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01/28/2020

Samsung Galaxy A80 im Test: Das Handy mit der besten Selfie-Kamera

Die rotierende Kamera sorgt für ein Display ohne Notch oder Loch. Ohne Kompromisse geht es aber dann doch nicht.

von Florian Christof

Um einen Notch-freien Screen gewährleisten zu können, haben die Smartphone-Hersteller in den vergangenen Jahren kaum etwas unversucht gelassen: Xiaomi probierte es beispielsweise mit einem Slider-Design. OnePlus, Huawei und auch Xiaomi verbauten motorisiert ausfahrbare Selfie-Kameras und Samsung sowie Honor und Huawei schickten Smartphones mit einem Kameraloch ins Rennen. 

Mit dem Galaxy A80 hat Samsung noch einen zusätzlichen Exoten im Programm, der auf eine motorisiert schwenkbare Selfie-Kamera setzt. Wir haben uns angesehen, was das rotierende Kameramodul kann. 

Alle Augen auf die Kamera

Als ich das Galaxy A80 das erste Mal in Betrieb genommen habe, wollte ich natürlich so schnell wie möglich die Selfie-Kamera ausprobieren. Beim Einrichten des Smartphones ist mir dann zunächst das relativ hohe Gewicht des Geräts aufgefallen. Mit 220 Gramm ist es deutlich schwerer als etwa das Galaxy Note 10+ (196 Gramm) oder das Galaxy S10+ (175 Gramm). Die schwenkbare Kamera ist die einzig logische Erklärung für das höhere Gewicht.

Akku

Am Akku kann das Gewicht jedenfalls nicht liegen, denn dieser fällt mit einer Kapazität von 3.700 mAh wiederum relativ klein aus. Er hält gerade mal einen Tag durch, kann aber mit einer 25-Watt-Schnellladefunktion aufwarten. Damit lässt sich das A80 innerhalb von 15 Minuten von 10 Prozent Restakku auf 32 Prozent aufladen. Zehn weitere Minuten später steht die Akku-Anzeige bei 51 Prozent. Eine Möglichkeit, das Handy kabellos aufzuladen, gibt es nicht. 

Der Fingerprintsensor ist im Display integriert. Während das Galaxy Note10+ und das Galaxy S10+ auf einen Ultraschall-Fingerabdruckscanner setzen, kommt beim A80 ein optischer Fingerprintsensor zum Einsatz. Im Vergleich zu den beiden Spitzenmodellen schlägt sich das in einer höheren Fehlerrate und mehr Trägheit nieder.

Nichtsdestotrotz ist der Fingerabdruckscanner des A80 brauchbar und die schnellste Möglichkeit das Smartphone zu entsperren. Ein Bildschirmentsperren per Gesichtsscann ist nicht möglich. 

Display ohne Loch oder Notch

Während Daten, Einstellungen und Apps von einem anderen Android-Gerät auf das Galaxy A80 übertragen wurden, konnte ich mir noch ein wenig den Bildschirm ansehen. Mit einer Diagonale von 6,7 Zoll fällt dieser recht groß aus. Die Auflösung beträgt 1080 x 2400 Pixel, woraus sich eine Pixeldichte von 393 ppi ergibt. 

Wie schon erwähnt: Notch gibt es keinen, auch kein Kameraloch oder sonstige Einschränkungen. Das AMOLED-Display kann zwar nicht mit dem des Galaxy S10+ oder des Note 10+ mithalten, weist aber dennoch kaum Schwächen auf. Nur die Farben wirken etwas übersättigt. Auch wenn man die Screen-Mode-Einstellung auf "natürlich" stellt, ändert das nur wenig an der hohen Farbsättigung. Davon abgesehen ist der Notch- und Loch-lose Bildschirm eine Wohltat.

Formfaktor und Verarbeitung

Klobig und schwer - ansonsten gibt es am Formfaktor, Design und Verarbeitung nur wenig auszusetzen. Das Kinn des Galaxy A80 ist etwas kleiner als beim S10+ und auch oben ist der Rand eine Spur schmäler. Der Bildschirm zieht sich allerdings nicht über die seitlichen Ränder, wodurch der Rand dort breiter ausfällt als beim Note 10+ oder beim S10+. 

