Digital Life
30.12.2014

Flops 2014: Netzsperren, Ditech, McShark und Hacks

Die Technikwelt war 2014 neben zahlreichen Highlights auch wieder von einigen Flops geprägt. Neben dem Sperren von Websites sorgten Hacks und Insolvenzen für Schlagzeilen.

Heartbleed

Es war eine der, wenn nicht überhaupt die größte Internet-Sicherheitslücke, die jemals aufgedeckt wurde. Die fehlerhafte Version einer Programmbibliothek war schon seit zwei Jahren im Einsatz und erlaubte es Mittelmännern, sich in mit OpenSSL verschlüsselt Verbindungen einzuklinken. Rund 66 Prozent der Webseiten weltweit waren von der Lücke betroffen, die Heartbleed getauft wurde. Obwohl Updates sehr schnell verfügbar waren, waren noch Monate später Server von der Lücke betroffen.

Netzsperren in Österreich

Mitten im Sommer sorgte ein Urteil des Obersten Gerichtshof (OGH) in Österreich für großes Aufsehen in der Netz-Community. Es besagte, dass Internetprovider bei Urheberrechtsverletzungen mit einer Zugangssperre beauftragt werden können. Schon bald wurden vom Verein für Antipiraterie erste Aufforderungen an die Provider verschickt, die nach Klagen auch umgesetzt wurden, was zu Protesten führte. Der Verein für Antipiraterie (VAP) in Wien sieht das Ganze natürlich anders und hat die Umsetzung der Sperren als zu lasch kritisiert und auch Begrifflichkeiten wie " Netzsperre" und "Zensur" als "Verkehrung der Tatsachen" kritisiert.

Galerie: Die Technik-Flops 2014

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Amazon Fire Phone

Profil

Damian Izdebski, Firmengründer und Geschäftsführer…

A woman uses a smartphone in New York City

Jennifer Lawrence

Photo illustration shows USB device being plugged

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u2

The Pirate Bay

Tastatur

Amazon Fire Phone

Im Juni hat der Versandhändler Amazon offiziell sein erstes Smartphone enthüllt. Das Gerät ist mit dem Feature Firefly ausgestattet, mit dem es möglich ist, beliebige Gegenstände per Foto zu identifizieren. Wirklich heiß waren die Kunden auf das Fire Phone jedoch nicht. Amazon-Chef Jeff Bezos ließ sich Anfang Dezember sogar dazu hinreißen, das Projekt als Pleite zu bezeichnen. Die Kunden wollten das Smartphone nicht, die Abschreibung auf die Lagerbestände kostete Amazon im dritten Quartal rund 350 Millionen Euro. Ein schwerer Schlag für das Unternehmen, das trotz Milliardenumsätze regelmäßig um seine Gewinne kämpfen muss.

Klarnamenpflicht

2014 war das Jahr der heftigen Debatten über die sogenannte Klarnamenpflicht in den Foren von Nachrichtenwebsites. Sogenannten Hasspostings solle damit der Kampf angesagt werden. Vorgeprescht ist im Sommer Profil.at und erklärte, Pseudonyme werden im eigenen Forum nicht mehr toleriert. "Die Grenze der Erträglichkeit ist längst überschritten", sagte Herausgeber Christian Rainer damals. Die futurezone wollte genau wissen, wie diese Verifizierung der Identität im Forum abläuft und hat sich unter offensichtlich falschen Namen registriert. Die Accounts wurden dennoch freigeschaltet und es war möglich, Beiträge zu schreiben. Damit zeigt sich: Wer trollen oder seine Hassbotschaften unbedingt loswerden will, kann das auch weiterhin - nur eben nicht mehr unter Nicknames, sondern unter falschen Namen.

Ditech und McShark

2014 war auch ein Jahr der Pleiten von Elektronikhändlern. Zuerst erwischte es Ditech. Der Computerhändler konnte die notwendigen neun Millionen Euro nicht auftreiben, die Sanierung scheiterte. Die Pleite entpuppte sich als völliges Debakel: Es war kein Vermögen für die Ausschüttung an Gläubiger vorhanden. Gewinner war der Mitbewerber e-tec, der sich die Markenrechte an Ditech und die Reste des Unternehmens sicherte und die Geschäfte mit altem Namen und neuem Konzept wieder eröffnete.

Nur wenig später erwischte es den Apple-Experten mcworld/mcshark, der ebenfalls zahlunsunfähig war. Hier sprang HAAI Telekommunikations GmbH von Zeljko Drmic in die Bresche, schloss sechs der 18 Filialen und startete mit neuer Optik durch.

