© ESO

Science
12/27/2018

Schwarze Löcher, CRISPR-Babys und E-Flugzeuge: Best of Science 2018

Auch 2018 wurde wieder fleißig geforscht. Wir präsentieren die besten Wissenschaftsnachrichten des vergangenen Jahres.

Das Jahr 2018 hatte für Wissenschaftsfans einiges zu bieten: Im Weltraum wurden neue Rekorde aufgestellt, es gab Fotos aus der direkten Umgebung eines Schwarzen Lochs, ein chinesischer Forscher hat mit der relativ neuen CRISPR-Methode erstmals Menschen genetisch verändert und ein mysteriöses Loch in einer Sojus-Kapsel hat nicht nur auf der Raumstation ISS für Aufregung gesorgt. Wir geben an dieser Stelle einen kurzen Überblick der interessantesten futurezone-Medlungen aus dem Ressort "Science".

Aufregung im All

In den unendlichen Weiten ist heuer einiges passiert. Die NASA-Sonde "Parker Solar Probe" hat neue Redorde für das schnellste Raumgefährt aller Zeiten und den geringsten Abstand zur Sonne aufgestellt. Zudem hat sie auch noch ein erstes cooles Foto aus der Korona der Sonne geschickt. In den kommenden Jahren wird die Sonde weitere Rekorde brechen, unter anderem durch eine weitere Annäherung an unsere Sonne: 2025 wird Parker ihren sonnennächsten Punkt erreichen.

Ein weiteres unfassbares Foto aus dem All hat die Europäische Südsternwarte geliefert. Es zeigt den bisher detailliertesten Blick auf das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie. Zwar ist die monströse Masseansammlung nicht direkt zu sehen, aber die umgebende leuchtende Materie lässt erstmals erahnen, wie es in der direkten Umgebung einer Singularität aussieht. Im kommenden Jahr soll mit Verspätung erstmals eine direkte Aufnahme eines Schwarzen Lochs präsentiert werden,

Sturm auf dem Mars

Auch der Rote Planet lieferte 2018 Schlagzeilen. Ein globaler Sandsturm entwickelte sich zum Problem für die NASA-Rover, die nicht mehr genug Licht für die Erzeugung von Elektrizität einsammeln konnten. Die US-Raumfahrtbehörde hat ihen Fuhrpark auf dem Mars zudem erweitert: Im November ist der Forschungsroboter InSight auf unserem äußeren Nachbarplaneten gelandet. Das hat er gleich mit einem Selfie von der Oberfläche bestätigt.

Bemannte Flüge zum Mars konnte 2018 noch nicht bieten, aber Elon Musk und die NASA halten das Thema am Köcheln. Die grundlegende Frage, ob der Mars nicht vielleicht doch grundsätzlich unbewohnbar ist, ist damit aber noch nicht vom Tisch.

Weite Reise

Auch jenseits der Marsumlaufbahn hat die Raumfahrt Ambitionen. Mit BepiColombo ist seit Oktober eine europäische Sonde unterwegs zum Merkur. Sie bewältigt einen großen Teil ihrer Reise mit dem fortschrittlichsten Ionentriebwerk, das es derzeit gibt. Diese Antriebsform ermöglicht es mit sehr wenig Treibstoff zu fliegen. Für die Bremsung am Merkur ist aber immer noch ein konventionelles Raketentriebwerk notwendig. Die Ankunft ist für den 5. Dezember 2025 geplant.

Die Sonde Voyager 2 hat den Merkur seit langem hinter sich gelassen. Sie hat im November 2018 nach Ansicht der NASA unser Sonnensystem offiziell verlassen und zieht damit mit ihrer Schwestersonde Voyager 1 gleich. Die Sonde sendet immer noch Signale zurück zur Erde und liefert sogar noch wissenschaftlich verwendbare Daten aus dem interstellaren Raum.

Glückwünsche

Die NASA feierte 2018 ihren 60. Geburtstag. Rechtzeitig zum Fest ist die Sonde Osiris Rex auf dem Asteroiden Bennu eingetroffen. Sie soll von dort Gesteinsproben zurück zur Erde schicken. Die Internationale Raumstation ISS feierte ebenfalls ein Jubiläum: Sie ist seit 20 Jahren ein permanenter Außenposten der Menschheit im All und soll auch in den kommenden Jahren weiter ihren Dienst versehen. Die ISS hatte 2018 aber auch mit Problemen zu kämpfen: Ein mysteriöses Loch in einer Sojus-Kapsel, die an der ISS angedockt hat, sorgte für gegenseitige Beschuldigungen zwischen den USA und Russland. Nach einem Außeneinsatz ist das Leck mittlerweile dauerhaft repariert worden.