Wie bereits angesprochen: Das hohe Gewicht fällt bei längerer Bedienung negativ auf. Mit 9,3 Millimeter ist es auch spürbar dicker als vergleichbare Geräte.

Rotierende Kamera

Als das Handy nun endlich einsatzbereit ist, kann die Kamera in Betrieb genommen werden. Zunächst die Fakten: Auf der Rückseite des beweglichen Moduls befindet sich ein Triple-Kamera-Setup, bestehend aus einer 48-MP-Linse, einem 8-MP-Ultraweitwinkelobjektiv und einer ToF-3D-Kamera für Tiefeninformationen. 

Die Selfie-Kamera, und das ist das Tolle an dem A80, ist dieselbe wie die Hauptkamera: Wechselt man von der Hauptkamera auf die Frontkamera, fährt ein Teil der Geräterückseite hoch, einen Augenblick später schwenkt das Kameramodul. Auf diese Weise wird aus der Hauptkamera die Frontkamera. Begleitet wird diese Vorgang von Staunen und einem surrenden Motorengeräusch. 

Bis die Selfie-Kamera einsatzbereit ist, vergeht eine Sekunde. In der Praxis dürfte das wohl schnell genug sein, um einen möglichen Selfie-Schnappschuss nicht zu verpassen.

Beste Selfie-Kamera der Welt

Nutzt man die Kamera als Hauptkamera, lässt das A80 durchaus passable Bilder entstehen. Mit den Samsung-Spitzenklassemodellen kann das A80 beim besten Willen nicht mithalten. Dennoch sind die Fotos in Ordnung. 

Dreht sich das Kameramodul, hat man mit Sicherheit eine der besten Selfie-Kameras, die es zurzeit gibt. Der ToF-Sensor ermöglicht hier eine taugliche Tiefenunschärfe, die die Gesichtszüge penibel abzuschätzen weiß. Mit dem Ultraweitwinkel kann die Selfie-Kamera zusätzlich punkten, was gerade bei Gruppenselfies ein wesentlicher Vorteil ist. 

Rüttelt man ein wenig am beweglichen Teil auf der Rückseite, merkt man, dass sich das Kameramodul ein wenig hin und her bewegen lässt. Schwer zu sagen, wie sich das A80 mit seiner schwenkbaren Kamera auf Dauer bewährt - förderlich für die Langlebigkeit wird sie allerdings wohl kaum sein. 

Technische Spezifikationen

Fehlen noch die technischen Daten: Als Prozessor kommt ein Snapdragon 730 zum Einsatz. Dem sind 8 GB Arbeitsspeicher sowie 128 GB interner Speicher zur Seite gestellt. Einen microSD-Kartenslot gibt es nicht. Ebenso wenig ist ein klassischer 3,5mm-Kopfhöreranschluss vorhanden. 

Fazit

Die Idee mag gut sein. Doch die Umsetzung bedarf entweder noch einiger Feinarbeit oder sie ist einfach nicht konkurrenzfähig. Auch wenn man sich durch das schwenkbare Modul die Selfie-Kamera erspart, hilft das wenig, wenn dafür ein hohes Gewicht, ein dickes Gehäuse sowie eine vermutlich kürzere Lebensdauer in Kauf genommen werden muss. 

Wer sich abseits der Spitzenmodelle ein Samsung-Mittelklassegerät kaufen will, ist mit dem Galaxy A70 auf der sichereren Seite. Der Preis gegenüber dem Galaxy A80 ist etwas niedriger (ab 310 Euro) und dafür bekommt man auch einen größeren Akku, einen microSD-Slot sowie einen herkömmlichen Kopfhöreranschluss. Display und Kamera sind in etwa gleich. 

Wer viele Selfies aufnimmt und dabei mit der extravaganten Kamera auffallen möchte, ist mit dem Hingucker-Handy Galaxy A80 bestimmt gut bedient. Gesehen wurde das A80 mit einem Preis von 360 Euro.