Handytarife in Österreich

2014 war das Jahr, in dem österreichische Mobilfunkkunden abermals verstärkt zur Kasse gebeten wurden. Während Österreich in der Vergangenheit immer als extrem günstiges Mobilfunkland galt, änderte sich das in diesem Jahr. Teilweise wurden die Tarife verdoppelt und auch Bestandskunden mussten Preiserhöhungen in Kauf nehmen.

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich rechnete vor, dass die Tarife seit 2005 im Schnitt um 76,2 Prozent angestiegen sind. A1, T-Mobile und Drei haben 2014 ihre Tarife erhöht, aber von einer Verbesserung der Leistungs- und Servicequalität für Kunden sei nichts zu bemerken, so die Konsumentenschützer. Etwas Bewegung in den Markt könnte Hofer mit seiner neuen Marke HoT bringen, die zu Kampfpreisen ab dem 2. Jänner 2015 angeboten wird.

Hollywood-Nacktfotos

Zahlreiche Hollywood-Stars wurden im September Opfer eines Datendiebstahls. Die Fotos zeigen einige der Stars nackt. Opfer wurden unter anderem Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence, Popstar Rihanna, die kanadisch-französische Sängerin Avril Lavigne, die Klitschko-Verlobte Hayden Pannettiere sowie US-Fußballstar Hope Solo. Wie genau die Fotos an die Öffentlichkeit gelangt sind, ist bis dato immer noch unklar. Vermutet wurde, dass eine iCloud-Sicherheitslücke ausgenutzt wurde, über die Apple schon lange Bescheid wusste.

USB

Eine weitere Sicherheitslücke, die 2014 für Schlagzeilen sorgte, war BadUSB. Die Hälfte alle weltweiten USB-Geräte soll so für Attacken anfällig sein. Per USB angeschlossene Smartphones konnten durch diese Schwachstelle plötzlich den gesamten Datenverkehr eines Computers umleiten.

Assassin’s Creed Unity Bugs

Eines der meist erwarteten Gaming-Titel des vergangenen Jahres war Assassin's Creed Unity. Der siebente Teil der populären Serie führt den Spieler ins Paris der französischen Revolution und will mit atemberaubender Grafik locken. Als Flop erwiesen sich die zahlreichen Fehler, die Ubisoft ungewollt im Spiel hinterlassen hat. Charaktere ohne Gesichter, Menschen die in Böden steckenbleiben und zahlreiche Abstürze: Das sind nur einige der Bugs, die den Spielern sauer aufgestoßen sind. Die Aufregung in der Gaming-Community war so groß, dass sich Yannis Mallat, CEO von Ubisoft, persönlich für das Debakel entschuldigte. Ob Ubisoft daraus etwas für seine zukünftigen Titel gelernt hat, bleibt abzuwarten.

U2 Zwangsalbum

Mit einer positiveren Reaktion haben wohl Apple und U2 gerechnet, als sie entschieden haben, das neue U2-Album "Songs of Innocence" nicht einfach nur einer halben Milliarde Kunden zu schenken, sondern es praktischerweise auch gleich in deren iTunes-Mediatheken zu platzieren. Wirklich erfreut zeigten sich viele Nutzer dadurch aber nicht und machten ihrem Ärger über verschiedene Online-Kanälen Luft. "Ein Geschenk, das an der Haustür liegt, ist eine Sache. Ein Geschenk, das man im Haus hinterlässt, nachdem man sich selbst Zutritt verschafft hat, etwas ganz anderes", fasste das amerikanische Technologieblog "Recode" die Stimmung zusammen. U2-Sänger Bono rechtfertigte die Aktion zuerst, bevor er sich kurz darauf entschuldigte.

The Pirate Bay

Ein legendäres Online-Portal und gleichzeitig Dorn im Auge der Urheberrechtsvertreter musste Ende 2014 die Pforten schließen. Der Torrent-Tracker The Pirate Bay wurde im Zuge einer Razzia von schwedischen Behörden offline genommen. Es folgte große Aufregung und Kopien ließen nicht lange auf sich warten. Ob The Pirate Bay jemals wiederbelebt wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Ein ehemaliger Administrator der Seite erklärte, wenn man zurückkomme werde das mit einem Knall passieren.

Social Media Manipulation

Dass Unternehmen Online-Foren und vergleichbare Plattformen missbrauchen und mittels gezielten Aktionen manipulieren, war für viele keine Überraschung. In welchem Ausmaß das geschieht und wer aller diese Dienste in Anspruch nimmt, hingegen schon. Die futurezone hat zu diesem Thema mit zwei Insidern gesprochen und etwas Licht in das sehr schattige Geschäft gebracht.