Die dunkle Seite des Jahres

Auch traurige Nachrichten gab es heuer für Wissenschafts-Fans: Stephen Hawking, der was seine Bedeutung in der Popkultur angeht wohl der einzig legitime Erbe Albert Einsteins war, ist im März dieses Jahres verstorben. Der Physiker und Sachbuchautor war vor allem für seine Arbeiten zu Schwarzen Löchern bekannt. Passend dazu wurde als letzte Ehrerbietung eine Audioaufzeichnung seiner Stimme in Richtung des Schwarzen Lochs 1A 0620-00 ins All gesendet.

Auch das Weltraumteleskop Kepler hatte 2018 seinen letzten Auftritt. Das NASA-Instrument war maßgeblich am Exoplaneten-Boom beteiligt, der in den vergangenen Jahren eines der wichtigsten Themen für Astronomen war. Kepler hat über 2.600 Exoplaneten gefunden. Auch an der möglichen Entdeckung des ersten Exomondes im Oktober war Kepler noch beteiligt.

 

CRISPR-Babys

Ein chinesischer Forscher hat gegen Jahresende für internationale Schlagzeilen gesorgt: Er hat die auch als "Genschere" bekannte CRISPR-Methode verwendet, um Veränderungen in der menschlichen Keimlinie vorzunehmen. Zwei in China geborene Mädchen tragen eine Genmanipulation in ihrem Erbgut, die ihr Risiko an HIV zu erkranken minimiert. Diese Änderung werden sie auch an mögliche Nachkommen weitergeben. Dass erstmals genetisch veränderte Babys zur Welt kamen, hat für heftige Kritik gesorgt. Derartige Experimente sind vielerorts verboten.

Wie so häufig in der Biologie stellte sich auch 2018 heraus, dass die Dinge oft noch viel komplexer sind, als Forscher gedacht hätten: Von mitochondrialer DNA, das ist das eigenständige Erbgut der Kraftwerke in den Zellen, war angenommen worden, dass sie nur von Müttern an Kinder weiterrgegeben wird. Daran wurden im November Zweifel laut: Die Sache ist kompliziert.

Neues Kilogramm

Die Definition des Kilogramms, des Amperes, des Mols und des Kelvins wurden 2018 geändert. Das Kilogramm basiert jetzt nicht mehr auf einem in Paris aufbewarten Urkilogramm, sondern wird, wie auch die anderen überarbeiteten Maßeinheiten, über eine Naturkonstante definiert. Die neuen Definitionen gelten ab dem 20. Mai 2019. Die neue Kilogramm-Definition basiert danach auf der Planckschen Konstante.

Elektrische Luftfahrt

Nach den Autos sollen auch Flugzeuge elektrifiziert werden. Während diverse Firmen an elektrisch betriebenen Flugzeugen arbeiten, hat das MIT gleich einen Ionenantrieb für Flugobjekte demonstriert. Damit lassen sich vorerst zwar nur leichte Drohnen antreiben, aber beeindruckend war es trotzdem.

Eiswürfel und Klimawandel

Der Neutrinodetektor Ice Cube vermeldete 2018 einen Erfolg: Erstmals konnte eine Quelle für Neutrinos mit sehr hoher Energie identifiziert werden. Forscher hatten lange gerätselt, woher diese hochenergetischen Teilchen stammen könnten. Ice Cube konnte nachweisen, dass zumindest ein solches Neutrino von einem supermassiven schwarzen Loch im Zentrum einer Galaxie, einem sogenannten Blazar, im der Konstellation Orion, ungefähr 3,7 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, stammte.

Von Eiswürfeln ist der Sprung zum Klimawandel nicht weit. Eines der Dauerthemen der vergangenen Jahrzehnte machte auch 2018 Schlagzeilen. Es zeigt sich, dass auch die digitale Welt nicht von den Auswirkungen verschont bleiben wird. Die küstennahe Internetinfrastruktur könnte in den kommenden 15 jahren laut Ansicht von Forschern von steigenden Meeresspiegeln ausradiert werden.

Die futurezone-Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr.