliscope hat zwar nur mäßig abgeschnitten, der Test ist aber aufgrund der Kuriosität des Gadgets in Erinnerung geblieben.

Patrick Dax

In der Serie"Fünf Fragen zu ... "haben wir die netzpolitischen Positionen der bei der Nationalratswahl antretenden Parteien abgefragt. Würde man die Antworten ernst nehmen und auf Koalitionszwänge keine Rücksicht nehmen, sondern die Mehrheitsverhältnisse für sich sprechen lassen, dann wäre die Netzneutralität in Österreich fest zementiert und die Vorratsdatenspeicherung stünde vor der Abschaffung. Das wird es aber vermutlich nicht spielen. Die Versprechen der Parteien lassen sich aber dennoch mit der künftigen Umsetzung vergleichen. Wir hoffen, dass die Politik dabei nicht allzu schlecht ausschaut. Das vor kurzem veröffentlichte Regierungsprogramm gibt allerdings wenig Anlass zur Hoffnung, dort heißt es vor allem"Cyber, Cyber, Cyber".

Daran, dass man von der Politik nicht allzuviel erwarten sollte, erinnerte uns der Science-Fiction-Autor Cory Doctorow."Politiker verstehen das Internet nicht", sagte er bei einem Interview am Rande der Berliner re-publica im Mai. Doctorow fand auch mahnende Worte: "Wenn wir uns nicht für ein freies Internet einsetzen und unsere Gesetzgeber dazu bringen, das Internet mit Respekt zu behandeln, den es verdient, dann kann es durchaus passieren, dass wir uns in einem Totalitarismus wiederfinden, der weit über die wildesten Träume von Stalin und Orwell hinausgehen."